Majed Alali und Abdulahman Mohamad über ihre Flucht und das Leben in der neuen Heimat

Durch die Wüste nach Deutschland

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Die Teenager Abdulahman Mohamad (16, links) und Majed Alali (17) besuchen die neunte Klasse in Bismarks Sekundarschule. Deutschland ist ihre neue Heimat geworden und sie würden auch in Zukunft gern hier bleiben.

Bismark. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, sprechen eine andere Sprache, sind in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen und gänzlich verschieden, aber eine Sache verbindet sie – die Flucht aus der Heimat.

Die Teenager Majed Alali (17) aus Syrien und Abdulahman Mohamad (16) aus Somalia sind mit dem Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen. Alle Mühen haben sie auf sich genommen, um in einem sicheren Land leben zu können. Ihre Eltern und Familien mussten sie dafür in der alten Heimat zurücklassen.

Der 16-jährige Abdulahman ist von Somalia zusammen mit seinem Onkel Ali geflohen. Einen Monat lang haben sie die Lybische Wüste, geplagt von Hitze, Durst und Hunger, zu Fuß durchquert. Zu groß seien die Strapazen für seinen Onkel gewesen, erklärt der 16-jährige Schüler in gebrochenem Deutsch gestern gegenüber der AZ. Er starb in der Wüste an einem Herzinfarkt. Der Junge zog alleine weiter. In einem kleinen Boot zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen überquerte er das Mittelmeer und kam in Italien an. Nach einer langen Odyssee erreichte er schließlich im Mai 2016 München.

Auch der 17-jährige Majed kam im Dezember 2016 in München an. Er floh aus Syrien zusammen mit seinen Cousinen und Neffen über die Türkei nach Griechenland und ist von dort aus – teils zu Fuß, teils mit dem Zug – weiter nach Deutschland gereist. Seine Verwandtschaft lebt heute in Halle (Saale). Er ist genau wie Abdulahman in Meßdorf untergekommen.

Majed spricht mittlerweile gut Deutsch. „Ich versteh 50 Prozent von dem, was im Unterricht gesagt wird“, erklärt er. Wenn er etwas nicht versteht, dann fragt er nach. Er fühlt sich wohl in der Altmark, auch wenn ihm manchmal der Umgang mit Menschen aus seinem Sprach- und Kulturkreis fehlt. „Vielleicht auch besser, dann lerne ich noch besser Deutsch“, fügt er anschließend lachend hinzu. Mit seiner Familie in Syrien hat er regelmäßigen Kontakt. Abdulahman leider nicht. In Somalia herrscht Krieg und der Kontakt mit den Eltern ist erschwert. In der neuen Heimat fühlt er sich wohl. Er versteht viel Deutsch, aber das Sprechen fällt ihm noch schwer, wie er gestern zugab. Wenn er in der Schule etwas nicht versteht, dann hilft ihm Majed. Schließlich besuchen die beiden die gleiche Klasse.

Auch wenn im Leben nicht immer alles so einfach ist, schlagen sich die beiden Jungen durch und hören nicht auf zu träumen. Majed träumt davon eines Tages Medizin zu studieren, wie seine beiden Brüder. Und Abdulahman möchte gerne Automechaniker werden. Dafür lernen Beide fleißig Deutsch, um auch in der neuen Heimat endlich ganz ankommen zu können.

Von Marilena Berlan

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