Stadt geht bei Eichenprozessionsspinner mindestens in Vorkasse

Giftraupe des EPS plagt Bismark nimmersatt

Eine Fachkraft im Schutzanzug blickt auf ein Nest des Eichenprozessionsspinners.
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Im Westen der Republik inspiziert eine Fachkraft ein Nest des Eichenprozessionsspinners, auch kurz EPS genannt. Der Plagegeist hat sich längst auch in der Altmark ausgebreitet. Ein Schwerpunkt: die Einheitsgemeinde Bismark.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner geht in die nächste Runde. Bismark muss für die EPS-Abwehr mindestens stärker in Vorkasse gehen. Immerhin: Der Einsatz scheint sich auszuzahlen.

Bismark – „Es geht also immer weiter“, leitete Stadtratsvorsitzender Andreas Cosmar (FWgB) kurz ein. Seit gut einer Dekade setzt der Eichenprozessionsspinner, kurz EPS, der Region stärker zu, seit vielleicht der Hälfte dieser Zeit schlagen Kommunen auch geordneter zurück. Bismarks Stadtparlament hat der Koordinierungsvereinbarung zwischen dem Landkreis Stendal und der Einheitsgemeinde bei einer Enthaltung in dieser Woche (am 15. September 2021) zugestimmt. Die Giftraupe des Nachtfalters wird damit auch 2022 mit chemischen und mechanischen Mitteln bekämpft. Insgesamt circa 45.000 Euro soll der Einsatz in Bismarker Ortschaften mit allem Drum und Dran kosten. Ob wie in diesem Jahr wieder Landesmittel helfen werden, dafür gibt es aus Magdeburg noch kein Signal. Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) fordert seit Längerem eine konzertierte Aktion für ganz Sachsen-Anhalt.

Landesmittel für 2022 noch nicht sicher

Wobei die Kritik des Stadtoberhauptes seit einiger Zeit milder ausfällt, an diesem Abend äußerte es sich gar nicht zum Thema. Der EPS scheint einigermaßen im Griff. Im Jahr 2021 sind in der Einheitsgemeinde an die 1500 Bäume vom Boden aus behandelt worden und weitere auf etwa 25 Hektar (35 Fußballfelder) aus der Luft. „Der Einsatz des chemischen Mittels und teilweise die Kombination aus chemischer und mechanischer Behandlung haben dieses Jahr zu guten Resultaten geführt“, heißt es im Beschlusspapier. Und weiter: „Ein erhöhter Anstieg der Population ist nicht zu verzeichnen. Hilfreich in diesem Zusammenhang sind zum einen die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und zum anderen der Erfahrungsaustausch mit den anderen Gemeinden.“ Inwieweit auch natürliche Prozesse eine Rolle spielen könnten, muss an dieser Stelle offenbleiben.

Umweltanalysen kosten ebenfalls

Die Raupe, deren Gifthaare beim Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen können, schien die Jahre ungebremst unterwegs. Auch andere Kommunen wie Seehausen und Tangerhütte haben mit ihr zu kämpfen. Und natürlich: Die Raupe ernährt sich von Blättern, bei einem mehrjährigen starken Auftreten kann der Baum, vor allem Eiche und mitunter auch Hainbuche, geschädigt werden. Warum der EPS in jüngerer Vergangenheit derart zulegen konnte, darüber scheint die Forschung noch nicht abgeschlossen. Ein sich veränderndes Klima könnte eine Rolle spielen. Diskussionen im Landkreis Stendal gibt es immer wieder einmal über die Wahl der Mittel, erinnert sei hier besonders an den Einsatz von Heißschaum, den Naturschützer nicht unbedingt prickelnd finden, weil auch stärker andere Tiere sowie Pflanzen getroffen werden könnten (die AZ berichtete).

Prozessionsspinner immerhin gebremst

Die Rechnung für Bismark beläuft sich 2021 auf circa 45.000 Euro. Im Haushalt der Einheitsgemeinde aus insgesamt 20 Ortschaften sind lediglich 15.000 Euro angesetzt. Allerdings sind die Gesamtkosten gemäß Zuwendungsvertrag mit etwas mehr als 70 Prozent bezuschusst, sodass laut Stadt keine Mehraufwendungen entstehen. Um der „Population entgegenzuwirken“ und „insbesondere die gesundheitlichen Gefahren abzuwehren“ sei der „Umfang der Bekämpfung beizubehalten“. Die Bäume für den Einsatz 2022 seien bereits zum größten Teil erfasst und werden dem Stendaler Landratsamt gemeldet. Bismark rechnet wieder mit gut 45.000 Euro, die Summe soll auch so in den Haushalt. Hinzu kommen noch zwischen 3500 und 5000 Euro für einen artenschutzrechtlichen Fachbeitrag und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung. FFH steht für Flora, Fauna, Habitat. Unterm Strich soll der Kampf gegen den EPS im nächsten Jahr maximal 50 000 Euro kosten. Und noch fehlt das erhoffte Fördersignal des Landes.

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