Bismarker erinnert sich

20. Jahrestag der letzten Fahrt der Kleinbahn Hohenwulsch-Kalbe

Einige Fahrgäste stehen am Kleinbahnhof Bismark an, um einzusteigen.
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Vor 20 Jahren machte die Kleinbahn auf der Strecke Hohenwulsch bis Kalbe am 9. Juni 2001 ihre letzte Fahrt. Der Bismarker Stefan Heidelmann war dabei.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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Dass die letzte Fahrt der Kleinbahn auf der Strecke Hohenwulsch bis Kalbe inzwischen 20 Jahre her ist, hat Stefan Heidelmann überrascht.

Bismark - Am 9. Juni 2001 war der Bahnenthusiast dabei, als die 100 Jahre alte Strecke von Kalbe über Neuendorf-Karritz, Berkau und Bismark bis nach Hohenwulsch und zurück das letzte Mal befahren wurde.

Die Kleinbahnstrecke war über die beiden Einheitsgemeinden hinaus bekannt, erklärt der Bismarker. Im Sketch „Die Reisebekanntschaft“ von 1977 spielt das DDR-Komikerduo Herricht & Preil darauf an. Denn in was heute als „Running Gag“ bezeichnet würde, sagt Herricht immer wieder, er fahre nach Hohenwulsch. Heidelmann kann sich noch gut an die Abschiedsfahrt erinnern.

Die Schienen sind schon längst abgebaut und der Bismarker Bahnsteig über die Jahre zugewachsen.

„Es war ein heißer Sommertag. Die Tage zuvor waren schon viele Menschen mitgefahren. Eisenbahnfreunde von weit her statteten ihr sozusagen den letzten Besuch ab“, berichtet er. Heidelmann habe Leute in der Bahn gesehen, die sonst nie Bahn gefahren wären. „Einige sagten, wie schade es doch ist, dass die Strecke eingestellt wird, aber konnten mir auch nicht sagen, wann sie sie das letzte Mal genutzt haben.“ Heidelmann, der aus einer Eisenbahnerfamilie stammt und schon immer für die Bahn schwärmt, sei selbst an dem Tag mit der Bahn hin und her gependelt. „Ich war bei der allerletzten Tour bis Kalbe dabei.“ Er bewahre bis heute seine letzte Fahrkarte auf. „Das ist auch eine Art Zeitdokument.“

Die Kleinbahnstrecke wurde etwa 80 Jahre lang zur Anbindung an die Regionalbahn in Hohenwulsch genutzt. Heidelmann fuhr oft mit. Plötzlich kam die Stilllegung nicht. „Es muss betont werden, dass nicht die Bahn, also bei uns die Nasa, entscheidet, welche Strecken stillgelegt werden. Das Land bestellt die Strecken bei der Bahn.“ Zwischen den 90er Jahren und der Jahrhundertwende nahm der Verkehr auf der Strecke drastisch ab und erholte sich auch nicht wieder. „Dadurch wurde der Erhalt der Nebenstrecke vernachlässigt, was dazu führte, dass sie sich verschlechterte und die Bahn langsamer fahren musste.“ Dies wiederum habe zu noch weniger Fahrgästen geführt. „Das war ein Kreislauf.“

Viele Menschen von nah und fern wollten bei der Abschiedsfahrt dabei sein.

Das Eisenbahn-Bundesamt wollte die Strecke sperren, die Beteiligten schoben den sprichwörtlichen Schwarzen Peter hin und her. „Die Nasa wollte nicht abstellen, aber der Betreiber wollte nicht fahren“, berichtet der Bismarker. Den Schlussstrich zog das Bundesamt, das die Strecke für unbefahrbar erklärte und sperrte.

Heidelmann setzte sich als Mitglied im Landesfahrgastbeirat und später im Bündnis „Die Bahn bleibt“ für den Erhalt dieser und weiterer Strecken ein. „Ich habe mehrere Leserbriefe für die AZ geschrieben, aber das Wort Umwelt habe ich damals nicht in den Mund genommen.“ Das sieht heute vielleicht anders aus. „Das war eine Verbindung, die wir heute brauchen. Fehler, die vor 20 Jahren gemacht wurden. Später sind wir schlauer“, resümiert Heidelmann und schaut auch in die Zukunft. „Was wäre, wenn wir uns in 20 Jahren hier wiedertreffen? Fahren wir dann schon alle elektrisch?“, fragt er, während er vor dem ehemaligen Kleinbahnhof in Bismark steht.

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