Verlust nicht ausgeglichen

Bismarker Recyclinghof erlebt Ansturm nach Öffnung

Betreiber Hans-Dieter Voigtländer steht vor einem Container, gefüllt mit Grünschnitt und Weihnachtsbäumen.
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Hans-Dieter Voigtländer, Betreiber des Recyclinghof Bismark, konnte sich zur Öffnung im Januar über rege Nachfrage freuen. Auch die Weihnachtsbäume, die dieses Jahr nicht verbrannt wurden, lagern auf seinem Hof.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Das war im Januar richtig krass“, berichtet Hans-Dieter Voigtländer, der in Bismark den Recyclinghof führt, vom Ende der Schließungen. Nach etwa einem Monat Lockdown durften die Recyclinghöfe wieder aufmachen und Abfall annehmen.

Bismark - „An dem ersten Freitag war es drei Mal so viel Abfall wie normal.“ In der Regel wären es 25 bis 30 Kunden an einem Freitag, zu dem der Recyclinghof von 13 bis 17 Uhr geöffnet hat. Doch zur Öffnung waren es zwischen 70 und 80 Anlieferer. Der Ansturm nach dem Neustart im Januar gleiche den Verlust nicht aus, gibt der Betreiber zu bedenken. „Aber ich bin nicht unzufrieden. Über das Jahr wird es sich vermutlich doch noch ausgleichen.“ Ein Problem würde bei solchen Aufläufen an einem Freitag entstehen: „Alle wollen gleich um 13 Uhr kommen. Da stehen sie mit ihren Wagen dann vor dem Tor Schlange.“

Diese Autokolonne würde sich aber bereits bei dem Öffnen der Tore lösen. „Mit guten Abstand können drei Leute zugleich auf unserem Hof abladen. Und in unser Büro darf sowieso nur einer.“ Manchmal gebe es Unruhe, aber generell werde kein Kunde böse oder ausfallend. „Bisher gab es auch beim Rausfahren keine Unfälle, alle nehmen Rücksicht“, berichtet Voigtländer. Der Recyclinghof auf dem Gelände der ehemaligen Bismarker Molkerei, das er erworben hat, befindet sich direkt an der verkehrsberuhigten Straße „Am Kolk“, wo auch nicht geparkt werden darf.

Die Container auf dem Recyclinghof stehen weit auseinander, damit die Kunden sich nicht zu nahe kommen.

„Viele haben die Zeit zum Aufräumen genutzt. Normalerweise gibt es im Sommer eine Flaute, wenn die Menschen in den Urlaub fahren. Im vergangenen Jahr aber nicht“, berichtet Voigtländer. Gerade während der Schließung zwischen Dezember und Januar hätten viele nur darauf gewartet, dass der Hof wieder öffne. Diese Zeit verlief laut dem Betreiber mit Ausnahme weniger abgewiesener Anfragen ruhig.

Während der mehrmaligen Lockdowns seit Frühjahr 2020 seien vor allem die Mengen der abgegebenen Sachen mehr geworden. Was abgegeben wurde, blieb dagegen gleich. Vor allem viel Holz, Sperrmüll, alte Spielzeuge, Fernseher und vermehrt Blumentöpfe würden auf dem Recyclinghof abgegeben. Im Sommer werde auch viel Grünschnitt vorbeigebracht. „Das fängt nun auch wieder an, aber manche behalten den pflanzlichen Abfall inzwischen auch für die Umwelt und als Nestmaterial für Vögel.“

Die Kosten für die Abgabe sind moderat. Je nach Sorte des Abfalls beginnen sie bei vier Euro je Kubikmeter. Was Voigtländer Sorgen macht, sind die neuen Abfallregelungen der Abfallentsorgung Landkreis Stendal (ALS), für die er den Recyclinghof in Bismark leitet. „Wenn die mal richtig stehen, werden die Preise angezogen. Dann müssen wir darauf achten, dass Kunden hier nicht unerlaubt Küchenabfälle abladen, weil das billiger ist.“ Bisher sei so etwas nicht passiert, aber Voigtländer erwartet bereits solche Vorfälle.

Trotz einer zumeist guten Zusammenarbeit, auch mit der ALS, erlebte der Betreiber auch recht verrücktes. „Es gab schon Fälle, da wollten Kunden unbedingt ihren Müll bei uns abladen, der aber nicht erlaubt war. Zum Beispiel Farbeimer. Sie haben dann behauptet, dass die ALS ihnen solche Auskünfte gegeben hätte.“ Das stimmte natürlich nicht. Andere würden versuchen, unerlaubten Abfall unter erlaubten zu verstecken. „Das sind dann besonders Schlaue. Aber ich und meine Mitarbeiter kommen oft dahinter.“

Zumindest bei den Uhrzeiten lässt Voigtländer auch mit sich reden. „Manchmal kommen Leute fünf Minuten vor Schluss und wollen noch eine halbe Stunde etwas abladen. Wenn es Menschen sind, wie zum Beispiel Ältere, die auch an einem anderen Tag kommen könnten, sage ich, sie sollen Samstag kommen. Aber wenn andere erst nach der Arbeit Zeit haben, gehe ich darauf auch mal ein.“ Denn auch Menschen, die in Stendal wohnen, aber in Bismark arbeiten, würden bei ihm ihren Abfall abgeben. Solange Absprachen getroffen würden, sei das kein Problem, sagt Voigtländer.

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