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Bismark: Frühere Glaserei ins Blickfeld gerückt

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Von: Marco Hertzfeld

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Butzenscheiben liegen in einer Vitrine, eine Hand hält ein Exemplar.
Eine Butzenscheibe zwischen den Fingern. Werkstoffe und Arbeitsgeräte liegen in einer Vitrine aus. © Marco Hertzfeld

Sehenswert: Der Heimatverein Bismark widmet der einstigen Glaserei Geng eine kleine Ausstellung. Präsentiert sind ausgewählte Arbeiten des Handwerksbetriebs, Arbeitsgeräte und Dokumente aus der Familie.

Bismark – „Schauen Sie genau hin!“ Ruth Rothe hebt die Butzenscheibe noch ein Stück höher. „Diese Produkte haben in der Mitte immer eine leichte Erhöhung, produktionsbedingt, den Butzen oder Nabel.“ Dass auch sie noch einmal dazugelernt hat oder sich wiedererinnern musste, gibt die Vorsitzende des Heimatvereins im Gespräch mit der AZ gern zu. Butzenscheiben, im Volksmund mitunter Ochsenaugen genannt, lassen sich sogar zu ganzen Fenstern zusammensetzen. Aufgekommen sind sie so richtig ab dem 14. Jahrhundert und noch immer taugen sie auch für kunstvolle Arbeiten. Der Glaserei Geng ist derzeit eine kleine Präsentation in der Heimatstube von Bismark gewidmet. Sie ist zugleich der zweite Teil des Ausstellungsreigens Gewerbe und Gewerke.

Ein buntes Glasbild hängt im Fenster der Heimatstube in Bismark.
Altes Handwerk: Mit dieser Arbeit hat die Glaserei Geng ihren Berufsstand auf passendem Material verewigt. © Marco Hertzfeld

Gardelegener zieht 1932 nach Bismark

Gardelegener August Geng legte seine Meisterprüfung 1922 ab, 1932 zog die Familie nach Bismark. Sohn Kurt, ebenfalls Glasermeister, übernimmt den Betrieb 1963. Das Handwerk lebt in der Familie noch ein Stück weiter, seit 2014 ist die Glaserei Geng in Bismark Geschichte, der Betrieb abgemeldet. Meisterbriefe und weitere Dokumente sowie Werkzeuge und Arbeiten habe Heike Weigt, eine Tochter von Kurt Geng, dem Heimatverein für eine gewisse Zeit überlassen. Dass aus der Leihgabe irgendwann später eine Dauergabe wird, darauf hoffen die Heimatfreunde. Die kleine Schau soll die nächsten Wochen und Monate die Besucher der Heimatstube im Bürgerhaus an der Breiten Straße in den Bann ziehen. „Dieses alte Handwerk ist schon faszinierend.“

Ausstellungsreigen soll sich fortsetzen

Mit der Gerberei Wolter hatte der 2004 aus der Taufe gehobene Heimatverein Bismark zum Jahreswechsel den Anfang gemacht, die Ausstellungsstücke sind neben den vielen anderen Themen in der Heimatstube zu sehen. Weitere Betriebe sollen folgen. Gewerbe und Gewerke, die mehr oder weniger zwischen 1860 und 1945 in Bismark ansässig waren, rücken ins Rampenlicht. Der Verein, der gut 30 Mitglieder zählt und weitere Mitstreiter sucht, will mit dem Reigen noch einmal besonders Geschichtsbewusstsein fördern und Identität schaffen. Feste Öffnungszeiten kann der ehrenamtlich arbeitende Verein momentan nicht anbieten. Wer sich aber fernmündlich anmelde, dem könne ein Rundgang fast jederzeit ermöglicht werden, heißt es auf Nachfrage. Rothe, auch Linken-Ortsbürgermeisterin in Bismark, ist zu erreichen unter Tel. 0177/7516890.

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