Johannes Petereit seit einem Jahr auf Achse / Neuer Anlauf in Berkau

Bismarks Streetworker: „Bisschen kaputte Welt doch überall“

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Streetworker Johannes Petereit verstaut die Spiele und Sportgeräte neu. Dann geht es zum Einsatz.

Bismark – „Es gibt Probleme natürlich, sonst würde es Leute wie mich nicht geben müssen“, sagt Johannes Petereit. Kinder säßen viel zu lange vor Computer und Fernseher, einige seien auch dadurch übergewichtig.

Jugendliche suchten mitunter Krawall, griffen zur Flasche oder anderen Drogen, verlören sich in irgendwelchen politischen Heilslehren.

Der Streetworker ist seit genau einem Jahr in der Einheitsgemeinde Bismark unterwegs. Die Sorgen und Nöte seien in den Orten unterschiedlich groß. Dass der ländliche Raum ein Paradies für die Jugend ist, daran hat der 25-Jährige nie geglaubt. „Ein bisschen kaputte Welt gibt es doch überall.“

Träger der mobilen Kinder- und Jugendarbeit in dem Gebiet ist der Verein für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe. Dieser Name muss keinen erschrecken, der Verein ist breit aufgestellt. Der gelernte Erzieher holt aus seinem Auto Gesellschaftsspiele und Sportgeräte.

Sieben Orte fährt er regelmäßig an: Späningen, Grävenitz, Berkau, Steinfeld, Schorstedt, Kläden und Bismark. Seine Bilanz: Der Bedarf ist da, die Altmark alles andere als ein Rentnerklub. „Es sind mindestens 60 Kinder, welche die Angebote nutzen.“ Tendenz steigend. Denn: „Junge Leute werden hier auch los, was sie vielleicht daheim nicht erzählen können.“

Was Petereit leisten kann und soll, spricht sich herum. Daran glaubt auch er selbst ganz fest. Überzeugungsarbeit müsse noch in Berkau geleistet werden. Dort sei die Resonanz fast null. „Dabei leben doch auch dort junge Familien.“

Ein gutes Dutzend Kinder könnte gemeinsam Freizeit verbringen. Am Dienstag gibt es die nächste Gelegenheit dafür, zwischen 16.30 und 18.30 Uhr. Tischtennis, Fußball, Basteln, Kegeln... „Die Möglichkeiten sind gerade in Berkau so vielfältig. Es wäre schade, wenn ich mir doch noch einen anderen Ort suchen müsste.“ Wer Lust und Laune hat, soll einfach vorbeischauen.

Der Tangermünder ist quasi jeden Tag auf Achse. Die Arbeit mache Spaß und erfülle ihn. Die Aufgabe ist befristet, gerne würde er sie über den 31. Dezember 2019 hinaus erfüllen. „Ich erreiche bislang vor allem die Zehn- bis 16-Jährigen.“ Ältere Jugendliche oder gar junge Heranwachsende suchten sich oftmals noch andere Formen. Petereits Schützlinge nutzen nicht zuletzt Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäuser, vieles, was ausreichend Platz bietet. Der Streetworker hofft noch auf ein wenig personelle Unterstützung durch den Kreis-Kinder- und Jugendring Stendal. „Mit ihm arbeiten wir ja auch schon zusammen.“

Um die 5500 Euro könne er momentan für das Jahr ausgeben. Anträge schreiben gehöre zum Job dazu. Das Geld komme von der Einheitsgemeinde und dem Jugendamt des Landkreises. Getränke und Essen müssten die Mädchen und Jungen natürlich immer aus eigener Tasche bezahlen.

„Wir haben auch schon einiges zusätzlich unternommen, beispielsweise Eislaufen in Stendal, gemeinsames Baden im Sommer, Wandertage“, berichtet Petereit der AZ. Er rückt seine Kisten mit Spielgeräten im Auto schnell noch einmal zurecht und macht sich auf zum nächsten Einsatzort in Bismark und Umgebung.

VON MARCO HERTZFELD

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