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Bismarker Bahnfreund befürwortet 49-Euro-Ticket

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Von: Lisa Maria Krause

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FOTOMONTAGE: Statt 9-Euro-Ticket: Kommt bald ein 69-Euro-Ticket? Volle Bahnhofshalle,Bahnsteig, Bahnreisende am Hauptbah
Ein 69-Euro-Ticket: Dass sich so ein bundesweites Angebot für den Einzelnen lohnt, findet Stefan Heidelmann fraglich. Er ist für 49 Euro als Nachfolgelösung. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMO

Stefan Heidelmann, Bismarker Bahnfan, ist vom Erfolg des Neun-Euro-Tickets überzeugt. Auch im ländlichen Raum. „Die beste Idee, die die Bundesregierung in der Situation hatte“, lobt er.

Bismark - „Soll auf jeden Fall beibehalten werden.“ Kritik hat Heidelmann aber für die Aussagen von Landesinfrastrukturministerin Dr. Lydia Hüskens (FDP), dass das Ticket nicht fair gewesen wäre, übrig: „Es war schon fair!“

Die Politikerin hatte Ende August die Ansicht vertreten, dass das Angebot unfair war und in Zukunft auch wäre, weil der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum nicht gut genug ausgebaut sei. Das Geld zur Fortführung würde beim Ausbau der Infrastruktur fehlen. Heidelmann hält dagegen: „Für mich war der Tankrabatt unfair.“ Denn im Unterschied zum Neun-Euro-Ticket wurde dieser aus Steuergeldern finanziert. Also indirekt auch von Bürgern, die den Rabatt gar nicht nutzen könnten.

Das Angebot zwischen Stadt und ländlichen Raum sei sowieso nicht zu vergleichen, gibt Heidelmann, der zuvor im Fastgastbeirat Sachsen-Anhalt tätig war, zu. Neben einem kulturell anderen Angebot gebe es auch Gefälle von Nord nach Süd und von Ost nach West. Aber: „Wenn man es wollte, konnte man es auch hier nutzen.“ Es gebe Angebote, die auch hier im Landkreis attraktiv seien. So nennt er die Busverbindungen in Richtung Magdeburg. So müssten „die Leute über ihren Schatten springen“ und es probieren, auch mal kleinere Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.

Bei einmal hin und zurück von Hohenwulsch nach Stendal zum Einkaufen wäre der Preis für das Neun-Euro-Ticket bereits ausgeschöpft, berichtet Heidelmann aus eigener Erfahrung. Das Geld habe sich locker gelohnt für Tagesausflüge und auch längere Fahrten. Der Bahnfreund sieht aber auch die Nachteile des zeitweiligen Angebots: „Mit neun Euro kann es ja nicht weitergehen.“

Auch Heidelmann findet, dass das bundesweite Ticket so nicht finanzierbar ist. Die Infrastruktur und die Kapazitäten seien nicht dafür ausgelegt. Außerdem: „Die Verkehrsunternehmen wurden überrumpelt.“ So kam es aufgrund von Corona-Fällen und anderen Krankheiten, Personalmangel sowie weit im Vorfeld geplanten Baustellen zu Verspätungen, Ausfällen und überfüllten Zügen.

Stendal erschien als „so ziemlich der Mittelpunkt von Deutschland“, wie Heidelmann es ausdrückt. Unter anderem aufgrund der Baustellen wurden viele Züge über die Rolandstadt geleitet. So ging es für viele Fahrgäste über Stendal nach Hamburg oder Berlin oder aus Mitteldeutschland an die Ostsee.

Für die Zukunft hofft Heidelmann, dass ein bundesweites ÖPNV-Ticket umgesetzt werden kann. Er stellt sich klar gegen Verbunde wie Hannover oder Berlin, die nun wieder Kleinstaaterei machen würden. Zu dem möglichen 49-Euro-Ticket sagt Heidelmann: „Da würde ich mitgehen.“ Bei vier Hin-und-Rück-Fahrten sei der Preis beispielsweise nach Stendal oder Magdeburg bereits wieder drin. Es wäre nicht für jeden Monat etwas, aber doch sinnvoll.

Kritischer sieht der Bahnfreund die Option 69-Euro-Ticket: „Müsste ich mir wirklich überlegen, ob das lohnenswert ist.“ Dann sei das Ticket vor allem noch bei langen Reisen oder im Sommer für Ausflüge sinnvoll. Im Januar und Februar aber kaum, findet Heidelmann. Er stellt den Vergleich auf: Zuvor habe er etwa 40 Euro mit Bahncard nach Polen bezahlt. Mit dem Neun-Euro-Ticket lagen die Gesamtkosten bei etwa 29 Euro. Unfair könnte es bei 69 Euro sein, wenn ÖPNV-Pendler allein davon profitieren würden.

Schließlich betont Heidelmann nochmals, wie wichtig es ist, dass das Ticket bundesweit gültig ist. Eine Ausweitung auf den Fernverkehr kommt für ihn nicht in Frage. Zum einen würde es den Fernbussen die Grundlage entziehen, zum anderen gebe das System von IC und ICE dies nicht her. Wie Heidelmann erklärt, ist der Landkreis für den Bus, das Land für den Nah- und die Bahn für den Fernverkehr zuständig. Das müsse sich auch für das Unternehmen rechnen.

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