Erbauer erhielten Bild als Anerkennung

Bismark: „Goldene Laus“ als Belohnung für Eigenheimbau in der DDR

Ein DDR-Haus der Marke Einfamilienwohnung 58 (EW 58) steht an einer Straße. Die Niederlande bauen solche Häuser nun neu.
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Typenprojekte wie hier die Einfamilienwohnung 58 vereinheitlichten selbst den Eigenheimbau in der DDR. Auch heute sind sie noch leicht am einfachen Schnitt erkennbar.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Erst im Gespräch mit jüngeren Personen wird mir so klar, dass das inzwischen ja Geschichte ist“, sagt Verena Schlüsselburg der AZ. 

Bismark - Jüngere Generationen, die erst nach der Wende geboren sind, hätten einen ganz anderen Blick auf die DDR-Zeit. Eine Zeit, die Schlüsselburg aktiv miterlebt und gestaltet hat. Sie sei noch Anfang 20 gewesen, als sie mit ihrem Mann 1976 ihr neues Eigenheim bezog und dafür eine kleine Aufmerksamkeit von der Stadt Bismark erhielt. Denn wer sich selbst darum kümmerte, ein Haus zu errichten, half der großen Wohnungsfrage in der DDR, die es auch in Bismark gab.

„Zu der Zeit waren ja die Plattenbauten sehr beliebt. Aber so etwas wurde in Kleinstädten wie Bismark nicht gebaut“, erklärt die ehemalige Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde. Als „Belohnung“ gab es zu der Zeit ein Bild des Wahrzeichens von Bismark, der Goldenen Laus. „Das war eingerahmt worden von unserem Glasermeister, Kurt Geng“, berichtet Schlüsselburg stolz.

„Die Idee dazu kam wohl aus dem Rathaus. Durch die Eigeninitiative wurde ja Luft nach oben geschaffen, was den Wohnungsmangel anging.“ In der DDR sei das ein erdrückendes Thema gewesen. Das Wohngebiet im Osten Bismarks zwischen Berkauer Straße und Wartenberger Straße, wo auch Schlüsselburg lebt, war in den 1970ern noch ganz neu.

Ein eingerahmtes Bild der Goldenen Laus gab es für Eigenheimbauer in Bismark.

„Vorher war das Ackerland“, berichtet die Rentnerin. „Nach der Wende wurden viele Lücken in den Baugrundstücken geschlossen. Und jetzt gerade schließt sich die Letzte.“ Der Mangel an Wohnraum wurde in der DDR mit verschiedenen Methoden bekämpft. Neben den gefragten Plattenbauten, gab es teils zinsfreie Kredite für den Häuserbau. Da aber oft mit einem Haken: Um die Bauwirtschaft zu entlasten, sollte ein Anteil des Hauses von den Besitzern selbst errichtet werden.

Obwohl ein ganz eigenes Heim dem Prinzip der Einheitlichkeit in der DDR nicht wirklich entsprach, gab es auch dort Typenprojekte, wie Schlüsselburg berichtet. Die oft genutzte Einfamilienwohnung 58, auch als EW 58 bekannt, wählten die Schlüsselburgs allerdings nicht. „Die Reihenhäuser hinter dem Bismarker Kolk haben aber zum Beispiel zwei Varianten gehabt: Spitzdach oder Wallendach“, nennt die Rentnerin als Beispiel.

Heute gebe es stattdessen eine viel größere Auswahl. Auch die Preise seien nicht vergleichbar. Gefragt nach dem oft berichteten Materialmangel, dem die Häuserbauer ausgesetzt waren, sagt Schlüsselburg so viel: „Das waren die gleichen Probleme bei uns wie überall. Wir konnten uns die Fliesen nicht so aussuchen wie heute.“

Den Baustoff zu bekommen, stellte sich als komplizierter heraus. „Wir haben das damals nur nicht so empfunden, weil es normal war.“ Immerhin gab es oft Unterstützung von Familien und Freunden. Auch die Betriebe, bei denen die neuen Hausbesitzer angestellt waren, halfen, indem sie beispielsweise Technik wie Kräne zur Verfügung stellten.

„Das war damals unser persönlicher Beitrag. 1976 waren wir mit die Ersten, die einziehen konnten“, schließt Schlüsselburg.

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