Student soll Geschichte schreiben

Bismarker Heimatfreunde wollen in Archiven viel tiefer graben lassen

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Eine Kassenbescheinigung, eines der ältesten Dokumente. Und daneben die Chronik.

Bismark – „Wir wissen einiges, aber eben nicht besonders viel. “ Renate Pieper blättert vorsichtig in Friedrich Genes Chronik von 1919. Rar seien auch wirklich alte Dokumente und Zeugnisse der Vergangenheit, weiß Irmgard Pantel.

Eine Zeitreise: Renate Pieper (v.l.), Ruth Rothe und Irmgard Pantel blättern in historischen Zeitungen. 

Und Ruth Rothe erinnert an gleich mehrere Feuersbrünste, die Bismark verwüsteten, nicht zuletzt die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Heimatverein sucht händeringend junge Leute, die sich für Geschichte interessieren und mit dem Computer umgehen können. Vielleicht braucht ein Student ja noch ein spannendes Thema für eine Doktorarbeit, meint Vorsitzende Rothe gegenüber der AZ und lächelt.

Egal, ob nun akademisch oder nicht, ein Forscher bräuchte für die ambitionierte Aufgabe vor allem Zeit und Sitzfleisch. „Im Landesarchiv Magdeburg befindet sich die Gründungsurkunde und vermutlich noch anderes mehr.“ Auch in Richtung Westen im Braunschweigischen könnten historische Papiere zu finden sein, hofft Ortsbürgermeisterin Ruth Rothe. Unterlagen eines Altenpflegeheimes aus der Zeit um 1890 gehören zu den ältesten, die in der Heimatstube im Bürgerhaus aufbewahrt werden. Die Geschichte Bismarks reicht 800 Jahre und mehr zurück. Zahlreiche Kapitel scheinen noch nicht beschrieben.

Goldene Laus im Fokus.

Der Zusammenschluss der Heimatfreunde „Goldene Laus“ ist 2004 aus der Taufe gehoben worden, damals noch als Förderverein. Der Name ist geblieben, die Aufgaben sind über die Jahre eher mehr geworden. Fast 30 Frauen und Männer mischen mit und wollen zukünftig noch viel mehr gerade jungen Menschen beweisen, dass der Blick zurück nicht langweilig sein muss. „Geschichte bedeutet Identität und Heimatverbundenheit“, meint Vereinsmitglied Pieper. „Sie schafft Verständnis, warum die Stadt ein Stück weit heute so aussieht und nicht anders“, ergänzt Pantel, die im Vorstand sitzt.

Für den Mai steht die jährliche Hauptversammlung im Kalender, immerhin schon 15 Jahre Heimatverein sollen auch gefeiert werden. Doch erst denken die drei Damen an Ostern, eine Ausstellung ist geplant. Alles rund ums Ei soll gezeigt werden, gern auch Altes und historisch Besonderes. „Osterschmuck, handwerkliche Arbeiten, vielleicht auch Kunst und natürlich ebenso Eier aus verschiedensten Materialien“, zählt Pieper auf. Die Schulen und das Jugendzentrum sollen sich ebenfalls einbringen können. Die Heimatstube, zu Weihnachten 2017 im Bürgerhaus eröffnet, soll im April voller Leben sein. Die drei Frauen hoffen zudem auf Unterstützung aus Osterburg. Im Kreismuseum findet alljährlich der Ostermarkt statt.

Wie sehr sich ehrenamtliches Engagement lohne, habe die Sonderausstellung „Glückwunschkarten aus alter Zeit“ im Bürgerhaus bewiesen. „Viele Menschen bestaunten die Motive und freuten sich über die zum Teil mehr als 100 Jahre alten Karten“, sagt Pieper. Wilfried Günther und Horst Dietrich aus Stendal öffneten ihrer Sammlungen. „Besonderen Anteil am Erfolg der Schau haben auch die Familien Lau, Lamprecht, Kühn, Mertens, Gause, Jubert, Herr Räppold, Familie Klaus aus Poritz und Herr Hofmüller aus Badingen.“ Sie und andere mehr stellten ihre privaten Schätze für den Kartenreigen zur Verfügung.

Ausstellungen in der Goldenen Laus, den eindrucksvollen Resten einer Wallfahrtskirche, sollen hingegen eher die Ausnahme sein. Aber vielleicht ließen sich dort verstärkt einige wenige Exponate dauerhaft zeigen. Wenn überhaupt, reine Zukunftsmusik. Das Gemäuer sei vor allem eins: Sehenswürdigkeit und Aussichtspunkt zugleich. Baulich gehe es dem Gemäuer recht gut, auch wenn da und dort ob der Witterung ein wenig der Putz bröckele, berichtet Rothe der AZ. Für Veranstaltungen dort sucht der Verein noch einmal besonders Mitstreiter. Die Saison beginnt traditionell so richtig am ersten Juliwochenende.

Heimatstube, Goldene Laus, Ausstellungen, Feste und weitere Veranstaltungen – die Aufgaben könnten zukünftig auf mehr Schultern verteilt werden. Ein Kräutergarten auf einem Gelände nahe der Laus, das die Stadt zur Verfügung gestellt habe, soll gedeihen. Dort hat vor allem Pantel den Hut auf. Erste Hochbeete sind angelegt. Wer im Verein in dieser oder weiterer Form mitarbeiten will, möge sich melden. Wenn die Osterausstellung unterstützt werden kann, sollte der Anruf bis spätestens Anfang März erfolgen. Rothe ist erreichbar unter der Telefonnummer (03 90 89) 40 663, Pieper unter der 26 70.

VON MARCO HERTZFELD

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