Ortschefin sieht regionale Vorreiterrolle

Eine Stadt glaubt an ihre Kirchen: Bismarks Touri-Heft bereits vergriffen

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Die Kirche in Dobberkau ist eine von um die 40, die in dem Heft der Stadt Bismark beschrieben sind.

Bismark – „Kirchen stehen oft mitten im Ort, niemand kommt an ihnen vorbei, sie gehören zu uns und unserer Geschichte“, sagt Annegret Schwarz vor wenigen Tagen.

Dass Notre-Dame durch einen Brand halb zerstört wird, konnte Bismarks Bürgermeisterin zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wissen.

Was Parisern die Kathedrale ist, sind Altmärkern die Feldsteinkirchen, allein in der Einheitsgemeinde stehen 39, in jedem ihrer Orte eine. „Einige sind auch aus anderem Material“, meint sie, will noch einmal genau nachzählen und greift zu einem Heftchen. Die Christdemokratin hält damit eine kleine Erfolgsgeschichte in Händen. Möglichst noch dieses Jahr soll eine zweite Auflage erscheinen, die erste ist bereits vergriffen.

„Die Idee, einen größeren Kirchenflyer zu erstellen, hatte meine Vorgängerin, Verena Schlüsselburg.“ Das Heft gibt für jedes Gemäuer einen kurzen historischen Abriss, erwähnt Besonderheiten und Entwicklungen und zeigt auf, wie Termine für eine Besichtigung zu vereinbaren sind. Momentan werden Fehler beseitigt und Hinweise aus der Bevölkerung verarbeitet. Die erste Auflage lag erst vor Kurzem, im Februar, auf dem Tisch, für Interessierte kostenlos. „Schnell hat sich gezeigt, dass die Auflage mit 250 Stück viel zu klein angesetzt war. Wir werden sie nun mindestens verdoppeln.“ Die Kosten liegen bei einigen Hundert Euro. „Wir machen das Layout und anderes selbst, das spart Geld“, erläutert Schwarz.

Kirchenbücher für die Region gebe es mittlerweile einige, ein solches Heft, klein und kompakt für eine Gegend, noch nicht, glaubt die Bürgermeisterin im Gespräch mit der AZ, will aber auch nicht auf die Vorreiterrolle Bismarks pochen. „Auf jeden Fall sind wir vorn mit dabei“, meint sie und lächelt. Diplom-Historiker Uwe Lenz hat die Texte geschrieben, Kirchenräte haben ihm zugearbeitet. Die Fotos kommen von Renate Pieper, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und wiederum Kirchenräten. Das Gedicht zu Feldsteinkirchen der Altmark gleich vorn stammt von Johannes Schwarz; ruhig, wehrhaft und bescheiden seien diese sakralen Bauten. Das Vorwort hat Schwarz höchstselbst verfasst.

Das Heft, gerade einmal 21 mal zehneinhalb Zentimeter groß und immerhin 48 Seiten stark, hat es bereits auf die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin geschafft. „Natürlich wollen wir den Tourismus bei uns ankurbeln. Wir sind davon überzeugt, dass noch deutlich mehr Menschen die Altmark erkunden wollen, mit dem Rad, dem Auto oder auch dem Pferd.“ Eigene Publikationen wie diese sollen aber auch nach innen wirken und Identität stiften. „Die größte Herausforderung ist eine ganz praktische. Die Kirchen müssen auch zugänglich sein, es muss jemanden geben, der ein Gebäude öffnet und schließt. Die Zusammenarbeit zwischen den Pfarrämtern und uns ist letztendlich entscheidend.“

Schwarz stammt nach eigenen Angaben aus einem christlichen Elternhaus. Der Atheismus sei im Osten auch 30 Jahre nach der Wende noch immer weit verbreitet, sicherlich. Auch so gehe die Zahl der Kirchenmitglieder nach wie vor zurück. „Doch scheint es mir einen stärkeren Drang der Menschen hin zum Glauben zu geben, ohne dass man gleich einer Konfession angehören muss.“ Die Trennung von Kirche und Staat sei wichtig und richtig. „Bürgermeister sollten sowieso in jegliche Hinsicht unabhängig und für vieles offen sein.“ Eine Zusammenarbeit mit den Kirchen sei dadurch nicht ausgeschlossen, im Gegenteil, sie passe. „Wenn wir die Region entwickeln wollen, sind Kirchen durchaus wertvolle Partner.“

In diesem Zusammenhang möchte die CDU-Frau noch eines unterstrichen wissen: Dass für den Erhalt von Kirchen auch Geld aus staatlichen Kassen fließe, sei alles, nur nicht falsch. „An diesen Gebäuden erfreuen sich doch nicht nur Christen, sie prägen oftmals ein Dorf, eine Stadt, gehören zur Geschichte.“ In der Altmark soll es an die 250 Feldsteinkirchen, teils 1000 Jahre alt, geben. In dieser Dichte, eine Besonderheit. „Und ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit anderen Regionen“, ist Bismarks Bürgermeisterin überzeugt. Sie glaube an eines fest: „Das Thema ist touristisch noch nicht ausgereizt. Vielleicht finden wir auch noch ganz andere Ansätze der Zusammenarbeit.“

VON MARCO HERTZFELD  

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