„Nur wer Märchenaugen hat“

Bismarkerin Astrid Lerchl arbeitet am ersten eigenen Gedichtband

+
Astrid Lerchl schreibt leidenschaftlich gern. Ihr zweites Hobby ist die Malerei. Ehemann Kurt greift selbst regelmäßig zum Pinsel, hier setzt er für das Foto nur kurz an. Dieses Werk gehört ihr und ist noch unvollendet.

Bismark – „Gedanken sind flüchtig und frei. Gar nicht so selten treffen sie einen nachts und ich muss aufstehen, um sie festzuhalten. “ Was Astrid Lerchl an Gedichten besonders wertvoll erscheint, landet in einem Notizbuch, das etwas größer ist als eine Hand.

Die 69-Jährige klappt es auf, blättert und liest: „Die Welt, die ist ein Zauberland, nicht jeder kann es sehn. Nur wer Märchenaugen hat, der kann mich verstehn . . . “

Noch in diesem Jahr soll ihr erstes eigenes Buch erscheinen. Ihr Ehemann Kurt, das Ergebnis einer Nachwende-Romanze, wie er selbst schmunzelnd sagt, hat schon einen Teil der Texte mit dem Computer erfasst.

„Das Buch wird Gedichte und eine Kurzgeschichte enthalten“, erläutert die Bismarkerin der AZ, während zwei ihrer fünf Katzen Fangen spielen. Auch all ihren Samtpfoten hat sie einen Mehrzeiler gewidmet. „Ich spreche katzanisch. Wir wissen, wie’s geht, dass man sich auch ohne Worte versteht ...“ Wie viele Gedichte genau es am Ende werden, wisse sie nicht. Dass es bei einer einzigen Geschichte bleibe, schon. In dieser geht es um eine Fahrt mit Hindernissen zum Konzert von Karat. „Wir hatten eine Autopanne. Uns wurde geholfen, an diesem Tag nicht nur einmal. Es hat viele rührende Begegnungen gegeben.“

Mehr als 30 Jahre lang war die gebürtige Tangerhütterin mit Herbert Dreilich, dem Bandleader, befreundet. „Die Texte, die Musik, der Mensch, alles war und ist für mich wichtig.“ Als Dreilich 2004 stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. Seinen Sohn Claudius, der das Mikrofon übernommen hat, steht dann zehn Jahre später auf der Bühne in Magdeburg. „Gänsehaut pur.“ In der Tasche hat die gelernte Damenmaßschneiderin einen Zeitungsartikel, der von ihrer Freundschaft zur Familie erzählt. „Wir durften in den VIP-Bereich und mein Kurt war wegen seines Zopfes sowieso gleich gut aufgenommen, Künstler eben.“

Der 75-Jährige hat feuchte Augen. Er stammt aus Hessen, hat die halbe Welt gesehen und lebte viele Jahre in den Niederlanden. Irgendwann verschlug es ihn in die Region. Seine Brötchen verdiente er sich als Kaufmann, er hatte auch eine Baufirma, später ein kleines Möbelgeschäft. „Sie fragte am Telefon nach einem alten Schrank. Ich sagte ihr, es gebe einen alten Mann, den sie haben könne“, erinnert er sich und lacht. Sie fanden zueinander, keine 20 Jahre ist das her, in einen Künstlerhaushalt. Er malt, abstrakt, und hat ein Händchen für Kunsthandwerk, vor allem aus Holz. „Und ein Lebenskünstler bin ich auch.“

Neben dem Schreiben ist das Malen ihre zweite Leidenschaft. „Ich bin eine Hobbymalerin, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Früher habe sie fast ausschließlich gezeichnet, nach einem Schlaganfall vor einigen Jahren musste mehr Farbe in ihr Leben, auch eine Art Neuanfang. Sie malt in Acryl und Öl, vornehmlich fotorealistisch, das heißt, eine Fotografie dient als Vorlage. „Als junger Mensch zu DDR-Zeiten habe ich einen Zeichenzirkel besucht, viele Jahre später kurz einen Malkurs beim Tangermünder Georg Leonhardt.“ Vieles habe sie sich auch mit den Jahren allein im Selbststudium beigebracht.

Werke der beiden sind momentan in einer leeren Ladenzeile an der Breiten Straße in Bismark zu sehen. Eine weitere Farbkünstlerin und sie stellen zudem Arbeiten im örtlichen Altenpflegeheim aus, wie die AZ bereits berichtete. Die Freude auf das erste eigene Buch sei momentan am größten. Einige Mehrzeiler sind bereits in Autorensammlungen vertreten, auch dem Bismarker Amtsblatt liefert sie immer wieder einmal Gedichte. „Ich liebe diese besondere Sprache, habe Hochachtung vor Rilke und Hesse, das ist einfach meine kleine kunstvolle Welt.“ Ihr Buch möchte die Altmärkerin auch selbst illustrieren. Malen und Schreiben vereint.

VON MARCO HERTZFELD  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare