Arbeitsgruppe für Berufsorientierung ab nächstem Schuljahr

Berufslotsin sieht Schulabgänger planlos

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Die Arbeit als Berufslotse ist mehr als Herumsitzen und Reden: Franziska Probst plant mit den jungen Erwachsenen auch Ausflüge in verschiedene Betriebe.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Viele Schüler, mit denen Berufslotsin Franziska Probst in Bismark arbeitet, wüssten gar nicht, was sie nach der Schule machen wollen. „Das ist ganz schlecht. Sie müssten sich jetzt bewerben, wissen aber gar nicht, was zu ihnen passt.“

Bismark - Wenn die Eltern nicht helfen würden, würde niemand die jungen Erwachsenen unterstützen und sich einzeln mit ihnen hinsetzen. Weshalb auch der ein oder andere sein Pflichtpraktikum in einem Bereich mache, in dem er definitiv nicht arbeiten wolle.

Deshalb sei es der erste Schritt ihrer Arbeit, sich mit den Jugendlichen hinzusetzen und Stärken sowie Schwächen herauszuarbeiten. „Wir versuchen herauszufinden, was derjenige kann, was er vielleicht gar nicht weiß. Das merken sie gar nicht so.“ Auch Fremdeinschätzungen von Freunden und Familie seien hilfreich. Probst unterstützt auch bei Hemmschwellen, wenn die jungen Erwachsenen schon eine Vorstellung haben, aber sich nicht trauen, das anzugehen. „Soweit wir dürfen, helfen wir auch bei Bewerbungen, Lebensläufen und so weiter.“

Die Unsicherheiten zeigen sich in zwei Beispielen, von denen Probst berichtet: Eine Schülerin sei sich bereits sehr sicher, dass sie Bestatterin werden will und auch die Berufslotsin findet, dass der Beruf zu ihr passen würde. Allerdings hat die junge Erwachsene aufgrund der Pandemie keine Möglichkeit, sich den Beruf näher anzusehen. „Sie hat dann ihr Praktikum bei der Friseurin gemacht.“ Ein Bereich, in dem sie sicher nicht arbeiten wolle. Bei einem Jungen, den Probst betreut, kristallisiere sich immer mehr heraus, unter anderem dank Tests, dass er gut im pädagogischen Bereich arbeiten könnte. „Er hatte das auch schon so im Kopf, aber er traut sich nicht, sich zu bewerben.“

„Gerade machen wir nicht direkt eine Berufsberatung in der Schule“, erklärt Probst. Seit etwa drei Wochen dürfe sie wieder in die Sekundarschule Bismark, um den Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Berufsorientierung zu helfen. „Erst einmal beschäftigen wir uns mit den Lerndefiziten und dem allgemeinen Stand.“

Probst und IB-Teamleiter Julian Reinecke, der auch Berufslotse in Osterburg und Bismark ist, arbeiten dafür eng mit der Sekundarschule zusammen. „Ich hoffe, dass wir Mitte September wieder richtig durchstarten können.“ Denn ab dem kommenden Schuljahr plant die Bismarker Sekundarschule ein Ganztagsangebot. Darin beinhaltet ist es, dass die fünften, sechsten und siebten Klassen zwei Arbeitsgruppen beitreten. „Ich versuche da, die Schwächen und Stärken herauszufinden. Und spielerisch finden wir heraus, was zu ihnen passt.“

Derzeit werden mit verschiedenen Betrieben in Bismark Besuche und Führungen abgesprochen. „Es ist schwierig, alle aufzunehmen“, denn Probst wolle sie mit zwei achten Klassen besuchen. Wegen dieser Anzahl hätten aus Vorsichtsmaßnahmen auch schon Betriebe abgesagt. Direkt betreut die Berufslotsin zurzeit sieben bis acht Jugendliche. „Sie haben alle kein Praktikum gemacht. Nur die Neuntklässler hatten vor dem Sommer eine Woche lang.“

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