Stadt und Land arbeiten an Projekt

Radweg von Kläden nach Bismark: Drahtesel kommt langsam zum Zug

Ein Transporter fährt auf der L 15 bei Kläden.
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Wer mit dem Rad von Kläden über Garlipp nach Bismark möchte, lebt mitunter gefährlich. Auf der Landesstraße 15 kommen größere Fahrzeuge so richtig in Fahrt.
  • Marco Hertzfeld
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Die Landesstraße 15 gilt als viel befahren und für Radler recht risikoreich. Pedalritter haben von Kläden über Garlipp nach Bismark keinen eigenen Weg. Das soll sich ändern.

Kläden / Bismark – Mit Tempo 100 geht es vorbei an diesen Pedalrittern auf zwei Rädern. Wer mit dem Auto zwischen Kläden und Bismark unterwegs ist, dürfte nicht groß einen Gedanken an Radfahrer verschwenden. Dabei fehlt ihnen entlang der viel befahrenen Landesstraße 15 eine eigene Piste. Pkw und Lkw kommen ihnen mitunter gefährlich nah. Ein Radweg zwischen den beiden größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Ortschaften der Einheitsgemeinde ist langersehnt. Ein solches Projekt scheint immer mehr möglich. Annegret Schwarz, die Bürgermeisterin, hält sich auch auf Nachfrage ziemlich bedeckt, und lässt doch Optimismus erkennen. „Wichtig dabei ist doch, dass wir mit dem Straßenbaulastträger nicht nur im Gespräch sind, sondern am Projekt arbeiten.“ Ob damit tatsächlich bereits etwas Greifbares gemeint ist, muss erst einmal noch offenbleiben.

Dieses Rad mitten in Kläden soll schmücken und auf das Radwegenetz der Gegend verweisen. Eine Verbindung entlang der L 15 nach Bismark gibt es noch nicht.

Wunsch nach Bau besteht seit Jahrzehnten

Zwischen Kläden und Bismark, dem Zentrum der kommunalen Familie aus insgesamt 20 Ortschaften, liegen gut zehn Kilometer. „Der Wunsch, einen Radweg entlang der L 15 zu bauen, besteht bereits seit Jahrzehnten“, weiß die Christdemokratin. Schon der einstige langjährige Ortsbürgermeister von Garlipp, Waldemar Schreiber (CDU), habe sich für das Vorhaben stark gemacht. Die Ortschaft Garlipp liegt zwischen den beiden größeren Ortschaften und würde sozusagen in beide Richtungen punkten können. Die Frage nach der Notwendigkeit einer Anbindung an bereits bestehende Strecken für Drahtesel der Gegend beantworte sich eigentlich von allein, findet Bürgermeisterin Schwarz. „Wer einmal Rad auf der L 15 gefahren ist, der stellt diese Frage nicht mehr. Es geht um Sicherheit und auch um den Ausbau des Radverkehrs selbst und die Umsetzung von Klimaschutzaufgaben.“

Garlipp kämpft an viel genutzter Piste

Die Einheitsgemeinde Bismark will gerade im Fahrradtourismus spürbar zulegen und knüpft mit am regionalen und überregionalen Netz. Bei Klimaschutz und Elektromobilität wollen Politik und Verwaltung nicht den Anschluss verlieren. Und wie gesagt, an einem Radweg von Kläden über Garlipp nach Bismark arbeitet schon mehr als eine Generation. „Wir geben da nicht auf“, hatte Schwarz auch kürzlich im Stadtrat groß angekündigt. Überhaupt will die Stadt beim Radwegenetz die nächste Zeit entscheidend vorankommen. Ein Millionenprojekt und ebenfalls heiß ersehnt soll bekanntlich Bismark und Kalbe im Nachbarlandkreis Salzwedel verbinden. Die Fördermittel für den Bau eines Radweges auf einer ehemaligen Bahnlinie sind bereits avisiert (die AZ berichtete Mitte August), ein Bescheid könnte vielleicht schon erste Arbeiten noch 2021 möglich machen.

Rathaus beteuert: Geben nicht auf

Zwischen Kläden und Bismark dürften die Arbeiter nicht so schnell anrücken. Begonnen könnten sie naturgemäß, „wenn die Planungen und rechtlichen Rahmenbedingungen abgeschlossen sind“. Aber natürlich und anders ausgedrückt: „Wenn es nach mir geht, vorgestern.“ Und Schwarz weiter: „Realistisch müssen wir abwarten, einen Zeitrahmen kann und werde ich hier nicht nennen.“ Den Hut auf hat das Land, es handelt sich um eine Landesstraße, Sachsen-Anhalt ist sogenannter Straßenbaulastträger. Und mit dem gebe es „wiederkehrende Gespräche“. Eine Anfrage der AZ im Verkehrsministerium in Magdeburg läuft. Der mögliche Radweg könnte auch eine Rolle bei den Planungen für eine Ortsumfahrung Kläden (Straßenverkehr) spielen. Hintergrund hier: Die Bahnlinie wird ausgebaut, Schranken müssten sich wegen steigenden Zugverkehrs allzu oft senken.

Heben und strecken soll sich der Daumen für Radwege wie den von Kläden nach Bismark. Zeit habe das Vorhaben „aus Sicht der Bürger keine“, meint die Rathauschefin. „Und mal ganz ehrlich und realistisch, alle Bürgermeister in Sachsen-Anhalt, welche Orte und Ortsteile an Landesstraßen haben, haben den Wunsch, dass diese durch straßenbegleitende Radwege verbunden werden. Das bedeutet viel Arbeit und noch mehr Geld. Von der Zeit möchte ich da erst gar nicht reden.“ Das Bauamt und sie hätten jedenfalls in der Landesstraßenbaubehörde einen guten Partner. In den Besprechungen säßen sich beide Seiten „in Augenhöhe gegenüber“ und suchten nach Lösungen. „Und es ist ja nicht so, dass wir gemeinsam noch nichts erreicht haben“, findet die CDU-Frau. Wie lange Radfahrer entlang der L 15 noch ohne eigenen Weg leben müssen, wird sich zeigen.

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