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Fiebersäfte-Mangel zeigt Probleme im Gesundheitssystem auf

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Von: Lisa Maria Krause

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Mutter und krankes Kind Bonn Deutschland *** Mother and sick child Bonn Germany Copyright: xUtexGrabowsky/photothek.dex
Vielerorts sind Fiebersäfte und ähnliche Arzneimittel Mangelware, wenn nicht gar ganz ausverkauft. Ein Symptom eines größeren Problems im deutschen Gesundheitssystem, findet Bismarker Apothekerin Jutta Seidel. © IMAGO/Ute Grabowsky/photothek.de

Wie anderswo, gibt es auch in der Altmark Apotheke in Bismark ein Mangel an Fiebersäften. Das bestätigt Inhaberin Jutta Seidel der AZ. Viel schlimmer sei allerdings, was tatsächlich hinter den Arzneimittel-Engpässen stecke: „Diese Sparmaßnahmen sind nicht förderlich“, meint Seidel.

Bismark - Und: „Herr Lauterbach will weiter den Sparstift ansetzen“, beklagt die Apothekerin.

Derzeit habe Deutschland noch ein funktionierendes Gesundheitssystem. „Aber man merkt, wie es knirscht und kracht.“ Es sei ein selbst gemachtes Leid, das sich über Jahre entwickelt habe. Dinge, wie ein Mangel an bestimmten Wirkstoffen und dass Gelder für gesundheitliche Maßnahmen der Bürger nicht mehr dort ankommen, sind demnach ein Resultat des Sparwillens der Bundesregierung am Gesundheitssystem.

Der sinnbildliche Rotstift sei dabei völlig falsch angesetzt, findet die Bismarker Apothekerin. Die Rohstoffproduktion für die Arzneimittel sei ein großes Problem, denn diese passiert längst großteilig im Ausland. Dementsprechend abhängig sei Deutschland von den Produktionsstätten in beispielsweise China und Indien, wo die in der Bundesrepublik erforderlichen Standards teils nicht eingehalten werden. Auch könnten Chargen aufgrund von Lockdowns – wie jenen in China – zurückgehalten werden. Deshalb stellen deutsche Apotheken teils selbst her.

Aber auch da: „Wir haben teils selber das Personal und die Rohstoffe nicht.“ Und eben da setzt laut Seidel der Rotstift an. Dabei sei die Arzneimittelversorgung nur ein minimaler Bruchteil der Kosten im Gesundheitssystem. Jene, die die Leistungen im System erbringen, würden bereits am Limit laufen und sollten nun weiter beschnitten werden. Bei der Verwaltung würde mit den Sparmaßnahmen hingegen nur der Zuwachs begrenzt.

Seidel hilft einer Kundin.
Seidel (r.) denkt, dass vor allem an den Leistungsbringern gespart wird. © Archiv

Als „absolut unnötig“ bezeichnet die Bismarker Apothekerin die etwa 300 Krankenkassen im Land. Diese hätten sehr viel Macht „zulasten der Patienten“. „Man müsste generell mal die Strukturen angehen.“ Dies wäre nur politisch machbar. Andere Länder machen es vor: Dort würde es teils nur drei oder vier verschiedeneKrankenkassen geben. Als horrendes Beispiel beschreibt Seidel, dass es Krankenkassen gebe, die Werbemaßnahmen – beispielsweise bei Fußballspielen – von den Geldern der Versicherten zahlen. „Ich finde, das ist auch nicht korrekt.“

Die aktuelle Lage um die Fiebersäfte ist alles andere als ein Einzelfall. Über Jahre gebe es schon Probleme mit den Arzneimitteln. Engpässe aufgrund von Verunreinigungen und nicht vorhandenen Wirkstoffen könnten sich über Jahre hinziehen. Im Fall der Fiebersäfte gebe es laut dem Hersteller ein Verteilungsproblem. Der Sommerbedarf ist falsch geplant worden, weil er saisonal untypisch ist, sagt Seidel. Jetzt würden die Immuntrainings der Kinder, die zuvor Maske trugen, nachgeholt.

Ab Herbst wurde der Apothekerin eine Entspannung der Lage vom Hersteller versprochen. Seidels Angestellte arbeiten mit dem, was sie haben. Fiebersäfte gibt es praktisch nicht mehr. Stattdessen könnten ab sechs Jahren Kindern Schmerztabletten gegeben werden. Möglich sei auch, diese vorher aufzulösen. Manch eine Apotheke habe noch Restbestände an Fieberzäpfchen.

Diese hebt sie sich aber für die Kleinsten der Kleinsten auf, berichtet Seidel. Eltern empfiehlt sie, die Apotheke ihres Vertrauens aufzusuchen und das Alter ihrer Kinder anzugeben. Die Angestellten könnten daran angepasst Improvisationsmöglichkeiten aufzeigen. Umso wichtiger deshalb, die Strukturen vor Ort zu unterstützen, findet Seidel.

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