Bismark 2025: Hilfe von ProAlter / Keine Konkurrenz zur Volkssolidarität

Funktionierendes nicht für Neues fallen lassen

Garlipp. „Man kann sich am Schreibtisch viel ausdenken, aber die Realität sieht anders aus. Deshalb müssen wir unsere Situation nach außen tragen“.

Marion Mohr von der Bürgerinitiative Stendal war am Montagabend in Garlipp Gesprächspartnerin für die anwesenden Ortsbürgermeister der Einheitsgemeinde. In ihrer Funktion als Projektbeauftragte der Stiftung ProAlter informierte sie über die Stiftung an sich, deren Aufgaben und Ziele, dem demografischen Wandel im Landkreis Stendal entgegen zu wirken.

Den Anstoß für eine Zusammenarbeit mit der Stiftung hat das Bürgerforum zur Anpassungsstrategie „Bismark 2025“ in Meßdorf gegeben. Dort hatte Mohr schon einmal ihre beratende Unterstützung angeboten. „Dort gab es eine tolle Resonanz der Bürger“, so Mohr, nun müsse untersucht werden, wie mit den Potenzialen im fortschreitenden Alter umgegangen werden muss. Nachbarschaftshilfe sei in den neuen Bundesländern und vor allem auf dem Dorf noch nie ein Fremdwort gewesen, doch wolle die Stiftung auch nicht in Konkurrenz zu bestehenden Strukturen der Wohlfahrtsverbände treten. „Wir wollen diskutieren. Und ich kann dabei sehr hartnäckig sein“, erklärte Mohr.

„Bereitschaft ist da, aber die Ausfall-Gefahr ist hoch.“

Silva Mohr

Einen Fragebogen gibt es bereits, bei dem die Ortsbürgermeister, wenn sie ihn anfordern, selbst mit ihren Einwohnern sprechen können und überprüfen sollen, welche Arten der Nachbarschaftshilfe schon vorhanden sind. Auch die Vernetzung untereinander ist dabei ein wichtiger Faktor. Die Dörfer sollen nicht gegeneinander arbeiten, sondern auch da den Nachbarschaftsgedanken zulassen. Bestehende Strukturen, beispielsweise Verbands- und Einheitsgemeinde, müssten in diesem Punkt verlassen werden.

Dr. Wolfgang Bock, der mit einem Expertenteam „Bismark 2025“ erstellt hat, steht den persönlichen Gesprächen mit der Stiftungs-Beauftragten positiv gegenüber, während ein Großteil der Bürgermeister eher skeptisch aussah. In vielen Orten funktioniert die Form der Nachbarschaftshilfe schon seit Jahren. Doch: „Wissen Sie, wie es Ihren Einwohnern geht oder wem es wirklich schlecht geht?“, stellte Bock während der Diskussion in den Raum. Garlipps Ortsbürgermeister Waldemar Schreiber sieht bei der Nachbarschaftshilfe aber noch andere Grenzen, die die Betroffenen meist selbst um sich ziehen. „Es ist ihnen peinlich, diese Hilfe anzunehmen. Da wird zuerst die Familie gefragt.“

„Wenn man dabei bleibt,

findet man auch Nachwuchs.“

Monika Pingel

Die Regionalleiterin der Volkssolidarität, Monika Pingel, warnte auch davor, die Ansprechpartner, die es jetzt in den Orten schon gibt, zu verheizen. Gut Funktionierendes sollte nicht zugunsten neuer Strukturen fallen gelassen werden, so Pingel.

Die Ortsgruppen der Volkssolidarität leisten da gute kulturelle Arbeit, doch bei Mobilität und Versorgung auf den Dörfern sieht ProAlter ihren Ansatzpunkt, was beispielsweise Rufbusse angeht. Da werde aber schon mit den Landrat verhandelt, so Mohr. Jetzt sind die Bürgermeister am Zug. Sie können mit Mohr für jede Ortschaft einzeln persönliche Gespräche organisieren, auch mit den Einwohnern.

Von Bianca Lange

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