Mobilität bleibt schwieriges Thema

Mitfahrbank in Schinne: Idee funkt nicht richtig

Eine Person steht vor der Mitfahrbank in Schinne und wartet. Ein Auto fährt vorbei.
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Die Mitfahrbank steht seit 2019 an der Hauptstraße von Schinne. Gut besucht wird sie dennoch nicht, was Ortschaftsrätin Dr. Evelyn Weinstrauch, die die Idee zu der Bank hatte, etwas überrascht.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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Direkt an der Hauptstraße durch Schinne stehend, ist sie kaum zu übersehen: eine Holzbank mit Wetterschutz. „Mitfahrbank“ steht oben drüber. Aber so richtig beliebt erscheint sie nicht.

Schinne - Das merkt auch Dr. Evelyn Weinstrauch, Mitglied im Ortschaftsrat, die die Idee für eine solche Bank in das Gremium eingebracht hatte. „Die Idee kam von Zeitungsartikeln von anderen Ortschaften, die so etwas schon haben,“ berichtet sie der AZ. Wo das genau war, daran erinnert sie sich leider nicht mehr. Denn die Zeitungsartikel hatte sie bei der Antragstellung mit eingereicht.

Die Idee hinter der Mitfahrbank ist simpel: Menschen, die nicht gerade zu Zeiten der Linien- oder Rufbusse in andere Orte müssen und kein eigenes Auto haben, können sich dort hinsetzen und per Anhalter dann in die richtige Richtung fahren. Das erhöht die Mobilität gerade in kleineren Ortschaften, wo Busse selten oder nur auf Anfrage Halt machen.

Das Konzept kann ganz unterschiedlich umgesetzt werden. So gibt es beispielsweise in der Gemeinde Schuttertal (Baden-Württemberg) Aufkleber, mit denen sich Autofahrer als Anhalter ausweisen können, und Geschäfte und Firmen spenden, um direkt vor der Tür eine Mitfahrbank zu bekommen. Die Gemeinde Putbus auf der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) hat gleich mehrere Bänke mit Fahrzielschildern aufgestellt, um auch das Zurückkommen zu erleichtern. Andere Ortschaften und Kommunen setzen auf Mitfahr-Apps, damit das neue Trampen sicherer und verlässlicher wird.

Konzept der Mitfahrbank kommt unterschiedlich gut an

In Schinne ist die Mitfahrbank noch vergleichsweise frisch. Laut Weinstrauch wurde sie erst 2019 aufgestellt. So unterschiedlich die Konzepte sind, so unterschiedlich sind auch die Erfolgserfahrungen mit den Bänken. „Bisher wurde das nicht wirklich angenommen. Es gab nur begrenzte Rückmeldungen“, gibt die Ortschaftsrätin zu.

Sie hätte sich vorgestellt, dass es mehr angenommen würde. „Die jungen Leute finden das toll.“ Denn sie waren einer der Anstöße für Weinstrauchs Vorschlag im Ortschaftsrat. „Meine Idee war, dass viele Kinder und Jugendliche das in den Ferien nutzen können, während die Eltern arbeiten“, erklärt sie. Auch Rentner könnten das Angebot nutzen, um zum Beispiel zu Arztterminen zu kommen. „Aber eben diese fragen sich oft: Wie komme ich denn wieder zurück?“

Mit gelber Farbe steht gut erkennbar „Mitfahrbank“ an dem Unterstand.

Andere Rückmeldungen fielen positiver aus: Eine Familie, die aus Hamburg zugezogen war, freute sich über die Mitfahrbank. Ihnen war das Konzept schon von der Ostsee vertraut, wo öfter in den kleineren Dörfern solche Bänke stehen.

Einen Grund für die zurückhaltende Nutzung sieht Weinstrauch nicht nur in den Unsicherheiten der Anwohner. „Natürlich hat auch Corona da seinen Einfluss.“ Weitaus weniger Menschen nutzen Mitfahrgelegenheiten, um das Ansteckungsrisiko zu vermeiden.

Mitfahrbank soll Nahverkehr ergänzen, nicht ersetzen

Als Ersatz zu dem öffentlichen Nahverkehr sieht Weinstrauch die Mitfahrbank nicht. „Es ist eher eine Ergänzung zu dem, was schon da ist. Die Anwohner sollen so mobiler werden und vielleicht auch Fahrgemeinschaften bilden“, sagt sie.

Ähnlich sieht es auch Schinnes Ortsbürgermeister. „Wir haben das nicht wegen dem schlechten Nahverkehr umgesetzt“, betont Ralf Berlin. Dennoch gibt er zu, dass die Lage für die Ortschaften schwierig ist. „Der Rufbus funktioniert nicht richtig, der ist schlecht vermarktet. Es ist auch schwierig, die großen Busse überall hinfahren zu lassen.“

Gerade für die Jüngeren sei Mobilität mit den langen Strecken nicht ganz einfach. „Im Sommer geht es ja mit Fahrrad oder Moped über die Feldwege.“ Besonders Schinne und das benachbarte Belkau sieht Berlin als vom Nahverkehr vergessen an. „Irgendwie kämpfen wir uns da durch.“ Der Ortsbürgermeister selbst hat die Mitfahrbank noch nicht ausprobiert, weder als Tramper, noch als Fahrer. „So etwas muss sich immer erst einmal entwickeln.“

Mobilität ist ein ständiges Thema im ländlichen Raum. Auch in der Einheitsgemeinde Bismark wird immer wieder langwierig diskutiert, welche Buslinien und Bahnhaltepunkte noch erhalten werden können.

So kämpfte zuletzt Meßdorf hart darum, noch weiter Linienbusse zu bekommen. Inzwischen fahren nur noch zwei Linien über die Ortschaft, die meisten davon Rufbusse. Direkt nach Stendal kommen Meßdorfer nicht mehr. Sie müssen in Bismark, Hohenwulsch oder Osterburg umsteigen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven

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