Standesbeamtin Herta Beindorf vollzieht ihre letzte Trauung / Weggelaufen ist seit 1983 niemand

„Es war Berufung und Traumberuf“

Nach 500 Eheschließungen ist Schluss. Standesbeamtin Herta Beindorf geht in Altersteilzeit.

Kläden. Für die einen ist es der erste offizielle Tag als Familie, für andere der letzte im Berufsalltag. Den 7. Juli fanden Kevin Vogt und Andrea Wienecke, als sie nach einem Tag zum Heiraten suchten. Als Ort wurde der Klädener Schafsstall ausgewählt.

Doch nicht nur deshalb war dieser Tag etwas besonderes: Ihr erster Tag als Familie mit dem kleinen Loris war auch der letzte von Standesbeamtin Herta Beindorf. Umso größer schien die Ehre von dieser Frau, die bereits 500 Ehen schloss, getraut zu werden. Kennengelernt hatten sich die beiden, er aus Pabstdorf, sie Schäplitz, übers Internet. Der Heiratsantrag wurde der Altmärkerin sogar von zwei Männern gemacht. Nicht nur Kevin kniete nieder, sondern auch Loris.

Dass eine Ehe nicht nur leichte Zeiten in sich birgt, weiß Herta Beindorf und ging darauf in ihrer Traurede ein. So sollen die beiden Kraft voneinander schöpfen, Verständnis füreinander haben und den anderen stets respektieren. Denn so werden sie nun eins, wie Beindorf mit dem Satz: „Liebe verbindet das Ich und das Du zu einem ‚Wir’“ sehr schön anklingen ließ. Geborgenheit, Zuversicht und Zufriedenheit möchte die gebürtige Klötzenerin beiden mit auf ihren gemeinsamen Weg geben. Zwar war es nicht die erste Eheschließung, sondern sogar die letzte, die Beindorf als Standesbeamtin machen durfte, dennoch war zu merken, dass ein Fünkchen Aufregung mitschwang. Und so erklärte sie kurz darauf: „Immerhin ist dies der wichtigste Tag zweier junger Menschen“. Und so etwas wie Routine schleiche sich selbst nach 31,5 Jahren in diesem Beruf nicht ein. Natürlich sei man nicht so aufgeregt wie zu Beginn. Doch jedes Paar habe eine andere Geschichte, jedes sei individuell und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auf die Frage nach ihrem „Hochzeitserlebnis“ schlichtweg sagt: „Es gibt keine bestimmte Anekdote, vielleicht ist mal jemand zu spät gekommen. Aber weggelaufen ist mir zum Glück seit 1983 niemand.“ Einst aus der Milchwirtschaft kommend, in den Bereich der Sacharbeit schlüpfend und zur Standesbeamtin berufen, hält Herta Beindorf jedoch fest: „Ja, es war Berufung und mein Traumberuf, den ich fand.“ Doch Wehmut möchte die Frau, die sich für die Altersteilzeit ab dem 1. August entschied, nicht zeigen. „Immerhin ist heute der Hochzeitstag der beiden, da stehen allein sie im Mittelpunkt und den möchte ich ihnen lassen.“

Der letzte Tag ist jedoch noch nicht gezählt, denn so darf Beindorf, die seit 1976 stolze Klädenerin ist, ihre Nachfolgerin Kathrin Gauz einarbeiten. Ebenso, wie die ehemalige Leiterin des Einwohnermeldeamtes, muss auch sie erst die verschiedenen Stationen durchlaufen. Dazu gehört auch, Geburtsurkunden auszustellen. Und sogleich merkt man wieder die Verbindung zum Traumberuf Beindorfs: „Auch das ist eine wunderbare Aufgabe, denn so schließt man mit der Ehe nicht einfach ab.“

Besonders schön bleibt Beindorf jedoch in Erinnerung, vor einigen Jahren noch die Eltern, heute schon die Kinder dieser vermählt zu haben. Dafür wurde ihr auch von Bürgermeisterin Verena Schlüsselburg für die vergangenen Jahre mit einer Foto-Collage gedankt.

Von Sandra Pieper

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