Schwarz sieht keine Denunzianten

Bürger sollen illegale Halden melden: Bismark nimmt Abfallsünder ins Visier

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Seinen privaten Müll hat jemand Anfang April an eine Bank auf dem Kolk-Gelände stehen lassen, nur ein Beispiel. Immer wieder landet Abfall auch im See.

Bismark – „Geht das jetzt auch bei uns los? So eine Sauerei“, schimpft Annegret Schwarz. Doch wenn sie es sich recht überlege, seien wilde Müllkippen kein wirklich neues Problem. „Wir haben schon länger damit zu kämpfen. Und es wird eher größer als kleiner."

Dass Menschen ihren Müll einfach in den Wald schmeißen oder sogar in größeren Mengen in den Straßengraben, dafür hat Bismarks Bürgermeisterin kein Verständnis.

Annegret Schwarz, Bürgermeisterin.

„Wer etwas beobachtet hat oder weiß, soll sich bei uns melden, wir leiten den Fall dann an den Landkreis weiter“, kündigt die Christdemokratin eine Offensive gegen die Umweltsünder an. „Mit Denunziantentum hat das bitte schön nichts zu tun, wir wollen einfach Sauberkeit haben. “.

Das Ordnungsamt schaue genau hin, eine schnelle Eingreiftruppe oder gar ein eigenes Budget gegen Müllbanausen habe die Einheitsgemeinde, die aus 39 Ortschaften und Ortsteilen besteht, nicht. „Selbstverständlich packen auch unsere Gemeindearbeiter mit an, doch sie sind schon jetzt eigentlich mit anderen Aufgaben völlig ausgelastet.“

Illegal entsorgten Müll aus der Landschaft zu räumen, koste Geld. Immer wieder müssten Landkreis und ALS-Dienstleitungsgesellschaft ihre Leute in die Spur schicken. „Und das bezahlen letztendlich wir alle über die Müllgebühren“, sagt das Stadtoberhaupt im Gespräch mit der AZ. Dass es das Müllproblem auch anderswo in der Altmark gebe, entschuldige nichts.

Um wie viel Tonnen Abfall es allein in der Einheitsgemeinde geht und wie hoch die Ausgaben für die Entsorgung sind, kann Schwarz auf die Schnelle nicht sagen. „Unerheblich ist das Ganze jedenfalls nicht“, glaubt sie. Bequemlichkeit, Unvermögen, Provokation oder eine Mischung aus allem? Über die genauen Beweggründe, Müll in Wald und Flur zu schmeißen, will die CDU-Frau nicht groß spekulieren. „Das macht man nicht und basta. Wer erwischt wird, zahlt eine empfindliche Strafe“, meint sie. Und überhaupt: Es gebe ja nicht allein die Mülltonnen vor dem Haus, sondern auch gleich mehrere Annahmestellen für verschiedensten Abfall im Landkreis Stendal. „Die Angebote reichen völlig aus.“

Dass es eine Art Gegenbewegung in der Einheitsgemeinde gebe, mache sie glücklich. „Wir hatten in den vergangenen Wochen einige Sammelaktionen, die Bürger räumen selbst mit auf und befreien ihr Umfeld von Unrat.“ Schwarz sieht ein Stück weit den Subbotnik-Gedanken aus DDR-Zeiten neu belebt, ohne den ideologischen Beigeschmack.

Wenn es um Schwerpunkte illegaler Müllentsorgung geht, zeigt sich die Bürgermeisterin zurückhaltend. „Sorgen haben wir eigentlich fast überall, ich will da niemanden in den Brennpunkt rücken. Parkplätze, Flächen an Straßen und das Gelände um den Kolk fallen sicherlich immer wieder besonders auf. Gerade auch in der Mildeniederung gibt es immer wieder Fälle.“

VON MARCO HERTZFELD  

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