„Wozu ist die Polizei da?“

Bismark: Fall um orientierungslose Person wirft Zuständigkeitsfragen auf

Weltkriegsbombe in Lahr
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Bei orientierungslosen, verwirrt wirkenden Personen ist als Erstes der Rettungsdienst zuständig, klärt Hauptkommissar Dirk Marscheider nach einer Beschwerde aus Bismark auf.
  • Lisa Maria Krause
    VonLisa Maria Krause
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Wer ist zuständig, wenn jemand einer herumirrenden, offensichtlich verstörten Person begegnet? Wie sollte sich der Betroffene in einer solchen Situation verhalten? 

Bismark/Stendal - Eben diese Fragen stellten sich einem Bismarker Bürger in der vergangenen Woche, als er eine verwirrte Frau bei der Polizei meldete. „Wozu ist die Polizei da? Die hätten nicht sagen sollen: Ist nicht unsers“, beschwert sich Michael Henning bei der AZ über die Vorgehensweise der Beamten.

Die ihm fremde Frau sei ihm an zwei aufeinander folgenden Tagen in Bismark aufgefallen, berichtet Henning. „Sie war ganz schön fertig.“ Als er sie am zweiten Tag ansprach, erfuhr er, dass sie weder wusste, wo sie ist und wo sie herkam, noch wie sie hieß. Auch Papiere fehlten ihr. Daraufhin rief der Bismarker bei der Polizei an.

Der Beamte am Telefon habe ihm erklärt, dass es „nicht ihr Gebiet“ sei und er den Rettungsdienst rufen müsse. „Die suchen doch keine Person und fahren herum“, ärgert sich Henning, denn die Person festhalten dürfe er nicht. Der Rettungsdienst verwies laut dem Bismarker zurück an die Polizei, wo dann jedoch besetzt war. „Das kann nicht sein. Zu sagen, sie können nichts machen, ist auch ein Fehler. Damit machen sie sich strafbar.“ Schließlich habe doch der Rettungsdienst die Frau abgeholt, nachdem Henning sie wiedergefunden hatte. „An erster Stelle hätte die Polizei sagen müssen, sie schicken eine Streife los. Ich habe ihnen alles erklärt.“ Wie er berichtet, habe er sich auch Sorgen gemacht, da die Frau über Nacht bei Menschen untergekommen sei, deren „Leben aus den Fugen“ sei.

„Die Zuständigkeiten in solch einem Fall liegen tatsächlich in erster Linie beim Rettungsdienst“, erklärt Dirk Marscheider, Polizeihauptkommissar beim Polizeirevier Stendal, auf AZ-Anfrage. Im Rahmen der Amtshilfe könne die Polizei hinzugezogen werden, sollte der Rettungsdienst Probleme bei der Aufnahme der Person haben. Auch was das Festhalten der Frau angeht, kann Marscheider mögliche Fragen aufklären: Es gebe ein „Festnahmerecht für Jedermann“, um einen Täter bei der Tat oder auf der Flucht festzuhalten. Im Falle der herumirrenden Frau in Bismark habe Henning sich im Gefahrenabwehrrecht befunden und „hätte somit auch die Möglichkeit gehabt, im Rahmen des Nothilfegedankens die Person festzuhalten bis zuständige Personen eintreffen, um die Gefahr abzuwehren“.

Die Aussage des Gesprächspartners sei also richtig gewesen. „Für mich selbst spielt aber auch immer „der Ton die Musik“. Manchmal muss man auch einfach Telefonate führen und Menschen damit beruhigen. Oder dem Anrufer selbst helfen“, erklärt der Hauptkommissar.

Tatsächlich habe Marscheider versucht, den Vorfall intern aufzuklären, nachdem er von der Beschwerde erfuhr. Denn „es besteht ja noch die Möglichkeit, dass ein Polizeibeamter sehr „forsch“ am Telefon war und eigener Höflichkeit Grenzen gesetzt hatte“.

Wer mit Henning gesprochen hatte, sei nicht aufzuklären gewesen, denn er habe keinen Namen nennen können und der Anruf sei zur Zeit des Wechsels vom Früh- zum Spätdienst erfolgt. Obwohl der Bismarker die Uhrzeit seines Anrufs kannte.

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