Stadtchefin weiß von neuem Eigentümer / Auch ein Verein könnte helfen

Deetz: Ein Wehrturm soll nicht untergehen

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Am einstigen Lokal gegenüber ist Wildwuchs entfernt. Was das bedeuten kann, bleibt noch offen.

Deetz – Am Fuße des Turmes klafft ein großes Loch, weiter oben ein kleineres. Bäume und Sträucher wuchern kreuz und quer, Efeu arbeitet sich das Mauerwerk hinauf. Die Natur erobert den spätmittelalterlichen Turm.

Dass dies einst so beliebte Ausflugsziel eine neue Blüte erlebt, darauf hoffen Bismarks Heimatfreunde.

Ein Verein, stark an Mitgliedern und Ideen, könnte die Deetzer Warthe aus dem Dornröschenschlaf holen. Ruth Rothe und Renate Pieper sehen den eigenen Heimatverein nicht noch in der Lage, für ein solches Projekt die Feder zu führen. „Es müsste vielleicht sogar eine regionale Initiative sein“, glaubt Vorsitzende Rothe im AZ-Gespräch. Lohnen könnte sich der Einsatz allemal.

Der Turm ist im Wesentlichen das, was von der Wehranlage nahe Deetz und Käthen noch übrig geblieben ist.

Die Geschichte der Wehranlage reicht mindestens bis ins Jahr 900 zurück. Zwischen Klinke und Badingen im Norden und bis Käthen im Süden wurde damals eine gut drei Kilometer lange Schanze aus meterhohen Wällen und Gräben errichtet. Die Stadt Stendal ließ 1409 den knapp zwölf Meter hohen Backsteinturm errichten, der sich dieser Tage wacker gegen den weiteren Zerfall stemmt. „Der Turm steht sehr wohl auf unserem Gebiet“, versichert Annegret Schwarz, Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Bismark, auf Nachfrage der AZ. Allerdings gehöre das Gelände offenbar seit einiger Zeit einer Privatperson. Ob damit auch der Turm selbst gemeint ist, dazu will sie sich weiter kundig machen.

Die Frage, inwieweit ein Verein die Warthe, die sich übrigens auch Warte und ohne h schreiben darf, erneuern und entwickeln helfen könnte, stellt sich damit wohl erst einmal nicht oder vielleicht auch nur anders. Christdemokratin Schwarz scheint jedenfalls durchaus an dem Standort interessiert. Die Einheitsgemeinde setzt verstärkt auf Fahrradtourismus. Was mit dem neuen Eigentümer möglich ist und was nicht, auch dazu möchte sie erst einmal in naher Zukunft das Gespräch suchen. Heimatfreundin Pieper war erst kürzlich am Landwehrturm. Ihr Eindruck: „Der Turm ist notdürftig gesichert.“ Alles andere sei fast völlig verfallen, auch die Reste eines Ausflugslokals dürften nur schwer bis gar nicht zu retten sein.

Der Einsatz für Geschichte und historische Bauwerke sei eine gesellschaftliche Aufgabe. Dass dies nach jeder Menge Pathos klingt, stört Rothe überhaupt nicht. So gebe es ihres Wissens nach nur noch eine einzige halbwegs erhaltene Windmühle in der Einheitsgemeinde Bismark. Sie stehe in Kremkau auf privatem Grund und Boden. Ein Mühlenverein könnte helfen, das technische Bauwerk auch für die Zukunft zu erhalten. Womöglich finden ja Einheimische und Geschichtsinteressierte von außen an einen Tisch. Rothe und Pieper würden auch eine solche Initiative jedenfalls durchaus begrüßen. Eine in Schuss gebrachte Windmühle, ein technisches Denkmal, wo auch immer sie künftig stehen würde, zöge sicherlich Besucher an.

VON MARCO HERTZFELD

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