Filmemacher hinterfragt seine Politik-Ansichten / Premiere auf dem Berlin Independent Film Festival

In Bismark gerät der Linke ins Grübeln

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Marijn Poels (l.) im Gespräch mit Landwirt Marco Meidt aus Grünenwulsch. Von Landwirten wie ihm ließ er sich die aktuelle Landwirtschaft erklären, und welchen Zwängen die Bauern auf dem Lande ausgesetzt sind – wie EU-Richtlinien oder Milchpreis.

Berlin/Altmark. Auf dem neunten Berliner „Independent Film Festival“ im Februar wird auch ein Altmärker Beitrag dabei sein.

Marijn Poels hatte eine linke Gesinnung, was Energie, Landwirtschaft, Klimaschutz angeht. Oder besser: Er hatte. Denn er ist bei seinen Recherchen im Raum Bismark dazu gekommen, seine Ansichten zu hinterfragen. Der Titel seinen Films legt nahe, wie er nach und nach unsicher geworden ist.

Oder besser: Ein Beitrag über die ländliche Region Bismark als Teil der Weltwirtschaft, beschrieben von einem, dessen Schwiegermutter dort wohnt. Den Film gemacht hat der Niederländer Marijn Poels, und er trägt den sperrigen Titel „The Uncertainty Has Settled“ – übersetzbar mit „Die Unsicherheit setzt sich fest“. Es geht darum, dass Poels sich die Frage stellt, ob derzeitige Entwicklungen in der Landwirtschaft so sein müssen, wie sie sind. Er gerät ins Grübeln. Poels beschreibt in dem 90-minütigen Film, wie er dazu gezwungen wird, seine eigene linke Ideologie zu hinterfragen: „Landnutzungswandel, Klimaschutz, Energiepolitik... machen wir das Richtige?“ Da beginnt die Unsicherheit.

Der Film beginnt so: Der Mann wird durch eine Auszeit in den Bergen Österreichs zunächst auf die gegenwärtige Situation der europäischen Landwirtschaft aufmerksam. Eine Reise beginnt, die in die Altmark (Besuch der Schwiegermutter) und von dort zu immer größer werdenden Fragen führt.

Zusammen mit dem Kameramann Volker M. Schmidt war er insgesamt einen Monat in der Altmark unterwegs, insbesondere in den Dörfern Grünenwulsch, Schinne, Grassau und Bülitz. „Ich liebe die Altmark, die authentischen Dörfer, die leicht abfallenden Felder und die einfache Ruhe“, sagt Filmemacher Poels. „Generell sehe ich bei der Landbevölkerung einen gewissen Unmut über die wachsende Anzahl von Auflagen und Verordnungen, die Europas Bürokratie mit sich bringt. Und leider haben es die mittelgroßen Landwirte immer schwerer zu überleben. Schlechte Preise für Nahrungsmittel machen Investitionen in erneuerbare Energien mehr und mehr interessant. Dort hat die Politik für klare Regeln gesorgt, wie auch für hohe Subventionen. Aber ist das auch wirklich eine nachhaltige Lösung?“

Poels hofft, dass sein Film ein Podium bietet, um festgefahrene Paradigmen und Dogmen der gegenwärtigen Zeit aufzubrechen und einer neuen Debatte zuzuführen.

Der Film „The Uncertainty Has Settled“ kommt nun nach acht Monaten Arbeit auf die große Leinwand.

Mehr Informationen über das Festival finden Sie unter www.berlinfest.com

Von Kai Hasse

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