Ilse Wahle dankt allen Helfern im jahrelangen Kampf gegen die Bürokratie der Deutschen Bahn

Der Baum ist endlich gefällt

Mit bloßen Händen kann Ilse Wahle den Baumstumpf auseinandernehmen. Sie ist erleichtert, dass der Baum jetzt weg ist.

Kläden. Der Baum ist gefällt. Dank dem Einsatz von Bundestagsabgeordneter Katrin Kunert (Die Linke), der Ordnungsamtsleiterin der Einheitsgemeinde Irene Kersten und der AZ muss Ilse Wahle bei Sturm nun keine Angst mehr um ihr Haus in direkter Nachbarschaft zum Klädener Bahnhof haben.

„Am vergangenen Freitag kamen die Männer und haben den Baum gefällt“, freut sich Wahle, als sie der AZ gestern den übriggebliebenen Stumpf des Baumes zeigt. Mit bloßer Hand kann sie ihn teilweise auseinander pflücken, das Holz ist weich wie ein nasser Schwamm, hat überall kleine Löcher. Und: die verfaulte Seite zeigt zum Haus von Familie Wahle, der Baum wäre also auf das rund 140 Jahre alte Gebäude mit den blauen Fensterläden gestürzt.

Drei Jahre Kampf mit der Bürokratie der Bahn liegen hinter Ilse Wahle. Bereits im November 2008 hat sie bei der Bahn den morschen Baum am alten Bahnhofsgebäude gemeldet, Fotos geschickt. Da war noch Magdeburg dafür zuständig. Nach fehlender Reaktion erfolgte ein halbes Jahr später eine erneute Meldung, diesmal an Leipzig. Doch trotz mehrmaliger Telefonate und Briefe sei nie einer für den Baum zuständig gewesen oder habe ihn sich auch nur mal angesehen. Die Klädenerin wurde allein gelassen. „Solange er nicht fällt, ist sowas nicht wichtig für die Bahn. Es ist ja nicht ihr Haus, was in Gefahr war“, erinnert sich die 79-Jährige. Im September dieses Jahres wurde das Ordnungsamt der Einheitsgemeinde Stadt Bismark von der Klädenerin Vera Völtzke über die Zustände informiert, dieses bescheinigte eine drohende Gefahr, die von dem Baum ausging, und leitete das Gutachten an die Deutsche Bahn als Grundstückseigentümer weiter. Doch auch darauf gab es keine Reaktion.

Nun schaltete sich auch der Sohn von Ilse Wahle ein und besuchte am 27. Oktober die Sprechstunde der Bundestagsabgeordneten Katrin Kunert, die ebenfalls versuchte, duch Telefonate an die Verantwortlichen heranzukommen. Doch erst auf ein Schreiben der AZ wurde geantwortet. Es fehle an Kapazitäten und man würde sich schnellstmöglich um eine Lösung des Problems bemühen, so die Pressestelle der Deutschen Bahn. Auch von der Ordnungsamtsleiterin Irene Kersten und Katrin Kunert erreichten Anrufe die Verantwortlichen beim Grundstückseigentümer.

Und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Der Baum wurde vor einer Woche gefällt, nach drei Jahren. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben und sich darum kümmerten, dass endlich was passiert“, erklärt Ilse Wahle. Nur weil sich so viele für sie eingesetzt hätten, brauche sie jetzt größere Stürme nicht mehr zu fürchten. „Vor allem bei den starken Winden der vergangenen Tage war ich sehr erleichert, dass da nur noch der Baumstumpf ist“, freute sich die Hausbesitzerin gestern vor Ort.

Von Bianca Lange

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