„Vielleicht sind wir auch blauäugig“

Bismark: Stadt will das Aus des Jugendzentrums verhindern – Investitionen nötig

Das Jugendzentrum scheint schon ob des Äußeren alles andere als üblich. 
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Das Jugendzentrum scheint schon ob des Äußeren alles andere als üblich. 

Bismark – „Der Bedarf war nicht erkennbar. Vielleicht sind wir auch blauäugig gewesen, womöglich haben wir nicht richtig hingeschaut und zugehört, ja. “ Das drohende Aus des Kinder- und Jugendfreizeitzentrums in Bismark geht Annegret Schwarz sichtlich an die Nieren.

Marco Henschel, Hauptamtsleiter

Politik und Verwaltung wollen die Schließung der Einrichtung unbedingt verhindern, beteuert die Bürgermeisterin auf Nachfrage der AZ. Einheitsgemeinde und Kreisjugendamt suchen nach einer Lösung. Marco Henschel, Hauptamtsleiter der Stadt, spricht von einem möglichst nahtlosen Übergang. Einfach scheint das nicht, es bleiben keine drei Monate Zeit.

Wohin führt der Weg des Zentrums? Ein Drehkreuz vorn.

Die Einrichtung sei ihnen nicht mehr so wichtig, behaupten drei Jugendliche gegenüber der AZ. Sie hängen an diesem Nachmittag mit anderen an der Bushaltestelle direkt vor dem Zentrum ab, die meisten sind 15, 16 Jahre alt. Ein Ende der Jugendarbeit wünschen auch sie sich nicht. Im Gebäude an der Straße der Einheit herrscht reges Leben. Mindestens 100 Kinder fühlen sich in irgendeiner Form mit dieser Einrichtung verbunden, heißt es aus dem Rathaus. In der Einwohnerfragestunde des Stadtrates hatte sich eine Mutter mit bewegenden Worten für den Erhalt des Zentrums eingesetzt.

Annegret Schwarz (CDU), Bürgermeisterin

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. „Es kommen einfach viele Dinge zusammen“, umschreibt die Bürgermeisterin in ihrem Büro den Scherbenhaufen. Der Brandschutz reicht nicht mehr aus, ein Knackpunkt. Ein Termin im Frühjahr habe das allen so richtig vor Augen geführt. Die obere Etage des kommunalen Gebäudes, dessen Fassade aus Holz besteht, kann nicht mehr wie gewünscht genutzt werden. Die Stadt suche nach einer Lösung und könnte investieren. Schwarz und Henschel, der auch für den Brandschutz zuständig ist, gehen von mindestens 150.000 Euro Ausgaben aus. Kein Pappenstiel für diese Gemeinde.

„Wenn es nur das wäre“, meint die CDU-Frau. Der Trägerverein wolle sich auflösen und den Nutzungsvertrag zum Ende des Jahres kündigen. Über mögliche Probleme innerhalb des Vereins, was Struktur und Nachwuchs angeht, lassen sich Schwarz wie Henschel in dem Moment nicht weiter aus. Die Stadt unterstützt den Verein jährlich mit mehr als 30.000 Euro. Auch die mobile Jugendarbeit anderer spielt in den Standort hinein. Entscheidend sei: Ein neuer Träger muss her, damit über Investitionen überhaupt nachgedacht werden kann. „Wir wollen die Jugendlichen nicht in der Luft hängen lassen“, versichert Schwarz gegenüber der AZ.

VON MARCO HERTZFELD  

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