„Verluste nicht nachvollziehbar“

Landkreis Stendal weist Geflügelpest-Beobachtungsgebiet in Bismark aus

Viele braune Hühner und ein weißer Hahn.
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Raus darf das Federvieh im Landkreis Stendal schon seit dem 17. Dezember nicht mehr. Doch nun wurden sechs Orte in der Einheitsgemeinde Bismark zum Beobachtungsgebiet erklärt. Damit gehen einige Verschärfungen einher.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Die Züchter sind alle sehr aufgebracht. Ich bekomme ständig Anrufe, auch aus dem Gebiet um Bismark, von Haltern, die wissen wollen, was denn nun passiert“, zeigt sich Hannelore Freitag, Kreisvorstand der Rassengeflügelzüchter für Stendal, verärgert über die neusten Bestimmungen des Landkreises Stendal zur Geflügelpest.

Bismark - Nachdem in der vergangenen Woche bei einem Uhu bei Vienau und einem Kleinstbestand in Vietzen die Vogelgrippe amtlich nachgewiesen wurde, bestimmte der Altmarkkreis Salzwedel ein Beobachtungsgebiet im Radius von zehn Kilometern, das bis in die Einheitsgemeinde Bismark hineinreicht (AZ berichtete).

Daraufhin erließ der Landkreis Stendal auch eine tierseuchenbehördliche Allgemeinverfügung, die das Bismarker Beobachtungsgebiet festsetzt. Betroffen sind die Ortsteile Kremkau, Berkau, Döllnitz, Poritz und Büste sowie der Meßdorfer Bahnhof. Der Landkreis hatte erst vor einer Woche um Grieben (Tangerhütte) ein Beobachtungsgebiet eingerichtet.

„Als Tierhalter finden wir das alle nicht richtig. Schließlich sind unsere Vögel schon seit Dezember nur noch im Stall“, erklärt Freitag. Seitdem muss das Geflügel in Ställen oder unter vor Wildvögeln geschützten Vorrichtungen gehalten werden. Auch Ausstellungen sind seit drei Monaten verboten. Laut Freitag machten sich die Halter große Sorgen um ihre Tiere. „Wir sind wegen Corona eingesperrt und jetzt auch noch unsere Tiere. Selbst mit Spielzeug im Stall, an dem sie rumpicken können, sind sie sehr gestresst, weil ihnen der Auslauf fehlt.“ Auch auf die Züchtung hätte der fehlende Auslauf großen Einfluss.

Wir sind wegen Corona eingesperrt und jetzt auch noch unsere Tiere.

Hannelore Freitag

Viele der hohen Auflagen seien schwierig umzusetzen, aber ihnen seien vom Gesetz die Hände gebunden. Unter anderem dürfen fremde Personen die Ställe nur in Schutzkleidung betreten und Transportbehälter- und Fahrzeuge müssen desinfiziert werden. „Wir haben oft schon ein extra Paar Schuhe für den Stallgang. Und Futter wird auch nur drinnen gegeben. Aber viele der Regeln sind nicht nachvollziehbar. Die Züchter kennen ihre Tiere und schauen sie sich täglich an. Wenn mal eins sich seltsam verhält, wird es beobachtet und wenn nötig geschlachtet“, erklärt die Kreisvorsitzende.

„Nun sollen sich alle beim Veterinäramt melden und ein Bestandsregister führen. Aber gerade kleinere Halter sind oft nicht beim Amt registriert und eine Liste führen die auch nicht. Da sind Verluste kaum nachvollziehbar“, kritisiert sie. Auch Haltern mit um die 100 Tieren verschiedener Rassen falle es schwer, für alle Platz in den Ställen zu finden.

Die Bestimmungen, die die bestehende Verfügung für die Bismarker Ortschaften noch verschärfen, sorgen laut Freitag bei den Haltern vor allem für eins: Frust. „Die Altmark ist generell ein Risikogebiet wegen des vielen Wassers, das Wildvögel zum Nisten anlockt. Aber Bismark hat kein großes Feuchtgebiet, das passt doch nicht zusammen.“ Wären die Vögel nicht bereits seit Dezember in den Ställen, wären die Besitzer nun bereitwilliger, bei den neuen Regeln mitzugehen, findet sie. „Über die Sportvereine und wie es ihnen geht während der Corona-Pandemie, darüber wird viel geredet. Aber nicht über andere Vereine wie die Geflügelzüchter. Viele Mitglieder sind müde und verlieren den Mut. Einige Ältere schaffen schon ihren Bestand ab“, zeigt Freitag sich besorgt.

Geflügel bis mindestens Mai eingesperrt

Dass so ein Aufhebens um Geflügelpestfälle bei Wildvögeln gemacht würde, sieht Freitag nicht ein. „Wenn ich auf Rügen im Urlaub bin, sehe ich immer wieder tote Vögel. Das ist die natürliche Auslese. Da sollte nicht eingegriffen werden. Man sollte sich eher fragen, wie es passieren kann, dass es in einer großen Anlage ausbricht.“ Der Vereinsvorstand schätzt, dass das Geflügel bis mindestens Mai drinnen bleiben muss. Nach den Enttäuschungen im vergangenen Jahr verlören die Mitglieder auch 2021 die Hoffnung auf Ausstellungen und Märkte.

Die Bestimmungen betreffen auch Besitzer von Hunden und Katzen. Sie dürfen ihre Tiere nicht mehr draußen herumlaufen lassen. Sonst drohen Geldstrafen.

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