Raubtier im Raum Bismark angekommen / DNA-Ergebnis für Januar erwartet

Isegrim kein Phantom mehr: Wolf macht neue Beute

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Der Wolf ist in vielen Gebieten Europas ausgerottet worden. Nun erobert sich Isegrim altmärkische Reviere aufs Neue.

Bismark. Die Einheitsgemeinde Bismark ist Wolfsland. Auch wenn sich vermutlich noch kein Rudel oder auch nur ein einzelnes Paar dort fest angesiedelt hat. Bürgermeisterin Annegret Schwarz’ Offensive gegen das Raubtier zielt also auf kein Phantom.

Die CDU-Frau vermutet Isegrim im Raum Badingen und irgendwo bei Kremkau. Für dieses Jahr sind dem Landesamt für Umweltschutz mit Sitz in Halle zwei Risse von Nutztieren bekannt, bei denen Wölfe als Angreifer nicht ausgeschlossen werden können, wie es in solchen Fällen heißt. Ende April und Anfang Mai sei ihrer Behörde jeweils von einem gerissenen Kalb berichtet worden, informiert Sprecherin Ines Wahl auf Anfrage der AZ.

Zwei Schafe gerissen, drei sind ertrunken

Ein aktueller Fall wird gerade bearbeitet. Die Meldung über den Tod von fünf Schafen ging am 6. Dezember im Landesamt ein. Demnach tötete Isegrim zwei Tiere. Drei weitere Schafe sind vermutlich auf der Flucht vor einem oder mehreren Angreifern in ein Wasserloch gelaufen und kamen dort allein nicht mehr heraus. Ob es sich tatsächlich um den Wolf gehandelt hat, muss die DNA-Analyse zeigen. Mit Ergebnissen sei in der Regel nach vier bis sechs Wochen zu rechnen. Wahl: „Sie liegen also im günstigsten Fall Anfang Januar vor.“

Umwelt-Landesamt: Rudel viel unterwegs

Der aktuelle Monitoringbericht des Landes beschreibt Rudel im Zichtauer und Klötzer Forst sowie in der Colbitz-Letzlinger Heide. Beide Territorien liegen nicht sonderlich weit von Badingen und Kremkau entfernt. Etwas weiter weg befindet sich die Altmärkische Höhe, wo Isegrim auch vermutet wird. „Da Wölfe sich großräumig und gelegentlich auch außerhalb ihrer Territorien bewegen, kann es vorkommen, dass sie in entfernteren Orten und Landschaftsräumen wahrnehmbar sind“, erklärt Wahl. „Auch ist es möglich, dass durchziehende Wölfe, die nicht zu den genannten Vorkommen gehören, gesichtet oder deren Hinterlassenschaften wahrgenommen werden.“

Mindestens 14 Rudel und mehr als 90 Exemplare

In ganz Sachsen-Anhalt sollen wieder mindestens 92 Wölfe und 14 Rudel leben. „Die Populationsentwicklung hat sich im Monitoringjahr 2017/18 moderat gezeigt“, weiß Wahl. Das heißt: Zehn der bekannten Rudel im Land und ein grenzübergreifendes mit Brandenburg haben Nachwuchs, zwei Rudel in Sachsen-Anhalt blieben ohne Welpen. Es gibt ein neues Rudel im Mehmker Forst in der Westaltmark, noch ohne Nachweis von Nachwuchs, und zwei territoriale Paare, grenzübergreifend mit Niedersachsen und Sachsen. Isegrim kehrt seit gut 20 Jahren in alte Reviere zurück und erobert sich neue. Tierschützer jubeln, Landwirte fürchten um ihr Vieh.

Beobachter bilanzieren: Nachwuchs überschaubar

„Insgesamt wurden gegenüber den Vorjahren durchschnittlich weniger Welpen pro Rudel großgezogen, dafür sind mehr der vorjährigen Nachkommen in den Rudeln verblieben“, resümiert die Sprecherin des Landesamtes gegenüber der AZ. Das deute auf einen nahen Generationswechsel besonders in den länger bestehenden Territorien hin. Insofern hätten die Wölfe in Sachsen-Anhalt im vergangenen Monitoringjahr, von Mai 2017 bis April 2018, zwar an Zahl zugenommen, die Vermehrung selbst sei aber eher mäßig ausgefallen, findet Wahl. Der Zuwachs liegt demnach bei circa zehn Prozent.

Bürgermeisterin sieht Tourismus gefährdet

Schwarz wird das wenig beruhigen. Die Christdemokratin sieht im Wolf einen Eindringling, der zwar nicht ausgerottet gehöre, aber mindestens auf ein bestimmtes Maß gehalten. Das Raubtier beeinflusst nach ihrer Meinung Tourismus und Landwirtschaft, ja das Leben auf dem Lande, negativ. Die Vielbaumerin wünscht sich Isegrim lieber heute als morgen ins Jagdrecht und hat 2017 als eine der Ersten sogenannte Mahnfeuer gegen den Rückkehrer organisiert. Das Thema Wolf werde momentan totgeschwiegen, glaubt sie. Schwarz wünscht sich einen stärkeren politischen Druck gegen den aus ihrer Sicht überhöhten Schutzstatus des Wolfes.

Von Marco Hertzfeld

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