„Was will der Mann hier bei uns in der Altmark?“

Bismarker Bürgermeisterin kritisiert A-14-Klage scharf

Annegret Schwarz steht mit Unterlagen auf dem Arm in ihrem Bismarker Bürgermeisterbüro.
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„Wir warten seit Jahren auf die A 14.“ Annegret Schwarz (CDU) ärgert sich als Privatperson über die erneute Klage gegen die Altmark-Autobahn.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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So langsam platzt auch den Altmark-Autobahn-Befürwortern der Kragen. Denn die Klage eines Umweltschutzvereins gegen den Abschnitt zwischen Osterburg und Vielbaum könnte den Bau der A 14 weiter verzögern. „Irgendwann reicht es!“, betitelt Annegret Schwarz (CDU) ein an die AZ übermitteltes privates Schreiben zu diesem Thema.

Bismark/Vielbaum - Der Verein „NaturFreunde Sachsen-Anhalt“ klagt gegen den Autobahnbau auf dem Teilstück, weil die aktuelle EU-Rechtsprechung zum Artenschutz nicht berücksichtigt worden wäre. Laut Landesvorsitzenden Oliver Wendenkampf müssten nicht nur die Beeinträchtigungen für einzelne Tiere beachtet, sondern auch eine ganze Population in ihrer Gesamtheit lebensfähig gehalten werden. Außerdem wurden die Verkehrsprognosen als nicht realistisch kritisiert.

Wendenkampf war 2019 schon als damaliger Landesgeschäftsführer der Umweltschutzorganisation BUND gegen den A-14-Bau vorgegangen. Damals wurde ein Kompromiss gefunden, durch den zusätzliches Geld für den Natur- und Lärmschutz bereitgestellt wird (AZ berichtete).

„Es könnte sein, dass das eine oder andere Wort von mir nunmehr nicht ganz ,eine politisch korrekte Wortwahl’ abbildet, aber ich bin ein Kind der Altmark“, betont Schwarz, dass ihr Schreiben als private Sicht zu verstehen ist. Auf die erneute Klage zeigt sie Unverständnis: „Was soll das? Irgendwann ist doch mal Schluss.“

Angesichts des Lebenslaufs von Wendenkampf kommen in ihr Zweifel auf. „Was will der Mann hier bei uns in der Altmark?“ Wendenkampf ist Magdeburger und im Umkreis von 50 Kilometern um den betroffenen Abschnitt hätten die ,NaturFreunde’ auch keinen Ortsverband. Aus der Sicht von Schwarz könnte der Verband nicht behaupten, die Interessen der örtlichen Bevölkerung zu vertreten.

„Die Mehrheit der Bevölkerung will hier die Autobahn“

Laut der Vereinswebseite trete dieser für eine offene Welt mit sozialer Gerechtigkeit und Demokratie in allen Lebensbereichen ein. „Demokratie heißt aber auch, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Die Mehrheit der Bevölkerung will hier die Autobahn“, betont Schwarz.

Wie bereits berichtet, war aus Osterburg und Seehausen zuletzt von den Gemeindebürgermeistern zu hören, dass Gegenaktionen der Befürworter geplant seien. Dort gebe es eine klare Mehrheit für den Bau.

Aus Sicht der Stendaler Kreistagsvorsitzenden Schwarz könnte sich die Bevölkerung trotz Autobahn für den Naturschutz einsetzen. „Warum auch nicht? Wir leben doch hier. Autobahn und Klima- und Naturschutz schließen sich doch nicht aus.“

Für die Bismarker Einheitsgemeindebürgermeisterin ist das wichtigste Argument für die A 14 vor allem eins: die Entwicklung des ländlichen Raums. „Tagtäglich arbeite und kämpfe ich in meinem Job für den Erhalt und die Entwicklung des ländlichen Raums und eine wichtige Frage bei Ansiedlungswilligen ist: Wie weit ist die nächste Autobahn entfernt?“, erklärt Schwarz.

Sie sei täglich von ihrem Wohnort in Vielbaum zu ihrem Arbeitsplatz in Bismark auf der Bundesstraße 189 unterwegs. „Wer täglich da unterwegs ist, weiß, was dort los ist. Dazu kommen minutenlange Staus – insbesondere in den Sommermonaten bis zu 40 Minuten – an den Ampeln in Osterburg und Seehausen sowie langes Warten, um an der Kreuzung der Landesstraßen über die B 189 zu kommen.“

Sollte wegen der Klage der Abschnitt nicht gebaut werden, müssten der Verkehr für diese Strecke auf die B 189 umgeleitet werden. Der mögliche Aufschub wegen Verhandlungen kostet für den Bau Geld. „Hört auf, zusätzlich Steuergelder durch Klagen zu verschleudern, dieses Geld brauchen wir in anderen Aufgabengebieten“, hält Schwarz den Gegnern vor.

Ihr abschließender Aufruf scheint eher an die Behörden und die Bauarbeiter gerichtet zu sein: „Baut endlich diese Autobahn fertig. Punkt! Wir haben gegenwärtig ganz anderer Probleme zu bewältigen.“

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