Wie die Goldene Laus zu ihrem Namen kam / Ortsbürgermeisterin Ruth Rothe und Irmgard Pantel planen Kräutergarten

Bismarks Wahrzeichen: Ein Teufelswerk

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Der Teufel hat im Turm auch seinen Platz gefunden.

Bismark. Die Goldene Laus wird heute gerne als Wahrzeichen Bismarks bezeichnet. Interessierte aus nah und fern –ganz besonders bei gutem Wetter – wollen sich gerne den alten Steinturm von innen anschauen. Fasziniert hat das Bauwerk die Menschen schon im 12. Jahrhundert.

Der Sage nach ist die Goldene Laus, das Wahrzeichen Bismarks, Teufelswerk.

Damals, erzählt Bismarks Ortsbürgermeisterin Ruth Rothe, war die Goldene Laus eine Wallfahrtskirche und trug den Namen „Maria Himmelskönigin“. Die Menschen haben damals an außergewöhnliche Phänomene geglaubt und so erzählte man sich, dass ein brennendes Kreuz – heute würde man eher von einem Blitz sprechen, so Rothe – vom Himmel gefallen sei und man habe diese Stelle für göttlich erklärt. Die Menschen pilgerten in die Kirche, um für ihr Wohl und Ähnliches zu beten.

Einer Urkunde (die befindet sich in Magdeburg) zu entnehmen wurde Bismark im Jahre 1209 erstmals als Ort erwähnt und trug den Namen „biscopesmarce“, was übersetzt heißen soll ‘Der Ort der Bischöfe’. „Man nimmt an, dass sich die Bischöfe von Brandenburg, Haldensleben und anderen Städten hier in der Nähe getroffen haben“, erklärt Ruth Rothe. Nachweisen könne man das allerdings nicht, denn bei den zwei großen Stadtbränden in Bismark 1676 und 1803 seien viele historische Dokumente vernichtet worden. Ein Hauptort war Bismark jedoch nie, meint die Ortsbürgermeisterin. Deshalb habe Bismark nie eine feste Burg besessen, sonder eine aus Holz, in der der Verwalter des Ortes gewohnt hatte.

Die einstige Wallfahrtskirche wurde schließlich entweiht, weil sich ein Mord in der Nähe ereignet hatte. „Alle Kirchen hatten damals einen Bannkreis. Passierte im Umkreis von fünf Kilometern ein Verbrechen, verlor die Kirche ihre Heiligkeit“, erklärt Rothe. Das war schließlich das Aus der Wallfahrtskirche. Mit den Jahren wurde das Gebäude vernachlässigt. Auch die Schrift am Eingangstor auf der in goldenen Lettern auf Latein „Laudeo“ (Lobet Gott) stand, bröckelte. Irgendwann soll dann nur noch „Laus“ dort gestanden haben. Und so kam die Goldene Laus zu ihrem Namen. Glaubt man allerdings einer Sage, ist die Laus ganz anders zu ihrem Namen gekommen. Nämlich so:

Ein wohlhabender Handwerksmeister hat sich bereit erklärt, dort wo das brennende Kreuz gefallen ist, eine Kirche zu erbauen. Das Geld reichte jedoch nicht aus und so schloss er einen Pakt mit dem Teufel. Der Handwerker versprach dem Teufel ihm seine Seele zu überlassen, wenn er im Gegenzug Gold bekommen würde, um die Kirche zu errichten. Der Teufel ließ sich darauf ein.

Die goldene Laus sitzt immer noch im Turm.

Die Kirche konnte gebaut werden. Kurz bevor sie fertig wurde, erkrankte der Handwerkermeister und am Ende seines Bettes wartete schon der Teufel sehnsüchtig auf die Seele des kranken Mannes. Die Bismarker beteten für ihn und so kam es, dass der Teufel keine Gewalt mehr über ihn hatte. Wütend, dass er nicht an die Seele des Mannes herankam, verfluchte er die Kirche. Er nahm das letzte Klümpchen Gold, formte daraus eine Laus und sagte: „Sie soll hier drin sitzen und euch daran erinnern, dass das hier Teufelswerk ist“ und warf die Laus in den Turm. Dort saß sie Jahrhunderte lang angekettet und konnte nicht fliehen. Immer wenn sie Hunger hatte, zog sie an den Ketten, die fürchterlichen Lärm machten. Mit einem Liter Wein und einem Kilogramm Rindfleisch konnte man sie schließlich besänftigen.

Wer nun welcher Geschichte glauben will, ist jedem selber überlassen. Ob so oder so – die Goldenen Laus ist mit den Jahren Bismarks Wahrzeichen geworden. Deshalb ist man bemüht dieses auch zu erhalten. Gegenüber der einstigen Wallfahrtskirche soll auch schon bald ein Kräutergarten errichtet werden, wie Bismarks Ortsbürgermeisterin stolz berichtet. Sie und Heimatvereinsmitglied Irmgard Pantel sind dabei ein Konzept zu entwerfen. Man darf schon jetzt gespannt sein, wie der fertige Kräutergarten bald aussehen wird.

Interessenten, die die Goldene Laus mit Führung besichtigen wollen, können sich bei Ruth Rothe unter der Telefonnummer (03 90 89) 40 6 63 melden oder bei Heinz-Werner Pfister unter der Telefonnummer (03 90 89) 21 94.

Von Marilena Berlan

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