Emily-Prozess: Angebliche Schreiben des Kindsvaters im Fokus

Drohbrief aus der U-Haft verlesen

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Patrick F. (hinten links) soll Katja B. Briefe in die Hallenser JVA geschrieben haben, in denen er sich selbst schwer belastet und die Familie von Katja B. bedroht. Möglich ist allerdings auch, dass Katja B. die Briefe selbst verfasst hat.

Stendal / Bismark. In dem Prozess um die zu Tode geschüttelte Emily aus Bismark wird es immer verworrener. Im Fokus der Beweisaufnahme standen gestern nicht die Verletzungen des Mädchens oder der Tathergang, sondern Briefe, die die angeklagte Stiefmutter Katja B. vermeintlich in der Untersuchungshaft erhielt.

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Katja B. gab in einem Brief an ihre Mutter an, dieses und andere Schriftstücke in der Hallenser Justizvollzugsanstalt (JVA) bekommen zu haben. In einem Protokoll der JVA, das die postalischen Ein- und Ausgänge festhält, tauchen jedoch keine Briefe von Patrick F. auf. Daher ist fraglich, ob Patrick F. die Briefe wirklich geschrieben hat. Zwei dieser angeblich vom Kindsvater Patrick F. verfassten Briefe verlas der Vorsitzende Richter Ulrich Galler komplett. Der erste Brief beginnt mit den Worten: „Hallo Mäuschen, ich habe dich beim Jugendamt angeschwärzt.“ Patrick F. könne nicht zulassen, dass Katja B. sein Kind weiter großziehe. Darüber hinaus heißt es in einem Brief: „Ich habe oft Emily selber weh getan und geschüttelt, bis sie bewusstlos war“.

Auch soll Patrick F. sie in einem zweiten Brief bedroht haben. „Bald kann deine Familie ins Heim ziehen, denn ich werde euer Haus anzünden. Ihr sollt alle sterben“, verlas Richter Galler den handgeschriebenen Brief.

Ein weiteres Schriftstück soll von einer jungen Frau stammen, die in dem Prozess bereits als Zeugin vernommen wurde und Katja B. mit ihrer Aussage belastete. „Es tut mir leid, dass ich bei der Polizei eine Falschaussage gemacht habe. Patrick setzt immer alle unter Druck“, so der Wortlaut. Auch dieser Brief wird im JVA-protokoll nicht erwähnt. Um zu klären, ob Katja B. die Briefe selbst verfasst haben könnte, ist zum nächsten Verhandlungstermin am Donnerstag, 10. September, eine Schriftsachverständige geladen.

Dann werden auch die persönlichen Verhältnisse von Patrick F. besprochen. Der 30-Jährige, der einen gemeinsamen Sohn mit Katja B. hat, ist derzeit mit der Nebenklägerin liiert. Auch mit ihr hat er ein gemeinsames Kind, die Nebenklägerin hat insgesamt drei Kinder. Auch Emilys leibliche Mutter hatte bereits zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren, als sie Patrick F. kennenlernte. Dies berichtete gestern die als Zeugin geladene Bewährungshelferin des Beschuldigten.

Eine Urteilsverkündung wird für den 30. September erwartet.

Von Mike Höpfner

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