Heutige Begegnungsstätte feiert Geburtstag / Krankenschwester Johanna Herrmann erinnert sich an die ersten Tage

Bismarker Laboratorium wird 60 Jahre

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Johanna Herrmann blättert in ihrem Fotoalbum. Als gelernte Krankenschwester hat sie das am 1. Februar 1952 eröffnete neue Laboratorium mit eingeräumt und dann dort gearbeitet.

Bismark. Es war Landlaboratorium, beherbergte zahlreiche Arztpraxen und ist nun die Begegnungsstätte der Volkssolidarität. Das Gebäude an der Stendaler Straße in Bismark hat eine bewegte Geschichte hinter sich und feiert am 1. Februar seinen 60. Geburtstag.

Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1951, am ersten Februartag 1952 wurde es fertiggestellt. Johanna Herrmann erinnert sich noch gut an diesen Tag. Sie war dort von Anfang an als Krankenschwester angestellt und ist deshalb von Halle nach Bismark gezogen. „Am Anfang mussten wir erstmal alles saubermachen, die Schränke auswischen und dann einräumen. Aber dann war alles für die Patienten vorbereitet“, erklärt die 85-Jährige, während sie im braunen Fotoalbum blättert. Mehrere, bereits vergilbte kleine Bilder zeigen sie bei der Arbeit im weißen Kittel, mit Kollegen oder einfach in der Mittagspause.

Zwei Ärzte und eine Laborantin teilten sich das neue Haus, Johanna Herrmann half gemeinsam mit einer zweiten Krankenschwester tatkräftig mit. Anfangs sei der Patientenstrom allerdings ausgeblieben, weil die Ärtzte sich im Ort nicht allzu großer Beliebtheit erfreuten. Nur wenn einmal pro Woche ein Internist und ein Gynäkologe den Weg nach Bismark fanden, dann fanden diesen auch die Patienten. Der Dachboden war damals noch völlig ungenutzt. Die Arbeit der beiden Krankenschwestern ähnelt der der heutigen Arzthelferinnen in den Praxen und doch hatten sie auch noch andere Aufgaben. „Solche Einwegspritzen wie heute gab es damals nicht. Wir mussten die Spritzen immer noch auskochen und damit desinfizieren“, erinnert sich Herrmann, allerdings sei es auch oftmals langweilig gewesen. Wenige Patienten bedeuteten auch wenig Arbeit. Zwei Jahre, von 1945 bis 1947 hat Herrmann in Halle eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Ihre Eltern zogen dann nach Bismark. Und da wurden Krankenschwestern gesucht. „Und so bin ich dann auch hierher gekommen.“ Kennengelernt hat sie dann hier ihren Ehemann Otto, mit dem sie schon weit über 50 Jahre verheiratet ist und der mit ihr gemeinsam die Bilder aus dem Jahr 1952 betrachtet.

Doch gearbeitet hat Johanna Herrmann nur knapp 15 Monate im neu errichteten Landlaboratorium. „Ich wurde entlassen, weil ich am 1. Mai nicht mitmarschiert bin“, erinnert sie sich, sie hatte einen Ausflug mit Freundinnen unternommen. Einen Tag später kam bereits der Anruf von Politikern bei ihrem Chef. Sie war die Einzige aus Bismark, die nicht mitmarschiert war und man wollte von ihr die Gründe wissen. „Ich gehörte der Jungen Gemeinde an und der Staat hatte etwas gegen diese Junge Gemeinde“, erklärt sie damals wie heute. Politisch schwieriger war es vor allem deshalb geworden, weil 1952 der Kreis Kalbe gegründet worden wahr, erzählt sie. Da hatte es die christliche Gemeinde sowieso schwerer. Am 3. Mai 1953 dann schließlich die Kündigung durch ihren Chef. „Ich bin dann ins Johanniter-Krankenhaus nach Stendal gegangen. Die brauchten dringend Schwestern.“ Das Laboratorium wurde weiter medizinisch genutzt und erweitert, bis zum Ende der DDR und noch etwas darüber hinaus. Röntgenapparate wurden angeschafft, ein Lungenarzt ließ sich nieder und im neu errichteten Häuschen auf dem Hinterhof zog eine Kinderarztpraxis ein. Dort befindet sich heute eine Physiotherapie. Vor einigen Jahren hat sich die Volkssolidarität in dem Gebäude eine Begegnungsstätte eingerichtet. Viermal pro Woche versammeln sich dort verschiedene Gruppen, um gemeinsam Karten zu spielen, zu frühstücken oder einfach, um sich beim Basteln und Stricken zu beschäftigen. Auch Johanna Herrmann besucht ihre ehemalige Wirkungsstätte noch häufig. Zweimal pro Woche lässt sie sich bei der Physiotherapie im Wasser treiben.

Noch heute ist das ehemalige Laboratorium von Leben erfüllt. Der urprüngliche medizinische Grund der Erbauung ist noch zu erahnen. Nur dass heute eben nicht nur kranken Menschen geholfen wird, sondern durch die Volkssolidarität auch älteren Menschen, die gern unter Leute kommen möchten.

Von Bianca Lange

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