Aufwendige Restauration über fünf Jahre

Grassau: Taufengel schwebt wieder

Heidelore Klapötke steht neben dem hängenden Taufengel in der Grassauer Dorfkirche.
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Heidelore Klapötke ist stolz darauf, in welcher schönen alten und zugleich neuen Form es der Grassauer Taufengel dank dem Gemeindekirchenrat und einem Bildhauer aus Prenzlau zurück in die Kirche geschafft hat.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Ich finde, er hat gleich einen ganz anderen Gesichtsausdruck.“ Heidelore Klapötke steht neben dem hinter dem Eingangstor aufgehängten Taufengel in der Grassauer Dorfkirche.

Grassau - Die Gemeindekirchenratsvorsitzende war maßgebend daran beteiligt, dass das Kunstwerk restauriert wurde und nun seit Mitte April wieder in Grassau hängen kann.

Denn bis dahin war es ein langer Weg. „Als er gefunden wurde, hat er einen richtig traurigen Eindruck gemacht. Seine Arme, Flügel und Füße waren weg.“ Der Taufengel war wohl schon beschädigt worden, als er vorsorglich auf dem Dachboden der Kirche eingelagert wurde. Klapötke vermutet, dass das um 1900 geschehen ist, als wegen Unfällen mit herunterfallenden Taufengeln angeordnet wurde, diese herunterzunehmen.

Richtig wiedergefunden wurde er erst 1992/93, als das Dach der Kirche erneuert wurde. So richtig wusste zu dem Zeitpunkt niemand, was mit dem Kunstwerk aus Lindenholz passieren sollte. Also nahm ihn Bernhard Ebel, ehemaliger Pfarrer von Kläden, erst einmal zur Aufbewahrung mit. Nach Beginn seines Ruhestands ging der Taufengel an den damaligen Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates Otto Gagelmann über. Erst 2016 fand sein Sohn ihn auf dem eigenen Scheunenboden wieder und fragte Klapötke schelmisch: „Wollen Sie den zurück oder soll ich ihn zerhacken und verfeuern?“

Natürlich sollte er erhalten werden, aber was genau mit ihm passieren sollte, war immer noch unklar. Restauratorin Helma Konstanze Groll besah sich den Taufengel und schätzte seine Entstehungszeit auf um 1700. Auch Farbreste in Rot, Grün und Gold konnten an dem Torso festgestellt werden. Nach einem Kostenvoranschlag für eine vollständige, farbechte Restaurierung war klar, dass vorerst nur das bestehende Holz erhalten und gesäubert werden sollte. Bezahlt wurde dies nach einer denkmalrechtlichen Genehmigung 2017 aus Mitteln der Bürgerstiftung Schinne/Grassau.

„Alle sagten uns, wir haben hier etwas Besonderes. Als die ersten Erhaltungsmaßnahmen abgeschlossen waren, war noch Geld übrig und der beauftragte Bildhauer Claus Lindner hat uns den Engel mit Ersatzgliedmaßen aus Styropor vorgeführt.“ Es war der Gemeinde dann doch zu schade, den Torso nur an die Wand zu hängen. Sie wollten einen vollständigen Engel.

Lindner orientierte sich an noch erhaltenen Taufengeln, um passende Beine, Arme und Flügel aus Linde, Pappel und Eiche zu bauen. Dabei stieß er 2020 auf ein neues Problem: Der Engel würde mit der passenden Taufschale von 1931 in den Händen schief hängen. Stattdessen schlug er einen hölzernen Lorbeerkranz mit Bleifüllung vor, auf dem die Schale zum Gewichtsausgleich ruhen sollte. Auch dort holte er sich Inspiration von anderen Taufengeln. „Die andere Option wäre ein neues Loch für die Aufhängung durch die Brust des Engels gewesen, aber da hatte ich so ein körperliches Gefühl dagegen. Das wollte ich nicht“, erklärt Klapötke.

Nun hängt der Taufengel nach langer Zeit endlich wieder seit dem 13. April in der Grassauer Kirche. „Als ich für die Berichterstattung durch meine Unterlagen gegangen bin, ist mir erst klar geworden, wie lange ich mich schon mit ihm beschäftige.“ Vor allem die Bürokratie rund um einige Antragstellungen sei für Klapötke kein Spaß gewesen.

Der derzeitige Standort sei nur provisorisch, denn eigentlich gehört der Taufengel vorne rechts ins Kirchenschiff, wo er mit einem Seilzug herabgelassen werden kann. „Da soll er auch wieder hin. Wir werden ihn, wenn das möglich ist, mit einer Taufe einweihen und dann auf die Reaktionen aus der Gemeinde warten.“ Denn es würde noch diskutiert, ob der Engel auch seine ursprüngliche Farbgebung zurückerhalten soll. „Wenn es nach mir geht, würde ich gerne, dass man ihm das Alte und das Neue ansieht, so wie jetzt“, meint Klapötke.

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