Erbe schwierig: Übernahmeplan zerschlagen / Meßdorfs Ortschef enttäuscht

Früherer Konsum bleibt Ladenhüter

Mausgrau und ziemlich abgewirtschaftet zeigt sich der Komplex auch von der Rückseite.
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Mausgrau und ziemlich abgewirtschaftet zeigt sich der Komplex auch von der Rückseite.

Meßdorf – Links überzeugt ein Haus mit schmucker Fassade, rechts gefällt ein anderes mit historischem Fachwerk. Zwischen beiden befindet sich das frühere Einkaufszentrum. Es wirkt schon fast wie aus der Zeit gefallen.

Was einst ein Mittelpunkt des Dorflebens gewesen sein dürfte, steht seit annähernd zehn Jahren leer und ist den Menschen mehr und mehr ein Dorn im Auge.

Die Hoffnung in Meßdorf, dass neues Leben in den Komplex einzieht, hat sich dieser Tage zerschlagen, wieder einmal. „Ich bin mit der Erbengemeinschaft im steten Kontakt, die Leute wollen ja verkaufen und stehen sich dann irgendwie selbst im Weg“, sagt Ortsbürgermeister Uwe Lenz auf Nachfrage der AZ ziemlich enttäuscht.

Eine Familie aus der Ortschaft wollte das Gelände an der Hauptstraße gern übernehmen und einen Hofladen einrichten. Die Verhandlungen zogen sich offenbar mindestens über Monate hin. Letzten Endes kamen Interessenten und Erbengemeinschaft außerhalb Meßdorfs nicht zusammen. Die Landwirte wollen sich ihre Zukunftspläne nun auf dem eigenen Hof erfüllen, das Förderprogramm Leader könnte helfen. „Ich drücke ihnen die Daumen und kann sie natürlich auch verstehen, dass sie sich umorientiert haben. Schließlich wollen sie auch irgendwann mit dem Laden richtig loslegen“, weiß der Ortsbürgermeister. Für den maroden Einkaufsladen bedeutet das aber weiteren Stillstand.

Ob nun in der DDR alle Meßdorfer zu diesem Gebäude „Konsum“ sagten oder nicht, momentan steht recht groß gedacht „Einkaufszentrum“ an der Fassade. So oder so: Die besten Zeiten dürfte das Gebäude längst hinter sich haben.

Das Gebäude ist Mitte der 1960er-Jahre errichtet worden. Lenz erinnert sich noch gut daran. Mit anderen Kindern habe er für das Fundament Steine auf den Feldern aufgelesen. „Die Bausubstanz im Allgemeinen ist nicht mehr so berauschend. Ein großer Schwachpunkt dürfte das Dach sein, damals hat man eben Asbest verwendet.“ Auch die Dämmung der Fassade könnte wahrscheinlich modernen Anforderungen nicht entsprechen. Und dennoch will der Ortschef das Gebäude, in der DDR ein klassischer Konsum, nicht aufgegeben sehen. „Nur ein Abriss wäre in meinen Augen auch keine Lösung, dann hätten wir eine Lücke mehr.“ Es seien Ideen gefragt und gute Kontakte zu den Eigentümern, unter anderem in Berlin.

In Städten und größeren Gemeinden ließen sich andere Grundstückpreise erzielen. Warum die Besitzer ihr Erbe nicht loslassen können, dazu kann und will Lenz nichts sagen. Das Gelände dürfte jedenfalls an die 1000 Quadratmeter groß sein, das Gebäude samt Nebenräumen vielleicht gut 200 Quadratmeter, schätzt er. Der Hof dahinter sei befestigt und wie der Bau nicht im allerbesten Zustand. Dass sich die Meßdorfer im ehemaligen Einkaufszentrum Veränderungen wünschen, davon ist der Bürgermeister überzeugt. Es passe einfach nicht ins Bild, die Ortschaft entwickle sich gut, vieles sei schon gemacht, momentan werde der letzte Abschnitt der Ortsdurchfahrt erneuert. VON MARCO HERTZFELD 

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