Arneburg-Goldbecker Mietangebote: Kreisstadtnähe adelt fernere Adressen

Vom Glück vor der Haustür: Leben auf dem platten Land

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Schwarzes Brett in Arneburg: Auch wenn 22 Kilometer Landstraße das Verbandsgemeinde-Dorf Hindenburg von Stendal trennen, ist die Kreisstadtnähe ein wichtiges Werbeargument.

Arneburg-Goldbeck. „Die glücklichsten Menschen leben auf dem platten Land“, weiß Deutschlands Lebenszufriedenheitsindikator namens „Glücksatlas 2013“.

Aber nicht erst seitdem Forscher im Namen und auf Rechnung des Ex-Staatskonzerns Deutsche Post aufgelistet haben, dass Geld im Leben nicht alles sei, locken auch die zwei Städte Arneburg und Werben sowie die sechs Großgemeinden Eichstedt, Goldbeck, Hassel, Hohenberg-Krusemark, Iden und Rochau der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck mit Wohnadressen, die ein Dasein in ruhigen Bahnen bieten. So offeriert der für die Vermarktung weiter Teile kommunalrechtlicher Immobilien betraute Arneburger Infrastrukturbetrieb etwa eine 70 Quadratmeter große Vier-Raum-Wohnung für 263,90 Euro Kaltmiete am Eichenweg in Rochau. Oder bietet eine 30 Quadratmeter-Einraum-Wohnung in Arneburg für 135 Euro kalt an.

Und so mancher Privatanbieter hat längst Infotafeln an Einkaufszentren der Umgebung für ganz persönliche Mieterwerbung auserkoren. Auf unkonventionellen, handgeschriebenen Zetteln wird dort dann gern die Nähe zur Kreisstadt betont, obwohl die beispielsweise mit „sonnig, ruhig“ beschriebene Drei-Raum-Wohnung mindestens ganze 22 Kilometer Landstraße von Stendal aus entfernt liegt. Der Trend, Wohnraum auf dem Lande, etwa mit den Attributen „in Stendal-Nähe“ oder „nahe der Kreisstadt“ zu adeln, ist auch Norbert Wesling bereits mehrfach aufgefallen.

Der Verantwortliche für Beteiligungscontrolling im Rathaus der Hansestadt ist auch für das Geschäftsgebahren des größten Vermieters der Region, Stendaler Wohnungsbaugesellschaft, zuständig. Das Buhlen der „Konkurrenz“ mit mehr oder weniger naher Nähe zur größten Stadt der Altmark nimmt Wesling amüsiert zur Kenntnis. Derweil weist ein Vorschlag aus der Einwohnerschaft der einzigen Arneburg-Goldbecker Hansestadt eine mögliche Belebungsperspektive für Werben. Der als Johanniterstadt bedeutsame Ort erlebte einen Bevölkerungsaufschwung, als protestantische Glaubensflüchtlinge ab etwa dem 16. Jahrhundert in Scharen zuzogen. Für Religionsasylanten hat der Ort inzwischen wieder viel Platz. Etwa im Wohnblock Behrendorfer Straße, wo 59 Quadratmeter Drei-Raum-Wohnung 295 Euro kalt kosten. Und dazu passt dann auch, wie eine Gesellschaft in Osterburg wirbt: „Wer zur Miete wohnt, bleibt beweglich“.

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