Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ sucht noch Gastfamilien für die Sommerwochen

Gastkinder mit Obst verwöhnen

Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Jürgen Beneke (v.l.), Nastja Staschkina, Sabrina Laworanka, Ljuba Staschkina, Margrit Rieger, Walerija Tschitowitsch. Fotos (3): Repros / psc

Grassau. Das Jahr 2011 war für das Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ von zwei „denkwürdigen Ereignissen“ gekennzeichnet. Da war zum einen 25 Jahre Katastrophenunglück im Atommeiler Tschernobyl, und des Weiteren 20 Jahre Gründung des Hilfswerkes mit Sitz in Beuster.

Für ihre Hilfsbereitschaft wurden die Akteure der Gemeinschaft vom Landkreis Stendal geehrt. Renate Oeseman aus Grassau und Margrit Rieger aus Osterburg können für 2012 ein weiteres Erinnerungsdatum ausmachen, denn seit 1992 gibt es gegenseitige Besuche und die jährlichen Kindererholungen in der Altmark. Neben den noch heute stattfindenden Kindererholungen in der Altmarkregion wurden bis 2007 Hilfstransporte in den Partnerkreis Narowlja in Weißrussland abgefertigt und natürlich auch geliefert.

2012 werden erneut 19 Kinder und zwei Erzieher aus Narowlja / Region Tschernobyl ab Juni zu Besuch in der Altmark erwartet. Der Verein Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ sucht unter dem Motto: „Frisches Obst und viel Liebe“ in dieser Zeit freundliche Gastfamilien. Dabei sollten Gasteltern sich vorstellen können, je zwei Kinder bei sich aufnehmen zu können, wobei eine sprachliche Verständigung erfahrungsgemäß kein Problem ist. Von den Gasteltern wird auch kein aufwendiges Freizeitprogramm erwartet, es soll außerdem für Familien keine finanzielle Bürde bedeuten. Da das Immunsystem der Jungen und Mädchen stark geschwächt ist, sollten die Kinder mit frischem Obst und Gemüse sowie vitaminreichen Säften verwöhnt werden.

Die Kinder von acht bis 15 Jahren werden am 6. Juni in Wittenberge begrüßt und dort einen einwöchigen Aufenthalt verbringen und anschließend im Integrationsdorf Arendsee drei Wochen untergebracht sein. Übers Wochenende soll die Betreuung durch Gastfamilien gesichert sein, die Termine hierfür sind der 15. bis 17. Juni und der 22. bis 24. Juni 2012.

Wer keine Möglichkeiten hat, Kinder bei sich aufzunehmen, den Mädchen und Jungen dennoch etwas Gutes tun möchte, kann den Verein durch eine kleine Geldspende unterstützen, auch das Ausstellen einer Spendenquittung ist möglich. Ansprechpartner sind: Margrit Rieger, Ackerstraße 140 in 39606 Osterburg; Tel.: (03937) 800 02 und Renate Oesemann, Dorfstraße 37 in 39579 Grassau; Tel.: (039324) 810 91.

Der Vorstand des Hilfswerkes „Kinder von Tschernobyl“ hatte für den Verein ein Benefizkonzert in der Salzkirche in Seehausen Ende April mit der Gruppe „Million Miles“ vorbereitet. Der Erlös dieser Veranstaltung soll dem Hilfswerk zu Gute kommen. Die finanziellen Mittel dieser Aktion werden für die Kindererholung eingesetzt. Vielfältige Aufgaben hat nach Meinung von Margrit Rieger der auch zu kirchlichen Veranstaltungen und anderen Volksfesten, denn mit einem Stand wird entsprechend Werbung für das Hilfswerk geleistet.

Eine rührende Geschichte weiß Renate Oesemann von einem Besuch aus dem Jahre 2010 in der Partnerregion Narowlja mitzuteilen. In einer Bibliothek trugen Kinder und Jugendliche zu Ehren der deutschen Gäste ein Märchen vor. In der Folge wurde die deutsche Delegation von Sabrina Laworanka angesprochen. Als kleines Mädchen war sie vor Jahren ein Ferienkind in der Altmark. In den darauf folgenden Jahren wartete das als „aufgeschlossen, intelligent und liebenswürdig“ bekannte Mädchen auf Post aus Deutschland, einer Nachricht, die mit einer Einladung verbunden sein könnte. Sehr eingenommen von der Bitte Sabrinas, wurde sie 2011 zu einem vierwöchigen Ferienaufenthalt eingeladen.

Das die Gastfreundschaft in Weißrussland ein oberstes Gebot ist, trotz aller Probleme, mit denen dieses Land zu kämpfen hat, erfahren die deutschen Gästezimmer wieder bei ihren Besuchen in der Partnerregion. Renate Oesemann und Margrit Rieger gehören fast ständig zu dieser Abordnung, und erfahren immer wieder die gewachsene Freundschaft, insbesondere zu dem ehemaligen „Ferienkind Natascha Wasilijenko“. Als Kind kam Natascha im Rahmen der vom Hilfswerk inszenierten Kindererholungen vor Jahren in die Altmark, und Konnte sich bei dem vierwöchigen Aufenthalt erholen. Sie wurde in dieser Zeit des Aufenthaltes in Deutschland von den Riegers an den Wochenenden aufgenommen. Daraus hat sich eine bleibende Freundschaft entwickelt. Und wenn die deutschen Gäste Weißrussland besuchen, sind sie stets willkommen im Ort Antonow, in dem die Großfamilie (Eltern, Geschwister, Neffen) von Natascha Wasiljenko wohnhaft ist.

Während des vierwöchigen Aufenthaltes in der Altmark in diesem Jahr wird nach einer Woche Wittenberge-Aufenthalt in den folgenden drei Wochen Arendsee-Ferien ein umfangreiches Programm organisiert. So wird unter anderem am 14. Juni ein Besuch des Jugendfreizeitzentrums in Bismark vorbereitet, und am Nachmittag ist Grassau Gastgeber für die Feriengäste aus Weißrussland. Am 18. Juni wird Wilhelmshof besucht. Desweiteren werden die Städte und Orte Seehausen, Königsmark, Arendsee und Osterburg aufgesucht, wobei in Osterburg und Arendsee die Volkssolidarität aktiv wird. Denkbar auch, dass das Gesundheitsamt Stendal mit einem Besuch aufwartet und Informationen zur „Zahnpflege“ gibt.

Von Paul Schaper

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