Rückschläge verkraftet

Grüner Funke springt stärker über: Bismarkerin treibt Hilfsprojekte in Afrika voran

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Der erste schon vor einigen Monaten gepflanzte Moringabaum überragt Susanne Friedrich bereits.

Bismark – Sie leistet im afrikanischen Malawi Entwicklungshilfe, Hilfe zur Selbsthilfe, wie sie es lieber nennt. Vor knapp einem Jahr haben Susanne Friedrich und Mitstreiter extra auch einen Verein gegründet, der Green Spark, Grüner Funke, heißt und seinen Sitz in Bismark hat.

Im Oktober hat sie Deutschland nun für längere unbestimmte Zeit verlassen. Nun schickt die Mittdreißigerin eine erste größere Nachricht an die AZ.

Demnach laufen die Projekte, es geht voran, von Rückschlägen lässt sich die Altmärkerin ganz offensichtlich nicht beirren. Der grüne Funke, um beim Namen des gemeinnützigen Vereins aus Bismark zu bleiben, scheint durchaus überzuspringen.

Der Moringabaum ist ein kleines Kraftpaket, von ihm lässt sich fast alles essen, vor allem die Blätter. Mehr als die Hälfte der momentan gut 3200 benötigten Setzlinge sind in eigenen Baumschulen großgezogen. Elf Dörfer sind ausgewählt, die jungen Pflanzen sollen so schnell wie möglich in den Boden. Dabei geht es natürlich auch um Aufforstung und das Klima. Die Aufzucht hatte sich zunächst als besonders schwierig erwiesen, ein Workshop musste zum zweiten Mal abgehalten werden. Von den 8000 ausgegebenen Samen schafften es nur wenige Hundert zum Setzling. Einer der Gründe: Die Einheimischen beachteten die Hinweise noch nicht ausreichend genug.

Altmärkerin Friedrich arbeitete etliche Jahre beim Luftfahrtkonzern Airbus in Hamburg. Sie hing sich rein, verdiente gut, der Job war sicher. Und doch reichte ihr das immer weniger. Schon 2015 reiste sie das erste Mal nach Afrika, sah mehrere Länder, arbeitete unter anderem im IT-Bereich einer Hilfsorganisation. Irgendwann ging es zurück, sie hatte Ideen, doch die brauchen Geld und das musste verdient werden. Ein Freund in Malawi erinnerte sie schließlich an die Baumpflanzidee und die junge Frau war schnell Feuer und Flamme. Die Familie ließ sich anstecken und engagiert sich nun ebenfalls in dem jungen Verein in Bismark.

Plastikreste und Altreifen lassen sich unter anderem zu Sitzgelegenheiten im Garten verarbeiten.

Friedrich lebt in Nkhata Bay, einer Stadt im Norden des Landes, die direkt am Malawisee liegt und in etwa so viele Einwohner hat wie die Einheitsgemeinde Bismark. Das zweite Projekt werde immer besser angenommen. Aus Plastik, das schon an fast jeder Straßenecke herumliegt, entsteht Baumaterial. Friedrich nennt das Produkt Ökoziegel. Sie werden nicht zuletzt gegen Schreibhefte und Stifte eingetauscht. Mindestens 2000 Ökoziegel seien schon hergestellt worden. „Das sind 300 Kilogramm Plastikabfall weniger in der Natur.“ Immerhin. Mit den Ziegeln wurden zum Beispiel Bänke in einem Park gebaut.

In diesem Green-Spark-Garten wachsen medizinische Pflanzen. Ihrem Kompagnon Ali Alex Ndipo und ihr sei auch diese Arbeit wichtig. Erst vor Kurzem ging es in den Süden des Landes auf eine Farm, die von einer deutschen Missionarin geleitet wird. Dort fand ein Seminar statt, die Organisation habe sich einer nachhaltigen und allen zugänglichen Gesundheits- und Nahrungsversorgung verschrieben. Altmärkerin Friedrich will eine solche Trainerin für den Norden werden und in Nkhata Bay einen Demonstrationsgarten anlegen. Mehr als 20 medizinische Pflanzen gedeihen bereits in ihrem Garten.

Friedrich scheint weiter Fuß zu fassen in einem Land, das zu den ärmsten dieser Welt gehört. Auch wenn der Stresspegel hoch und die Gesundheit mitunter angeschlagen sei. Hinter dem Grünen Funken stehe keine Partei oder irgendeine andere politische Organisation, das hatte sie schon in einem Gespräch mit der AZ im Oktober betont. Der Verein will möglichst ohne staatliches Geld auskommen. Friedrich und ihre Mitstreiter in der Altmark setzen auf Menschen, die wie sie überzeugt sind, dass die eigene Welt nicht an Grenzen endet und doch irgendwie alles zusammengehört.

Wer weitere Informationen wünscht, den altmärkischen Verein unterstützen und für Projekte spenden möchte, der nutze den Internetauftritt www.green-spark.org. Die E-Mail-Adresse der Initiatorin lautet susanne@green-spark.org. Wer lieber einen Brief schreiben will, sendet ihn an den Sitz des Vereins, Alte Straße 43 in Bismark. Familie und Mitstreiter wollen weiter helfen, wo sie können.

VON MARCO HERTZFELD 

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