„Kommt auch der Tierwelt zugute“

Bismarks Fontäne im Kolk arbeitet bereits: Stadt kennt kein Fischsterben

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Aus dieser Perspektive muss man genau hinschauen, um die Fontäne auf dem Wasser zu sehen.

Bismark – Das Gerät scheint auf der Oberfläche des Kolks zu schweben und zieht die Blicke der Badegäste auf sich. Es erinnert an eine Fontäne im Park oder einen Springbrunnen. Es ist auch nicht sonderlich groß, hat aber eine feste Aufgabe.

„Es handelt sich um eine Wasserumwälzung mittels Elektro-Schmutzwasserpumpe“, erklärt Marco Henschel, der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes, auf Anfrage der AZ.

Was die Bismarker in diesem Jahr für 1.800 Euro angeschafft haben, soll auch in Stendal her, so ähnlich jedenfalls und mindestens eine Nummer größer. Im Stadtsee der Kreisstadt sterben massenhaft Fische.

Beide Gewässer sind recht unterschiedlich, der Kolk soll es Angaben des Landkreises zufolge an manchen Stellen auf bis zu elf Meter Tiefe bringen. Wobei selbst sein Pegel seit einiger Zeit niedriger als üblich ist. Die trockene Witterung seit mindestens zwei Jahren mache sich eben mehr und mehr bemerkbar, hatte Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) schon im April gemutmaßt. Zudem seien im Sommer 2018 erhebliche Mengen Wasser gebraucht worden, um einen Waldbrand ganz in der Nähe unter Kontrolle bringen zu können. Das habe der See, der nicht zuletzt vom Grundwasser lebt, nicht vergessen.

Ausreichend Grundwasser kann sich nur bilden, wenn es auch regelmäßig und ausgiebig regnet. „Der Pegel des Kolks ist weiterhin auf einem niedrigen Stand. Eine Regulierung wird von ausreichend Niederschlag abhängen“, informiert Henschel. Zusätzliches Wasser aus einem Brunnen der näheren Umgebung in die natürliche Vertiefung zu pumpen oder irgendeine andere größere technische Lösung zu finden, davon scheint zumindest momentan nicht mehr die Rede zu sein. Der Kolk ist beides, Angelgewässer und Naturbad. Die Schwimmsaison in der Kernstadt der Einheitsgemeinde endet am Sonntag.

Die Saison im kommunalen Bad am Kolk geht diese Woche zu Ende. 

„Es ist uns wichtig, die Wasserqualität des Kolks positiv zu beeinflussen“, betont der Amtschef. Das erfolge auch durch die kleine Fontäne. „Dies kommt natürlich auch der Pflanzen- und Tierwelt zugute, trägt aber letztlich auch dazu bei, die Badewasserqualität und somit die Badesaison zu sichern.“ Bis einschließlich Dienstag sind für den Kolk 5.906 Gäste gezählt worden und für das Waldbad in Möllenbeck, die zweite Freizeitstätte dieser Art in der Einheitsgemeinde, 7.878 Besucher. Eine wahrscheinlich eher durchschnittliche Badesaison. Auch in Möllenbeck schließt sich das Eingangstor für 2019 am 1. September.

Die Fontäne im Kolk könnte über dieses Datum hinaus arbeiten und das Wasser mit Sauerstoff anreichern. Ein regelrechtes Fischsterben habe es seiner Kenntnis nach im Kolk noch nicht gegeben, geschweige denn eines im Stendaler Ausmaß, meint Henschel. Mindestens eineinhalb Tonnen toter Fisch mussten dort eingesammelt und entsorgt werden (die AZ berichtete). Auch von einer mehr oder weniger bedrohlichen Schlammschicht dürfte der Bismarker Kolk verschont sein. „Die Gewässer sind auch nicht vergleichbar. Nach meinem Kenntnisstand ist der Stadtsee in der Fläche ziemlich flach, was sicher entsprechende Auswirkungen hat.“

Der künstlich angelegte und größere Stadtsee ist 1935 eingeweiht worden. Durch Schmutz, Laub und natürliche Alterungsvorgänge verschlammt er. 2002 und 2003 wurde das Angelgewässer mit einem Saugspülbagger von Sedimenten befreit. Dennoch: An etlichen Stellen ist es schon immer kaum einen Meter tief. In den Jahren davor habe es immer wieder einmal kleinere bis mittlere Fischsterben gegeben, berichtete ein Stendaler Stadtsprecher der AZ schon 2017. Im aktuellen Fall suchen Politik und Verwaltung noch immer nach einer Lösung für die Zukunft. Eine große Wasserfontäne könnte dazu gehören.

Der Kolk ist anders aufgebaut und geht vergleichsweise sicher in den Herbst. „Dass die Witterung negative Auswirkungen auf Algenwachstum und Sauerstoffgehalt hat, ist sicher jedem bewusst. Wie groß die Gefahr eines Fischsterbens derzeit ist, kann von der Verwaltung jedoch nicht eingeschätzt werden.“ Henschel und Kollegen zeigen sich jedenfalls mit den Möglichkeiten, die sie haben, gewappnet. Und auf die Wasserqualität zur Badesaison haben regelmäßig Landkreis und Land ein Auge.

VON MARCO HERTZFELD

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