Tag der Organspende: Drei Frauen aus Badingen leisten seit Jahren schulische Aufklärungsarbeit

„Endlich aus Tabu-Ecke heraus“

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Elke Kricheldorf (v.l.), Annemarie Kumpe und Elisabeth Mertens zeigen an der Puppe, welche Organe ihnen transplantiert wurden.

Badingen. Sie leben seit Jahren mit einem transplantierten Organ. Und sie leben alle drei in Badingen. Annemarie Kumpe, Elisabeth Mertens und Elke Kricheldorf verfolgen seit einiger Zeit, wie es mit der Spendenbereitschaft in Deutschland aussieht.

Gerade heute, am Tag der Organspende, der immer am ersten Sonnabend im Juni deutschlandweit zelebriert wird.

Annemarie Kumpe lebt schon seit 30 Jahren mit einer gespendeten Niere, Elke Kricheldorf seit elf Jahren. Ein neues Herz wurde Elisabeth Mertens vor fünf Jahren transplantiert. Doch längst nicht alle, die spenden würden, haben auch tatsächlich einen Spenderausweis, wissen die Frauen. Aber: „Mit Freude haben wir erfahren: Es tut sich etwas in Sachen Organspende“, erklärt Kricheldorf gegenüber der AZ. Besonders das Zitat von Frank Walter Steinmeier im Rahmen seiner jüngsten Bundestagsrede („Wir wollen den Menschen auf die Pelle rücken“) machte die Damen hellhörig. Schließlich wisse gerade dieser Politiker, wovon er spreche. Seine Frau war nierenkrank und er zu einer Lebendspende bereit.

„Seit einigen Jahren gehen wir drei Frauen mit Dr. Krainz vom Nierenzentrum in Stendal in die elften Klassen der Privatschule in Stendal und klären die Schüler über Organspende auf“, so Kricheldorf. „Wir trafen immer auf offene Ohren für dieses sensible Thema.“ Für die meisten Schüler sei dieses Thema Neuland, wissen die Frauen, doch einige wenige hätten schon einen Organspendeausweis dabei.

Die Jungen und Mädchen erfahren, wie eine Transplantation vonstatten geht, wie sich die Frauen während der Wartezeit auf ein Spenderorgan gefühlt haben und wie sich ihr Leben seit der Transplantation zum Positiven verändert hat. Und vor allem können die Schüler alle ihre Fragen zum Thema Organspende loswerden. Nun soll es in Deutschland zur Pflicht werden, dass sich jeder ab dem 16. Lebensjahr auf freiwilliger Basis für oder gegen eine Organspende entscheiden soll. Allerdings betont Kricheldorf: „Keine Angst, niemand wird gezwungen.“

„Wir drei betroffenen Frauen sind sehr froh, dass dieses Thema endlich aus der Tabu-Ecke heraus- und an die Öffentlichkeit kommt. Dafür setzen wir uns seit Jahren ein und werden es auch weiterhin tun“, erklärt Kricheldorf. Einen Dank richten die drei Badingerinnen dabei auch an Dr. Alexander Krainz vom Stendaler Nierenzentrum, der sie bei den Aufklärungsversuchen immer unterstützt und ebenfalls mit in die Schulen geht.

Von Bianca Lange

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