Öffentliche Ladestationen für Autos

Elektro-Mobilität in Bismark fehlt der Antrieb

Eine Ladesäule für Elektroautos steht an der Schnittstelle in Hohenwulsch.
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Die Elektroladestation für Autos auf dem Parkplatz der Schnittstelle in Hohenwulsch. Die öffentlich zugängliche Säule ist laut Bismarker Rathaus die einzige ihrer Art in der gesamten Einheitsgemeinde.
  • Marco Hertzfeld
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Elektro-Mobilität und der Klimawandel: Wenn es allein nach der Anzahl von Ladestationen für Elektroautos geht, bewegt sich die Einheitsgemeinde Bismark im Schneckentempo. In Hohenwulsch steht offenbar die einzige öffentliche Tanksäule für Fahrzeuge dieser Art.

Bismark – Wenn denn der Elektro-Mobilität mehr und mehr die Gegenwart gehören soll, müsste die Einheitsgemeinde Bismark allmählich aufwachen. In den insgesamt 20 Ortschaften gibt es aktuell gerade einmal eine öffentliche Ladestation für Autos. Der elektrische Antrieb im Straßennetz scheint für Politik und Verwaltung mehr ein Zukunftsprojekt als zum Greifen nah. Ignoriert und vergessen solle das Thema damit aber nicht sein. „Klimaschutz und Elektro-Mobilität stehen immer mehr auf der Tagesordnung auch im ländlichen Raum“, ist Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) überzeugt. Die Zwischenbilanz bleibt ernüchternd.

Die einzige E-Ladestation befindet sich demnach auf dem Parkplatz der sogenannten Schnittstelle in Hohenwulsch. Öffentlicher Personennahverkehr und Individualverkehr sind dort dicht beieinander: Bahn, Bus, Auto und auch das Fahrrad. Die Schnittstelle am Bahnhof der Bismarker Ortschaft nahe der Kernstadt wurde im Herbst 2018 eingeweiht. So gesehen ein erstes Zeichen der E-Mobilität, ein Energieunternehmen hat es im Zuge der Gesamtmaßnahme gesetzt. Dass Klimaschutz und Elektromobilität an Gewicht gewinnen, das habe sie in ihrer jüngsten Neujahrsrede kurz angesprochen, erinnert Schwarz.

Schnittstelle Hohenwulsch bietet Stromanschluss für Pkw

„Der Klimaschutz in seiner Artenvielfalt begleitet uns seit Langem und er wird in der Betrachtung, Bewertung sowie Umsetzung von Maßnahmen weiterhin die entsprechende Berücksichtigung und Beachtung finden.“ Mit Blick auf Ladesäulen lässt sich derzeit nicht viel vorweisen. „Dazu gibt es gegenwärtig keinen Plan.“ Im Frühjahr 2020 fragte das Land über seine Nahverkehrsgesellschaft Nasa nach potenziellen Standorten für E-Ladepunkten. Die Einheitsgemeinde habe bekanntlich die Parkplätze am Kolk und vor der Mehrzweckhalle in Bismark benannt (die AZ berichtete). Mehr scheint nicht passiert.

Die Hände in den Schoß legen und auf Private hoffen wolle das Rathaus nicht. „Es wird bestimmt einige Förderungen zu E-Ladestationen geben. Mir ist bekannt, dass über die Arbeitsgemeinschaft ,Fahrradfreundliche Kommune’ Projekte umgesetzt werden“, teilt die Bürgermeisterin weiter auf Nachfrage der AZ mit. Die Einheitsgemeinde ist erst seit 1. Januar dieses Jahres Mitglied. Was mögliche Projekte angeht, will sich Schwarz in absehbarer Zeit damit beschäftigen. „Hier geht es um E-Ladestationen für Radfahrer.“ E-Mobilität im Individualverkehr reicht nun einmal über das Auto hinaus.

Rathaus in Bismark will Thema E-Autos stärker angehen

„Gegenwärtig ist kein Aufbau von E-Ladestationen in der Einheitsgemeinde geplant“, fasst die Rathauschefin zusammen. Inwieweit Unternehmen noch Initiativen starten, bleibt abzuwarten. Wie groß der Bedarf dieser Tage bereits tatsächlich ist, lässt sich schwer sagen. Einige Experten und Beobachter reden bereits von einem Boom. Im vergangenen Jahr wurden laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) 194 000 rein batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von mehr als 200 Prozent. Zusammen mit anderen alternativen Antrieben rollten damit an die 395 000 Elektroautos auf die Straße.

Fahrrad: Kommune seit 2021 Mitglied in Arbeitsgemeinschaft

Die meisten Autos dürften an privaten Stationen aufgetankt werden. Verlässliche öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte scheinen vielen Leuten aber ebenfalls wichtig, auch im ländlichen Raum. Das KBA hält das von der Bundesregierung formulierte Ziel von sieben bis zehn Millionen zugelassenen E-Fahrzeugen in Deutschland bis 2030 für realistisch. Wobei: Der Anteil der reinen E-Autos am Gesamtfahrzeugbestand ist immer noch recht niedrig, er stieg 2020 von 0,5 auf 1,2 Prozent. In östlicher Altmark und Elb-Havel-Winkel sollen laut Landkreis, wie schon berichtet, derzeit 191 E-Autos und 849 Hybridfahrzeuge zugelassen sein.

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