Bauausschuss schlägt Prioritätenliste vor / Auch über Rückbau von Wohnblöcken nachdenken

Großes Sorgenkind: Ambulatorium

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Das Bismarker Ambulatorium weist starken Schimmelbefall auf und auch die Büroräume in der oberen Etage sind dringend sanierungsbedürftig.

Bismark. „Wir haben einen Sanierungsstau ohne Ende und das ist nicht in den nächsten sieben, acht, neun Jahren aufzuarbeiten“, erklärte Annegret Schwarz, kommissarische Bauamtsleiterin, am Donnerstagabend im Bauausschuss.

Sie hat sich gemeinsam mit dem neuen Mitarbeiter des Bauamtes, Daniel Kolley, alle kommunalen Wohnungen und Gebäude in den vergangenen Wochen angesehen und vorgestern eine Übersicht vorgestellt. Obwohl nur 56 der insgesamt 223 kommunalen Wohnungen leer stehen, kann sich die Verwaltung damit nicht zufrieden zeigen. Ein Großteil der Wohnungen ist in einem katastrophalen Zustand. Allen voran das Ambulatorium in Bismark an der Stendaler Straße und die Wohnblöcke an der Straße der Solidarität neben der Kita Pusteblume. Der obere Bereich des Ambulatoriums weist, abgesehen vom Steuerberater, nur leere Büroräume auf, die durch ihren Zustand nicht mehr vermietbar sind.

„Beim Ambulatorium in

Richtung Ärztehaus denken.“

Annegret Schwarz

Das Erdgeschoss, welches die Begegnungsstätte der Volkssolidarität und Arztpraxen beherbergt „hat ein massives Schimmelproblem“, so Schwarz. Bei der Volkssolidarität sei es besonders stark sichtbar, die Ärzte haben schon selbst Gegenmaßnahmen ergriffen, um den Schimmel einzudämmen. Eine Praxis dürfe so schließlich nicht aussehen. Doch mit neuen Fenstern im Dachgeschoss ist die Arbeit im Ambulatorium noch lange nicht getan. Da ist sich Norman Maciej aus Büste sicher. Das Dach müsse komplett gemacht werden, weil da überhaupt keine Isolierung drin ist. Durch die Fenster kann man fast schon durchgreifen und es müsste alles entkernt und neu gedämmt werden. Da würden die 100 000 Euro, die im Haushalt der Einheitsgemeinde noch nicht untersetzt sind und für kommunale Wohnungen eingesetzt werden könnten lange nicht ausreichen. Aber: „Wir müssen versuchen, Ärzte zu halten und vernünftige Räume für neue Ärzte bereithalten“, erklärte die Bauamtsleiterin. Deshalb soll das Ambulatorium den ersten Platz auf der Prioritätenliste, die der Bauausschuss dem Stadtrat empfiehlt, einnehmen.

Ein genauso großes Sorgenkind stellen für die Einheitsgemeinde auch die Wohnblöcke an der Straße der Solidarität dar, wo vielleicht auch über einen Rückbau nachgedacht werden muss. Zwei der drei Blöcke müssen sogar noch mit einer Ofenheizung geheizt werden. Die Fenster an der Vorderfront sind bereits erneuert worden, Rückfront und Balkons sind aber in einem desolaten Zustand.

„Hausverwaltungen sollten mehr zusammenarbeiten.“

Norman Maciej

„Die Bürger leben momentan damit und beschweren sich auch nicht massiv“, so Schwarz, aber das dürfe so auch nicht weitergehen. Jahrelang sei diese Kuh gemolken, aber nicht gefüttert worden. Ein Eingang steht komplett leer, die anderen zu einem großen Teil. Die Wohnungen müssten grundsaniert werden, die Flure sind mit Asche und Mülltüten übersäht, auch die Keller weisen kein besseres Bild auf. Schwarz und Kolley bezeichneten die Tour durch die Blöcke zeitweise als blanken Horror. Vor allem aber stelle der Müll ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar, wenn sich die Gegenstände und die Asche wirklich mal entzünden. Der Bedarf an Ein- und Zwei-Raumwohnungen sei vorhanden, hatte die Hausverwalterin in der Straße der Solidarität schon im Vorfeld mitgeteilt, doch gerade junge Menschen können sich vor allem mit der Ofenheizung überhaupt nicht anfreunden.

Daher sollten auch die beiden Hausverwaltungen, die sich um die Wohnungen kümmern, enger zusammen arbeiten. Wenn eine Firma einen Interessenten hat, aber gerade kein Angebot, könnte vielleicht die andere Firma mit einer Wohnung helfen, so Maciej. Darüber werde sich die Verwaltung der Einheitsgemeinde in nächster Zeit auseinandersetzen, versprach Schwarz. Der Bauausschuss setzte die Wohnblöcke auf den zweiten Platz der Prioritätenliste, allerdings auch im Hinblick auf Fördermittel für den Abriss oder eventuellen Rückbau, weil die Sanierungskosten jeden Rahmen sprengen würden.

Anstoß für das Wohnraumkonzept war eine Anfrage von Rene Zieher bei der vergangenen Stadtratssitzung gewesen, der um genaue Auflistung von kommunalen Wohnungen und deren Sanierungsstand gebeten hatte.

Von Bianca Lange

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