Genossin lässt Bismarck links liegen

Bismarks Ortschefin plant bei neuem Schützenplatz eher ohne Gedenkstein

+
Das Gelände ist recht weitläufig, an einigen Stellen herrscht Wildwuchs. Hinter dem Bismarck-Stein ist das Jugendzentrum an der Straße der Einheit zu erkennen.

Bismark – „Auf der einen Seite befindet sich der Kindergarten, auf der anderen das Jugendzentrum. Dahinter erstreckt sich eine recht große Fläche. Irgendwo weiter hinten soll sich noch ein kleiner Teich befinden."

Ruth Rothe geht den Schützenplatz in Bismark weiter in Gedanken ab. Den Bismarck-Stein lässt sie mehr oder weniger links liegen.

Die Ortsbürgermeisterin möchte den gesamten Bereich gern belebt und neu gestaltet sehen. „Der Stein ist für uns nicht vordergründig“, sagt sie. Auch sei er ja im eigentlichen Sinne kein Denkmal, sondern mehr ein Zeichen seiner Zeit. Erinnerungsformen wie diese habe es einst viele gegeben.

Warum der Schützenplatz genau so und nicht anders heißt, selbst auf den zweiten Blick dürfte sich das nicht jedem erschließen. Schützenvereine mögen dort vielleicht gern Aufstellung nehmen, ansonsten ist der Platz vor allem eines, eine große Wiese. Was genau aus der Fläche einmal werden könnte, dazu lässt sich die Linke noch nicht in die Karten schauen. Immer wieder einmal fragten Bürger nach möglichen Plänen, auch im Ortschaftsrat sei der Schützenplatz schon Thema gewesen. „Doch ehrlich gesagt, stehen wir noch mehr oder weniger am Anfang. Natürlich ist das Ganze auch eine Kostenfrage.“

Ziemlich in der Mitte der Senke thront der Bismarck-Stein, der, wie berichtet, einen ziemlich ungewollten und vergessenen Eindruck macht. Das Ensemble, vermutlich 1910 eingeweiht, muss einmal recht martialisch ausgesehen haben. Granathülsen oder Formen davon sollen ins Bismarck-Museum gebracht worden sein. Kanonen, in welcher Ausführung auch immer, sollen auch einst dazugehört haben und könnten sich ebenfalls im Geburtsort des Reichskanzlers Otto von Bismarck befinden, vermutet Rothe. Dem Erinnerungsstein fehlen Medaillon und Schrifttafel, vom Eisernen Kreuz gibt es allenfalls spärliche Reste.

Ob der Stein am besten ganz vergessen oder sogar abgeräumt werden sollte, will und kann die Ortsbürgermeisterin nicht sagen. „Wir wollen und sollten diesen Platz insgesamt entwickeln“, betont die 69-Jährige noch einmal. Ohne die Einheitsgemeinde geht nicht viel. Das weiß die Genossin. Das Gelände in der Kernstadt und so nah am Jugendzentrum habe Potenzial. „Daraus ließe sich schon etwas machen.“ Rothe will sich mit anderen an einen Tisch setzen, ähnlich hatte sich kürzlich schon Annegret Schwarz (CDU), die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Bismark, gegenüber der AZ geäußert.

So oder so, das Jahr könnte richtig spannend werden, meint Rothe noch. Inwieweit der Name der Familie derer von Bismarck doch alles oder zumindest mehr mit dem Ort Bismark zu tun hat als zuletzt gedacht, dazu könnten schon bald neue Erkenntnisse vorliegen. Die Kommunalpolitikerin will auch auf Nachfragen nichts weiter verraten und gibt sich recht geheimnisvoll. Nur noch so viel: „Früher war es gar nicht so selten, dass die Familie nach dem Ort hieß, aus dem sie ursprünglich kam.“ Nicht zuletzt der Heimatverein, in dem Rothe den Hut aufhat, scheint jedenfalls weiter nachforschen zu wollen.

Der Verein würde sich übrigens nach wie vor über Unterstützung freuen. Rothe setzt gerade auf junge Leute und Menschen, die wie selbstverständlich mit einem Computer und den sozialen Medien umgehen können. In der Stadtgeschichte gebe es noch zahlreiche Fragezeichen und ungeschriebene Kapitel. Durch einen mittelalterlichen Brand ging vieles verloren. Archive und andere Einrichtungen außerhalb müssten besucht werden. Und ja, insbesondere die Frage nach dem Verhältnis von Bismark und Bismarck sei womöglich komplex genug für eine akademische Hausarbeit oder gar Promotion.

VON MARCO HERTZFELD  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare