„Machte alles chaotisch“

Bismarker Kleinbahnfan: Ersatzverkehr vor 20 Jahren ein Graus

Der zugewachsene Bahnsteig und das Gleisbett am ehemaligen Bismarker Kleinbahnhof.
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Der Bahnsteig und das Gleisbett des ehemaligen Bismarker Kleinbahnhofs sind inzwischen zugewachsen. Der Ersatzverkehr per Bus nach Stilllegung der Strecke Hohenwulsch-Kalbe ließ stark zu wünschen übrig.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Der öffentliche Nahverkehr und die mehr schlecht als rechte Anbindung sind immer wieder Themen im ländlichen Raum. Da stellt die Einheitsgemeinde keine Ausnahme dar, besonders nicht mit Blick auf die Pläne der Bahn. So ging auch der Ersatzverkehr für die Kleinbahnstrecke von Hohenwulsch nach Kalbe vor 20 Jahren nicht lange gut, findet Stefan Heidelmann.

Bismark - Er ist Eisenbahnfan aus Bismark und berichtete der AZ bereits ausführlich über die Stilllegung der Strecke. Aber auch über den Busverkehr auf der Strecke infolge der fehlenden Kleinbahn ab 2001 weiß er viel zu erzählen. „Das war völlig überzogen. Im Sommer gab es einen Betreiberwechsel im Landkreis, aber der neue wollte die Strecke nicht übernehmen. Also machte der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt einen Busergänzungsverkehr.“ Doch dieses Angebot der Nasa sei schon nach ein paar Wochen extrem ausgedünnt gewesen.

Also machte wiederum ein Anbieter aus Kalbe die Anbindung an den Fernverkehr ab Hohenwulsch möglich. „Der hat das verkompliziert und machte alles chaotisch“, findet Heidelmann. Denn dadurch hätten beide Kreise je einen Anbieter mit eigener Route gestellt. „Sie haben die Fahrscheine nicht gegenseitig anerkannt. Das lockt die Fahrgäste nicht, sondern schreckt sie ab.“

Das ehemalige Mitglied im Fahrgastbeirat in Sachsen-Anhalt kann gut verstehen, warum viele deshalb nicht mehr diese Strecke fahren wollten, denn es bedeutete, doppelt zu zahlen. Bis die Nasa ein Machtwort sprach und zur Zusammenarbeit aufrief. Am Wochenende gab es dann nur noch Rufbusse. „Alles war immer noch kompliziert und es war kein guter Start“, bilanziert der Bahnfan.

Viele kritisieren die vielen Rufbusse in der Einheitsgemeinde. Stefan Heidelmann sieht das anders.

Dem eher dürftigen Angebot wurde schließlich 2007 der Stecker gezogen. „Das Land hatte für ein paar Jahre einen Ausgleich gezahlt, aber dann kamen keine Gelder mehr und die Buslinie wurde eingestellt“, erklärt Heidelmann. Inzwischen gebe es zweimal pro Tag Busse von Hohenwulsch über Poritz nach Kalbe, einer davon eine reine Rufbuslinie.

Heidelmann kann bei der Diskussion um ein solches Angebot beide Seiten verstehen. „Der Rufbus ist eine Hemmschwelle. Viele trauen sich nicht, anzurufen, weil es für nur eine Person zu viel Aufwand wäre.“ Nutzer würden denken, der Anruf sei ein Umweg, aber eigentlich würde das Angebot funktionieren. „Das klappt. Ich habe noch nie eine Panne erlebt“, erklärt der Eisenbahnfan.

Ein Argument für den Rufbus sei, dass nicht immer ein leerer Bus über die Ortschaften fahren könne. „Wenn ein Angebot wie ein Bürgerbus gemacht wird, wird das doch auch nicht genutzt wegen der Wartezeit. Man kann nicht immer nach dem öffentlichen Nahverkehr schreien“, kritisiert der Bismarker.

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