Werner Wegener aus Kanada und Karl Morysse zu Gast in Arensberg / Mit Kutschen nach Könnigde

Ein Captain bei der Kavallerie

Arensberg. „Der Empfang durch die Familie war überwältigend und was ich hier erlebte, war unglaublich. “ Captain Werner H. Wegener lässt in Arensberg die vergangenen drei Tage Revue passieren.

Der pensionierte Kavallerieoffizier eines kanadischen Garderegiments war seit Donnerstagabend beim Verein „Preußische Kavallerie-Regimenter“ zu Gast und erfreute sich insbesondere bei Familie Gille in Arensberg einer ausgezeichneten Gastfreundschaft. Gestern stand die Abreise bevor, allerdings nicht gleich zurück nach Kanada, sondern noch zu Freunden und Verwandten in Hamburg und Sachsen. Schließlich ist Wegener geborener Deutscher, der, in Altona zur Welt gekommen, als 16-Jähriger in russische Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg geriet und schließlich 1965 mitsamt Familie nach Nordamerika auswanderte. Seine Tochter und sein Bruder haben den 82-Jährigen auf das Wirken der Preußischen Kavallerie in Arensberg aufmerksam gemacht, sodass im März dieses Jahres ein erster schriftlicher Kontakt mit dem Vereinsvorsitzende Klaus Wilhelm Gille zustande kam (AZ berichtete). Vor 14 Tagen nun meldete sich Wegener zum Besuch an, berichtet Gille. Karl Morysse, der in der Nähe von Lüneburg lebt, schloss sich dem Treffen an, beide Männer sind seit längerem miteinander bekannt.

Bei der Ankunft begrüßten den Captain zuerst die Flaggen von Kanada, dem Königreich Preußen und dem Kaiserreich. „Er sagte, er sei doch nicht die Queen, als er die Fahnen wehen sah“, blickt Gille zurück. Schließlich habe Wegener diese bei der Parlamentseröffnung in Kanada hoch zu Ross schon eskortiert. Der Arensberger Verein wollte seinen Gästen „richtig schöne Tage bereiten“. Und so wurde die Umgebung am Sonnabend mit einer Kutsche erkundet. In Begleitung der uniformierten Vereinsmitglieder führte die Reise von Arensberg nach Könnigde. Dort habe man die Gruft des Generals Hennigs von Treffenfeld besichtigt sowie die Bleiglasfenster in der Könnigder Kirche. In der Treffenfeldscheune kosteten Wegener und Morysse schließlich das Bier „Schwarzer Reiter“. „Es ist ein landschaftlicher Genuss“, fasst der Captain seinen Eindruck der Umgebung zusammen. Höhepunkt des Tages aber waren die Reitervorführungen des Vereins, bei denen die beiden Verfechter preußischer Traditionen als Ehrengäste zuschauen durften. Quadrille und Lanzenattacke wurden mit explodierenden Propangas-Luftballons in der Dunkelheit zum einmaligen Erlebnis. Der Bismarker Reitertag am Sonntag war ebenfalls Bestandteil des Programms und Wegener, selbst Wettkampfrichter, zeigte sich beeindruckt von der guten Organisation. Dass Vereinsmitglieder bei den Prüfungen drei Siege, einen dritten und einen sechsten Platz nach Hause brachten, krönte den Tag, der mit der Besichtigung der Altstädte von Stendal und Tangermünde abgerundet wurde. „In Stendal hat sich in den vergangenen 20 Jahren sehr viel getan“, freut sich Wegener, der die Hansestadt noch zu DDR-Zeiten besuchte.

Gestern hieß es dann Abschied nehmen, doch der Verein hat sich noch ein besonderes Geschenk für den Besucher aus Kanada ausgedacht. Hans Ulrich Brückner überreicht Wegener einen Gehstock, dessen Griff die Form eines Pferdekopfes hat und im Inneren Platz für eine alkoholische Verdauungshilfe bietet. „Ich würde gern wiederkommen“, sagte Wegener zum Abschied , doch ob seines Alters müsse das immer genau geplant werden. Und auch der 89-jährige Morysse versprach ein Wiedersehen.

Von Bianca Lange

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