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Energiepreiskrise: Stadt Bismark erwärmt sich für Lichterglanz

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Von: Marco Hertzfeld

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Annegret Schwarz im Bismarker Rathaus fasst an eine Heizung.
Annegret Schwarz hat es für ein Zeitungsfoto in den Nachbarraum getrieben, dort arbeitet die Heizung. Das Gerät im Büro der Bismarker CDU-Bürgermeisterin gibt in diesem Moment nachweislich keine Wärme ab. © Marco Hertzfeld

Die Stadt Bismark reagiert auf die Energiepreiskrise. Die Weihnachtsbeleuchtung 2022 fällt spürbar matter aus. In den Büros im Rathaus ist die Temperatur runtergedreht, wenn auch nicht so stark wie woanders im Land.

Bismark – Das vielleicht Wichtigste vorweg: Die Weihnachtsbeleuchtung von Bismark und Kläden, durchweg aus LEDs bestehend, wird angebracht. „Wir werden sie pünktlich zum ersten Advent in Betrieb nehmen, allerdings mit reduzierten Leuchtzeiten“, kündigt Annegret Schwarz an. Die Sterne und anderen Elemente für Bismark wurden quasi erst in der vergangenen Saison für 20.000 Euro angeschafft. „Wir sind damit eh ganz gut gerüstet“, meint die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde. Details seien noch zu klären. Irgendwelche Zeitschaltuhren anzuschaffen, danach ist der Christdemokratin nun überhaupt nicht. „Das kostet doch, wir müssen auch diese wirtschaftlichen Dinge im Auge behalten.“ Die anderen 18 Ortschaften kennen keine kommunale Festbeleuchtung.

Straßen-LED bereits bei gut 95 Prozent

Ukrainekrieg und Energiepreiskrise schlagen sich in der Einheitsgemeinde nieder. Ortsbürgermeister und Rathauschefin haben in dieser Woche auch darüber gesprochen. 19 Grad Celsius sollen laut Verordnung in sachsen-anhaltischen Verwaltungsgebäuden herrschen. Im Rathaus an der Breiten Straße sind es zwei mehr. Schwarz schüttelt es bei dem Gedanken, die Mitarbeiter kühler sitzen zu lassen. „Dann kassiere ich eben eine Ordnungsstrafe, ich habe eine Fürsorgepflicht für die Kollegen“, gibt sie sich auf Krawall gebürstet. Von 21 Grad Celsius sei übrigens auch in der Arbeitsschutzverordnung die Rede. Es ist 9.45 Uhr, draußen sind knapp 13 Grad Celsius, Schwarz’ Bürothermometer zeigt 22 Grad Celsius an. Ihre Heizung ist aus, die Sonne scheint durch die Fenster.

Sportstätten auf dem Prüfstand

Die Einheitsgemeinde Bismark sei in einer guten Ausgangslage. Seit 2017 ist die Straßenbeleuchtung in den Ortschaften auf LED umgestellt worden. 95 Prozent sind erreicht, der Rest soll möglichst zeitnah erfolgen. „2021 haben wir im Vergleich zum Vorjahr somit 40.000 Euro Energiekosten eingespart“, rechnet die CDU-Frau im Gespräch mit der AZ vor. Und ja, die Laternen würden dieses Jahr ob der allgemeinen Krise in der Kraft gedrosselt. Ganz ausgeschaltet werden dürften sie natürlich auch nicht, insbesondere nicht an größerer Kreuzungen und in anderen sensiblen Bereichen. Ach ja, die alte Beleuchtung am großen Nadelbaum vor der Bismarker Kirche bleibe wahrscheinlich aus. Genauer will Schwarz das noch mit dem Ortschaftsrat besprechen.

Nadelbaum bleibt vielleicht dunkel

Überhaupt sind weitere Gespräche geplant. Das Anstrahlen von Kirchen in der Adventszeit soll es in dem Maße nicht geben. Die Bürgermeisterin kann sich Ausnahme wie den Heiligabend vorstellen. Vielerorts sei Licht an Kirchen über Sponsoring finanziert und ja, teilweise an die öffentliche Straßenbeleuchtung gekoppelt. Die politische Spitze der Ortschaft Kläden wolle selbst Hallennutzung und anderes klären. Mit dem Sportverein TuS Schwarz-Weiß Bismark werde über Flutlicht auf der Außenanlage und die Mehrzweckhalle gesprochen. Im Rathaus sollen Türen möglichst geschlossen sein, die Heizkörper in den Fluren sind aus, auch die Automatik des Außensonnenschutzes, die Sonne soll wärmen. Schwarz: „Es geht auch um ein Signal an die Bürger, dass wir als Verwaltung auch Energie sparen, wo wir Energie sparen können.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Politik und Energie / Ein Gespür für Milde
Bismarks Verwaltungschefin weiß ganz genau, wie weit sie am Temperaturregler drehen darf und was bei all den Verordnungen von Land und Bund noch erlaubt ist und was nicht. Wer es vergessen hat: Die Vorzeigefrau der CDU hat einst jahrelang beim Landkreis in der Kommunalaufsicht gesessen. Schwarz’ Gespür für politische Abläufe und das Tagesgeschäft ist bekannt. In ähnlichem Maße dürfte die Altmärkerin das Ohr am Volke haben. Und deshalb sind Signale wie dieses wichtig: Ja, die Ämter sollen und müssen wie der ganz normale private Haushalt auch auf den Energieverbrauch achten. Dass Bismarks Bürgermeisterin den Mitarbeitern zwei Grad Celsius mehr schenkt, könnte auch eine gewisse Außenwirkung entfalten. Eine kalkulierte Milde lässt alles andere vielleicht leichter ertragen.

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