Friseurstühle dauerbesetzt

Bismark: Terminkalender der Friseure sind voll

Friseurin Julia Behrendt aus Bismark trägt eine OP-Maske und lehnt an einer Theke.
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Friseurin Julia Behrendt aus Bismark freut sich, ihren Salon wieder öffnen zu können, macht sich aber Sorgen wegen der Schwarzarbeit während des Lockdowns.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Die ersten Tage hat hier nur noch das Telefon gebimmelt“, berichtet Julia Behrendt mit spürbarer Freude. Der von ihr als Filialleiterin geführte Friseursalon in Bismark konnte sich kaum noch vor Anfragen retten.

Bismark - „Wir sind dann zum Teil gar nicht mehr ans Telefon gegangen, weil wir sonst zu nichts mehr gekommen wären“, sagt sie lachend. Der Ansturm ist nur allzu verständlich, denn recht kurzfristig entschied sich auch die Landesregierung Mitte vergangener Woche, dass die Friseure am 1. März öffnen dürfen.

Allein in der Bismarker Filiale fanden in den ersten drei Tagen 150 Termine statt. „Aber mit voller Bewirtschaftung ging das nicht. Dann hätten wir die Regel mit zehn Menschen auf 100 Quadratmetern nicht einhalten können.“ Stattdessen teilte Behrendt ihre sechs Mitarbeiterinnen auf zwei Schichten auf und verlängerte die Öffnungszeiten bis 20 Uhr. So konnten auch die 150 Termine überlappend und mit angemessenen Abstand stattfinden.

Von Spontanbesuchen auf Terminvergabe

„Diese Terminvergabe ist uns eigentlich fremd. Wir haben unser altes Konzept komplett umgeschmissen.“ Denn eigentlich baut ihr Friseursalon allein auf spontane Besuche ohne Voranmeldung und sieht das auch als klaren Vorteil am Standort Bismark. Dementsprechend verwirrt waren auch einige Kunden, die einfach reinkamen, aber nicht bedient werden durften. „Wir haben versucht, über unsere Facebook-Seite darauf aufmerksam zu machen, dass wir jetzt nur mit Termin arbeiten.“ Im Sommer hatte der Salon mit einer Ampel an der Tür angezeigt, wie voll es war.

Das neue System sei anstrengender und bedeute auch einen Mehraufwand. „Mit Termin hat für unsere Kunden aber auch einen Vorteil: Sie können so sicher von ihrer Lieblingsfriseurin betreut werden.“ Inzwischen habe der Salon Termine für März und April vergeben. Und was ist mit Mai? „Wir müssen dann erst einmal von Tag zu Tag sehen, was kommt. Ich befürchte, dass wir noch einmal zumachen müssen, wenn jetzt Schulen, Baumärkte und so weiter öffnen.“

Schwarzarbeit macht der Friseurin Sorgen

Über die Öffnung sagt Behrendt: „Wir sind froh, dass wir wieder arbeiten können. Aber es ist auch ganz schön unfair, dass wir aufmachen dürfen, aber die Kosmetik nicht.“ Als Beispiel nennt sie das Färben von Wimpern, das die Friseure mit den nötigen Vorkehrungen durchführen dürfen. Ähnlich nah komme ein Kosmetiker seinen Kunden schließlich auch.

Wie in anderen Städten haben während des Lockdowns auch ihre Mitarbeiter unmoralische Angebote erhalten. Das bereitet Behrendt Sorgen. „Das war schon ziemlich dreist, wenn mich jemand über Facebook angeschrieben hat und fragte, ob ich ihm oder ihr die Haare machen würde.“ Sie merke aber auch im Alltag, dass die Schwarzarbeit boomt. „Ich weiß schon Bescheid, wenn jemand frische Haare hat. Manchmal sind es ja auch die Partner, aber ich finde es schade, dass andere Friseure nicht sagen: Ich unterstütze das nicht.“ Alle Angestellten waren in dieser Zeit in Kurzarbeit und zu Hause. Behrendt selbst frisierte Puppenköpfe für ihre Onlinepräsenz und bespaßte ihre kleine Tochter. „Sie weint jetzt jeden Morgen vor dem Kindergarten, weil sie früh aufstehen und ohne die Mama dort hin muss“, berichtet die Friseurin schmunzelnd.

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