„Viel darf nicht mehr passieren“

Coronakrise: Chinesisches Paar bereitet Restaurant in Döllnitz auf Neustart vor

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Er will bald wieder so richtig loslegen: Xiao Dong Wu lässt das Gemüse in der Pfanne tanzen. Ehefrau Xue Mei steht vor einer Kühltruhe und schaut zu. Ihr Mann sei der Koch in Haus und Restaurant, meint sie und lächelt.

Döllnitz – „Wir wollen in der Altmark bleiben“, sagt Xue Mei Wu. Ihr Ehemann Xiao Dong einen Tisch weiter nickt. Die vergangenen zwei Monate seien für die Familie schwierig gewesen, ihr China-Restaurant in Döllnitz ist dicht.

Keine Gäste, keine Einnahmen, keine Arbeit, keine Erfüllung in der Arbeit.

„Viel darf nicht mehr passieren“, bringt es die Mittvierzigerin auf den Punkt. Dass Gaststätten in Sachsen-Anhalt nach der Corona-Zwangspause nun am 18.  Mai wieder öffnen können, hören beide gern. Offene Fragen gebe es aber noch jede Menge. Der Ofen wird probehalber schon einmal höher geschaltet.

Bestellungen und Essen außer Haus seien ja bereits möglich. Bald sollen die Gäste auch wieder richtig im „Birnengarten“ Platz nehmen können, natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. „Wir überlegen schon hin und her, messen die Abstände, besorgen zusätzliches Putzmittel.“ Der Asiatin kommt die deutsche Sprache nicht so leicht über die Lippen, eine Freundin aus Stendal hilft im Gespräch mit der AZ. Büfettessen, für welches das Paar in der Bismarker Gegend bekannt ist, dürfte auch in naher Zukunft noch tabu bleiben. Seit gut drei Jahren gehört die Gaststätte der Familie Wu.

Sie fühlten sich nach wie vor recht wohl in Döllnitz, beteuert die Frau des Hauses. Dass ihre Kinder mehrmals auf dem Schulweg in Stendal Beschimpfungen von wildfremden Menschen ertragen mussten, sei verziehen, vergessen aber nicht. Und überhaupt: Die halbe Welt scheine ein ganzes Volk für Corona und die Pandemie verantwortlich machen zu wollen, klagte die Mutter schon Mitte März gegenüber dieser Zeitung. Doch Schwamm drüber. Vater, Lokalbesitzer und Koch Wu hat sich bei der Gartenarbeit daheim den Fuß verknackst, auch das noch. Er will und muss die Zähne zusammenbeißen. Die Familie möchte den Neustart unbedingt hinbekommen.

VON MARCO HERTZFELD 

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