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Bismarks Goldene Laus ein Stück versilbert

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Von: Marco Hertzfeld

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Auf dem Domplatz in Magdeburg zeichnen Steinblöcke den Grundriss vergangener Kirchenbauten nach.
Auf dem Domplatz in Magdeburg zeichnen Steinblöcke den Grundriss vergangener Kirchenbauten nach. So oder ähnlich könnte das verloren gegangene Kirchenschiff der Goldenen Laus in Bismark nachempfunden werden. © Marco Hertzfeld

Der verlorene Teil der Goldenen Laus, einst Wallfahrtskirche und längst Wahrzeichen, soll am Boden nachgezeichnet werden. Diesem Ziel könnte der Heimatverein näherkommen. Der Friedhof soll parkähnlicher werden.

Bismark – Aus der Goldenen Laus lässt sich noch mehr machen. Davon ist Ruth Rothe, die Vorsitzende des Heimatvereins, nach wie vor überzeugt. Das verloren gegangene Kirchenschiff soll sichtbar gemacht werden. Der Grundriss könnte beispielsweise durch Pflanzen oder auch mit Steinen nachgezeichnet werden. „Damit wäre das Bismarker Wahrzeichen für die Menschen stärker begreifbar.“ Und natürlich: Auf diese Weise käme womöglich der eine oder andere Besucher mehr, und die Goldene Laus ließe sich für Ortschaft und Einheitsgemeinde stärker versilbern. Erhalten geblieben von der einstigen Wallfahrtskirche ist allein der gut 30 Meter hohe Turm. Ihre Initiative möchten die Heimatfreunde gern eingebettet sehen in die Neugestaltung des Friedhofs gleich nebenan.

Im Umfeld der Goldenen Laus in Bismark sind Bäume gefällt worden.
Friedhof und Umland scheinen auch so im Umbruch, die Stadt hat, wie berichtet, marode Bäume fällen lassen. Im Hintergrund ist die Goldene Laus zu sehen. © Marco Hertzfeld

Grundriss aus Stein oder Pflanze

Einige Flächen des weitläufigen Areals zu entwidmen, diesen Antrag habe der Ortschaftsrat vor Jahren gestellt. Noch gebe es auf ihnen einzelne Gräber, deren Laufzeit aber bald enden dürfte. Insgesamt sei der Bedarf an klassischen Grabstellen offenbar nicht mehr allzu groß. Das kommunale Gelände soll neu geordnet und parkähnlicher werden, unter Beachtung von Pietät und Totenruhe. Die Goldene Laus noch einmal stärker ins Blickfeld zu rücken, liegt für Rothe, auch Linken-Ortsbürgermeisterin, und Mitstreiter auf der Hand. Auf dem Zettel haben das und mehr ebenfalls die Einheitsgemeinde und Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU). Die insgesamt 20 Ortschaften wollen künftig gerade bei Radtouristen vermehrt punkten. Kirchturm und Parkfriedhof wären wichtig.

Wahrzeichen soll stärker anziehen

Rothe erhofft sich einiges vom sogenannten Integrierten Gemeindeentwicklungskonzept, kurz IGEK. Die Einheitsgemeinde lädt Bürger schon einmal für den 16. März zu einer Informationsversammlung ein. Beginn: 18 Uhr in der Mehrzweckhalle. Zur Erinnerung: Um sich überhaupt noch größere Hoffnung auf Fördergeld machen zu können, soll ein IGEK schlichtweg notwendig sein, das Papier braucht noch Monate. Die Kommune muss Ziele und Erwartung definieren, vielleicht lässt sich auch schon die eine oder andere Maßnahme zumindest skizzieren. Dass sich eine Neugestaltung des Friedhofs beim Schulterschluss mit dem Nachbarn Kalbe zum Städtebau und als Teil eines Projektbündels anbiete, darauf hatte Bürgermeisterin Schwarz erst kürzlich wieder in einem AZ-Gespräch hingewiesen.

Gelände insgesamt dann parkähnlicher

Neben Geld brauche das Ganze Zeit, glaubt Rothe. Wann was auf dem Gelände erledigt sein könnte, sie will und kann es nicht einschätzen. Es geht um frische Wege, Schilder zu Flora und Fauna, neue Bäume und Sträucher, um Bänke und weitere Elemente. Dass vielleicht sogar ein Wasserspiel angelegt werden könnte, die Heimatfreundin sieht das momentan nicht. So mancher Bürger wünsche sich gerade an der Gedenkstätte für Weltkriegstote wieder eine größere Fliederhecke. Die Goldene Laus auf der anderen Seite in ihrem einstigen Ausmaß zu zeigen, in welcher Form auch immer, scheint für den 2004 gegründeten Heimatverein mit gut 30 Mitgliedern nun womöglich ein Stück realistischer. „An einer Stelle des Turms sind ja die Dachansätze noch zu sehen“, weiß die Vorsitzende.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Mehr als Totenstille / Ein Parkfriedhof verlangt Gespür:
Die Beerdigungskultur wandelt sich. Klassische Grabsteine sind vielerorts längst nicht mehr so gefragt wie früher. Auch erscheint einem der Bismarker Friedhof seltsam ungeordnet und ausgefranst. Und natürlich darf ein Friedhof auch gern mehr als eine bloße Ruhestätte für Tote sein. Ein solches Gelände kann immer auch von lokaler Geschichte und Kultur zeugen in Gestaltung und Architektur sowie von heimischer Flora und Fauna. Ein Parkfriedhof dürfte auch in Bismark möglich sein. Weil in Kleinstädten wie dieser aber vieles enger miteinander verwoben scheint, kommt es auf eines besonders an: Fingerspitzengefühl. Die Goldene Laus, Bismarks Wahrzeichen am Friedhof, stärker hervorheben und erlebbarer machen zu wollen, könnte ein richtiger Ansatz sein.

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