Ingenieurin Dörthe Bethge-Steffens aus Poritz kämpft gegen Vorurteile gegenüber der Altmark

„Hier ist bald keiner mehr“

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Dörthe Bethge-Steffens ist in vielen Vereinen in und um Bismark aktiv. Sie macht sich für die Region stark. Wichtig ist ihr, jungen Menschen klar zu machen, dass sie auch in der Altmark Karriere machen können.

Poritz. „Hier in der Altmark gibt es nichts und hier passiert nichts. Hier bleiben nur noch die Dummen und Zurückgebliebenen. Jeder, der was auf sich hält, geht weg. “ Das sind Aussagen, die Dr. Dörthe Bethge-Steffens nur zu gut kennt.

Die studierte Wasser- und Wirtschaftsingenieurin kehrte nach ihrem Studium in Dresden in die altmärkische Heimat nach Poritz zurück.

Und wurde häufiger mit diesen Sätzen konfrontiert. Damals hat sie noch im Ingenieurbüro ihres Vaters gearbeitet. Der eine oder andere zweifelhafte Gedanke kam bei ihr nach diesen Aussagen dann schon mal auf, dennoch blieb sie in der Heimat. 2002 nahm sie eine Doktorandenstelle im Umweltforschungszentrum in Falkenberg (liegt zwischen Seehausen und Werben) an. Fünf Jahre später war sie mit ihrer Promotion fertig und übernahm das Ingenieurbüro ihres Vaters in Poritz. Heute ist sie dort die Chefin.

Neben ihrem Job und ihren beiden Kindern macht sie sich für die Altmark stark. Sie ist Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren in der Altmark. „Als ich hier beigetreten bin, habe ich gemerkt, dass es hier Menschen gibt, die etwas bewegen wollen. Das hat mich damals bestärkt weiter zu machen“, sagt sie gestern im Gespräch mit der AZ. Zudem ist sie Mitglied der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt. Und seit Kurzem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ (AZ berichtete). Im Verein „Historische Region Lindstedt“ ist sie ebenfalls Mitglied und bringt sich mit fachlichen Kompetenzen in die baulichen Vorhaben des Vereins ein. An der Vereinsarbeit in Lindstedt imponiert ihr, dass „alle an einem Strang ziehen und was bewegen wollen“.

Engagiert ist Dörthe Bethge-Steffens auch im Schulelternbeirat des Stendaler Winckelmann-Gymnasiums, das ihr ältester Sohn besucht. Auch hier fallen unter den Beiratsmitgliedern Sätze wie „Es ist schwer, junge Leute in der Altmark zu halten. Hier ist bald keiner mehr.“ Das macht sie sauer. „Es wird den Kindern eingeprägt, dass sie weggehen müssen, um beruflich was zu erreichen“, sagt sie. Das sei falsch. Die Altmark biete genug Arbeitsmöglichkeiten, man wisse nur nicht viel davon. Deshalb organisierte sie vergangenes Jahr einen Regionaltag am Stendaler Gymnasium und lud Unternehmen aus der Altmark in die Schule ein, um den Jugendlichen zu zeigen, was sie studieren können, um auch in der Region Arbeit zu finden. Dieses Jahr findet der Regionaltag wieder statt.

Das freut Dörthe Bethge-Steffens, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen das Vorurteil „In der Altmark gibt es keine Arbeit“ anzugehen und versucht, allen Zweiflern neue Perspektiven zu zeigen.

Von Marilena Berlan

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