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Intel: Bismarker Ortschefin dreht am Chip

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Von: Marco Hertzfeld

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Intel-Projekt in Magdeburg: Bagger stehen am Rande eines Ackers nebeneinander.
Bagger stehen am Rande eines Ackers nebeneinander. Auf dem Feld am Rande von Magdeburg will der Chip-Hersteller Intel ein Werk bauen. Bördeboden gilt bei Landwirten als besonders ertragreich. © dpa

Altmark und Börde sind direkte Nachbarn. Die wirtschaftliche Entwicklung nimmt in der zweitgenannten Region Fahrt auf. Bismarks Ortsbürgermeisterin Rothe hadert mit Intel bei Magdeburg und blickt auf die eigene Bevölkerungsstatistik.

Bismark – „Intel hätte natürlich auch bei uns bauen können“, zeigt sich Ruth Rothe im AZ-Gespräch in dieser Woche durchaus selbstbewusst. Zumal: „Magdeburg verhökert wertvollen Ackerboden. Das sollte uns alle in Sachsen-Anhalt stören.“ Dass die Bodenqualität für Landwirtschaft in der Börde um Ecken besser sei als jene in der Altmark, zumindest in großen Teilen, sei allgemein bekannt. Und ja, eine Autobahn ganz in der Nähe werde es auch in absehbarer Zeit in Bismark und Umgebung geben. Doch Pustekuchen, der US-Chiphersteller investiert Milliarden Euro und schafft Tausende Arbeitsplätze lieber in der Landeshauptstadt. Die Linken-Ortsbürgermeisterin muss sich derweil mit der weiteren demografischen Talfahrt der Einheitsgemeinde beschäftigen.

Einwohnerschaft schrumpft weiter

Annegret Schwarz (CDU), die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde, hat für den Vergleich noch einmal genau hinschauen lassen und muss die Zahlen korrigieren. Aktuell leben, wie bereits vermeldet, 7957 Menschen in den 20 Ortschaften. 2021 und 2022 miteinander verglichen, ergibt sich ein Minus von 117 Menschen und nicht von 157. So oder so, die Bevölkerungszahl ist unter die 8000er-Marke gesunken. Bismark (ohne Ortsteile) bleibt um Längen die größte Ortschaft. 2339 Menschen sind dort für Ende 2022 registriert, 52 weniger als für 2021. „Prognosen und Entwicklungen für die ganze Region sind anthrazitfarben und nicht mehr tiefschwarz wie noch vor Jahren, immerhin“, kommentiert Ortsbürgermeisterin Rothe trocken.

Größerer Investor 2023 nicht in Sicht

Dass der große Investor und Jobmotor die nächsten Monate und Jahre wahrscheinlich nicht vor der Tür stehe, müssten Politik und Verwaltung schlichtweg akzeptieren. „Wir können nur unsere Hausaufgaben erledigen, um die Menschen in der Einheitsgemeinde zu halten und weitere für uns zu gewinnen.“ Wer sich in seiner Heimat wohlfühle und Wurzeln schlage, der bekomme auch Nachwuchs. „Es fehlt uns einfach nach wie vor an Kindern“, stellt Rothe fest. Für die gesamte kommunale Familie und 2022 meldet das Rathaus gerade einmal 48 Geburten. Im selben Zeitraum hat es 153 Sterbefälle gegeben.

Linke erkennt Hausaufgaben

„Wir müssen unsere Infrastruktur weiter verbessern. Wir sollten Mittelständler, Handwerker und die alternativen Energien im Blick haben. Wir müssen schon jetzt daran denken, dass einige Ärzte irgendwann in den Ruhestand gehen. Wir müssen an Zug- und Busverbindungen arbeiten, den ÖPNV stärken und flexibler gestalten. Und ja, Carsharing und Bürgerbus sind kein Teufelswerk.“ Dass ein Bürgerbus-Projekt beim Nachbarn Osterburg letztendlich nicht in die Erfolgsspur gefunden hat, weiß Rothe. „Dann müsste man es eben besser machen und genau schauen, woran es dort gelegen hat und gescheitert ist.“ Die Genossin läuft zur Hochform auf und verweist umgehend auf das sogenannte Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzept, kurz IGEK, das den Weg einer Kommune vorzeichnen soll und kann. Von dem Papier hängt es auch maßgeblich ab, inwieweit in den verschiedensten Bereichen Fördergeld fließt oder nicht. „Daran müssen wir wirklich bis zum Schluss konzentriert und mit vielen Ideen arbeiten.“

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