Überdimensionaler Schredder nun in Betrieb genommen / Potenzial des Waldes nutzen

Energie aus Hackschnitzel gewinnen

Der mobile Holzhacker zerkleinert nicht nur Äste, sondern auch ganze Baumstämme, die schon eine beachtliche Anzahl an Jahresringen aufweisen können. Fotos (2): Bock

mb Wartenberg. Man nennt ihn „Holzhacker“, aber im eigentlichen Sinn ist es ein überdimensionaler Schredder. Mit ihm werden Restholz und Baumkronen jeglicher Art zu Holzhackschnitzel verarbeitet.

Vor Ort gab es von Förster Bodo Storch reichlich Informationen zu den Holzhackschnitzeln, Anfassen ausdrücklich erlaubt.

Das Holz, welches noch vor einigen Jahren nach der Rodung im Wald liegen gelassen wurde, soll heute dort nicht mehr verrotten, sondern Energie für Häuser und Biogasanlagen liefern (AZ berichtete). Am Sonnabend konnte nun der interessierte Besucher selbst erleben wie solch ein „Holzhacker“ sich Baumkronen, Äste, ja sogar ganze Stämme mit einem nicht zu kleinen Durchmesser einverleibt und am anderen Ende kommen die Hackschnitzel heraus. Mit Holzhackschnitzel und dessen Möglichkeiten der Energiegewinnung befasst sich Landwirt Markus Reister aus Berkau schon seit längerer Zeit. Nun konnte endlich solch ein Baumschredder auf einer Lichtung im Waldstück von Familie Gille zwischen Wartenberg und Bismark in Aktion gesehen werden. Gut 200 Besucher folgten, über den ganzen Tag verteilt, der Einladung zur Vorführung.

Unter den Schaulustigen und staunenden Gästen waren auch Landrat Jörg Hellmuth, Bürgermeisterin Verena Schlüsselburg sowie Katja Döge, Leiterin des Betreuungsforstamt Nordöstliche Altmark, die sich über die neuen Möglichkeiten der Nutzung des Restholzes informierten. Für Döge hat es vor allem einen ganz praktischen Sinn, dass jetzt in der Altmark auch so ein Holzschredder unterwegs ist, „denn nach dem Schneebruch des letzten Winters in der Altmark ist es für die Aufarbeitung in den Wäldern wichtig auch solche Technik vor Ort zuhaben um alles wieder aufräumen zu können.“

Doch wer sich an neue Technik wagt, der muss sich erst einmal auf die Suche machen, denn Reister schaute sich schon lange auf Messen und Ausstellungen um und wollte sich kundig machen, wo man so einen „Holzhacker“ nun herbekommt. Wichtig sei dabei für Reister gewesen, ein Gerät im Wald vor Ort zu haben, das aber auch zu den landwirtschaftlichen Fahrzeugen wie Traktoren passt. Im letzten Jahr war es soweit und man fand das Gerät, welches alle Ansprüche erfüllt. Hohe PS-Leistung und es schafft gut 30 Schüttraummeter Holz pro Stunde. Ist zudem aber wendig und mobil im Gelände um auch direkt in die Waldflächen hinein gefahren zu werden. „Wenn das Gerät größer wäre, müssten wir es am Waldrand abstellen und das Holz dann aufwendig dorthin transportieren“, erklärt Reister.

Über den Maschinenring, der gut 150 Mitglieder hat, soll man das Gerät nun nutzen können. Während der Vorführung am Wochenende konnten die Interessenten das Gerät erst einmal aus der Nähe ansehen und natürlich auch in Aktion sehen.

Kurz nach 10 Uhr hat auch Landrat Hellmuth mit einer kleinen Ansprache den „Holzhacker“ feierlich in Betrieb genommen. Bereits davor hatten die Besucher die Gelegenheit den Hacker bei der Arbeit zu erleben und auch Hellmuth ließ sich im Fahrerhaus von Maschinenführer Sven Riewe die Bedienung erläutern.

Markus Reisters Entscheidung, sich die 150 000 Euro teure Technik zuzulegen, ist das Potenzial des Waldes, das er in der Altmark sieht. Auch er sprach davon, dass es immer noch große Flächen mit Schnee- und Eisbruch in den Wäldern gibt, die bis heute noch nicht aufgearbeitet wurden, um nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten der Technik zu nennen.

Das Interesse an dem neuen Ungetüm im Wald ist auf jeden Fall da. So schauten im Laufe des Tages viele Waldbesitzer, Firmeninhaber, die im Wald tätig sind, und Schaulustige auf der Lichtung im Wald vorbei um sich das holzfressende Etwas aus der Nähe anzusehen. Damit auch keiner frieren musste hatte Familie Reister einen heißen Glühwein vorbereitet und reichte dazu eine deftige wärmende Suppe. So gab es noch so manche Fachsimpelei auf der Lichtung zu hören.

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