„Laufen den Schäden hinterher“

Bismarker Waldbesitzer hart getroffen

Die Forstexperten stehen in einem Wald.
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Die drei Forstexperten Ralf-Egbert Bauditz (l.), Ingo Matthias und Katja Döge zeigen den besorgniserregenden Zustand des Forstes anhand eines Waldstücks nordöstlich von Kläden.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Das Problem mit dem schlechten Zustand der Wälder auf Landes- und Bundesebene zeichnet sich auch in der Einheitsgemeinde Bismark ab. Allerdings gibt es dort noch einen erschwerenden Faktor: „Das ist alles Privatwald, nicht staatlich“, erklärt Katja Döge.

Bismark/Kläden - Die Forstamtsleiterin der Nordöstlichen Altmark, die auch mit für das Bismarker Gebiet zuständig ist, setzte sich mit Ingo Matthias, Revierförster in Stendal, und Ralf-Egbert Bauditz von der Forstbetriebsgemeinschaft Bismark-Kläden zusammen, um der AZ von den Schwierigkeiten zu berichten, denen Waldbesitzer aktuell gegenüberstehen.

Seit den drei großen Herbststürmen 2017 gebe es keine reguläre forstliche Bewirtschaftung mehr im Bismarker Raum, erklärt Döge. „Wir laufen den Schäden hinterher.“ Seitdem könne nur sogenanntes Schadholz aufgearbeitet werden. Erschwerend zu den Stürmen kämen Hitze und Befall durch Krankheit, Insekten und Pilze in den vergangenen Jahren hinzu. „2020 hatte von 10 876 Festmetern Holzernte 10 006 Festmeter Schäden. Das ist nur noch marginal gesundes Holz“, berichtet Döge. Dementsprechend habe der Verkauf aus dem Bismarker Raum zu fast 100 Prozent aus Schadholz bestanden. Bauditz begründet das auch mit den aktuellen Marktpreisen. „Der Holzpreis war schlecht. Da wäre frisches Holz verschenkt. Ich ernte nur das, was ich auch verkauft kriege.“ Viele der Bismarker Waldbesitzer würden diesem Beispiel folgen.

Laut Bauditz ist etwa 80 bis 90 Prozent des Forstes in der Einheitsgemeinde Teil seiner Gemeinschaft. Mit etwa 650 Waldbesitzern umfasst dies eine Fläche von 3700 Hektar. Die Fläche sei entsprechend klein strukturiert. So besitzen manche Mitglieder gerade einmal drei Hektar Wald. „Dann ist kein Geld da, um wieder die Aufforstung zu machen“, sagt Bauditz.

Das Aufforsten eines geschädigten Waldstücks ist aufwendig und teuer.

Nach Waldbränden, Stürmen und geschädigtem Holz könnten die Besitzer von dem Verkaufspreis eine Aufforstung nicht mehr selbst bezahlen. Die Forstbetriebsgemeinschaft hilft und unterstützt, so gut sie kann. Aber oft würden die beantragten Fördergelder nicht für die Aufforstung der gesamten Fläche reichen, wie Matthias erklärt. Stattdessen setzten die Beteiligten bei einzelnen Flächen auf Naturverjüngung, also die natürliche Waldentwicklung und Nachwachsen von Bäumen.

„Mal klappt das mit der Naturverjüngung, je nach Standort“, erläutert Matthias. Eine natürliche Sukzession, also die Rückkehr der heimischen Pflanzen, sei auch auf einer Kleinfläche möglich. Auf einem Hektar Land könnten zwischen 8000 und 10 000 Bäume stehen, abhängig von der Sorte. Neben verschiedensten Steuern lasten auch die weiteren Kosten für das erneute Aufforsten auf den Waldbesitzern in Bismark und darüber hinaus. Es brauche etwa fünf Jahre bis ein Setzling ohne Pflege stehen könne. Die Pflege und das Mähen der Fläche zum Schutz der jungen Bäume koste auch viel Geld.

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