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Bismark: Ortsumfahrt verläuft noch im Sand

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Von: Marco Hertzfeld

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Mehrere große Fahrzeuge begegnen einander in der Bismarker Innenstadt.
Der Straßenverkehr im Bismarker Zentrum kann schon dieser Tage durchaus beachtlich sein. Pkw, Lastkraftwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge begegnen einander. © Marco Hertzfeld

Die Autobahn und auch der Werksausbau von Uelzena verändern die Infrastruktur. Eine Ortsumfahrung für Bismark rückt verstärkt auf die politische Tagesordnung.

Bismark – Mit den Achseln zu zucken, scheint nicht ihre Sachen. Schon gar nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Annegret Schwarz wirkt bei der lang ersehnten Umfahrung für Bismark jedoch einigermaßen ratlos. Das Unternehmen Uelzena steckt Millionen Euro in seinen altmärkischen Standort, neue Käserei und Salzbad sollen möglichst 2025 in Betrieb gehen. „Eine Investition, die für die Stadt nur gut sein kann“, sagt die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde. Die Autobahn soll 2027 komplett sein. „Davon profitiert eine ganze Region.“ Beides habe aber eben auch ihren Preis und wirke sich unmittelbar auf das Verkehrsaufkommen in der Kleinstadt auf. Dann ist da vor allem diese eine enge Stelle im Zentrum. Die CDU-Frau: „Ob wir dort am Ende mit einer Ampelanlage arbeiten müssen, wird sich zeigen.“

Ein Nadelöhr mit Ampel entschärfen

Erst kürzlich erneuerte die Großkäserei ihr Bekenntnis zu Bismark und skizzierte den Ausbau. Ruth Rothe, die Ortsbürgermeisterin der größten Ortschaft der Einheitsgemeinde, hat alles genau registriert. „Die Entwicklung ist natürlich lobenswert, sie sichert Arbeitsplätze und verspricht vielleicht den einen oder anderen Job mehr. Doch dürfte sich die Zahl der Lkw erhöhen“, meint die Linke, ohne aktuell mit konkreten Zahlen arbeiten zu können. Und ja, gerade die Landesstraßen im Raum Bismark dienten der Altmark-Autobahn als Zubringer, was auch die Innenstadt spüren werde. „Es gibt immer mehr Bürgeranfragen. Wir werden das Thema auch deshalb in Ortschaftsrat und Stadtrat noch einmal stärker auf die Tagesordnung nehmen“, kündigt die 72-Jährige im AZ Gespräch an.

Verkehrslinien auch so auf Prüfstand

Schon in den 1990er-Jahren hatte es Pläne für eine Nordumfahrung bis nach Kläden geben. „Wir sind an dem Thema dran“, beteuert Schwarz. „Doch entscheiden nicht wir über einen Bau, das Land ist zuallererst zuständig, weil Landesstraßen im Spiel sind. Bei mir ganz persönlich rennen alle, die eine Umfahrung fordern, offene Türen ein. Es ist auch mein Wunsch.“ Bei den Quartalsgesprächen mit der Landesstraßenbaubehörde betonten die Stadtvertreter regelmäßig, dass nicht zuletzt der Uelzena-Werksausbau sich direkt und spürbar auf die allgemeine Infrastruktur auswirken werde. Nein, konkrete Zahlen zum Lastkraftverkehr derzeit und zukünftig habe sie auf die Schnelle nicht und spekulieren werde sie schon gar nicht. „Wir rechnen mit steigenden Zahlen, das natürlich schon.“

Das Rathaus habe insbesondere das Nadelöhr im Zentrum im Blick. Wo die Breite Straße zur Döllnitzer Straße wird, muss eine Seite des Verkehrs warten, so schmal ist es. „Die Enge ist nun einmal da, wir können ja die Häuser nicht verrücken.“ Die eine oder andere enge Stelle mehr gebe es in der Stadt auch, der Aufbau von Ampelanlagen scheint zumindest nicht ausgeschlossen. „Es braucht Ruhe und Weitsicht, einen Plan. Wir wollen uns ja mit Ortschaftsrat, Polizei und anderen die gesamte Verkehrsführung sowieso anschauen“, erinnert Rathauschefin Schwarz. Der Auftrag sei gewissermaßen im Zuge der Haushaltslesung entstanden, Anlass war demnach der Ausbau der Wilhelm-Lüdecke-Straße. Eine Ortsumfahrt für Bismark sieht die Bürgermeisterin derzeit mittelfristig nicht.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Umgehungsstraße fehlt / Ganz ohne Idee wäre doch Käse:
Was die Altmark-Autobahn am Ende auch allen bescheren mag, sie erzeugt erst einmal eine gewisse Aufbruchstimmung in der gesamten Region. Das ist wichtig. Die Großkäserei steckt Millionen Euro in den altmärkischen Standort, auch das zählt über die Einheitsgemeinde hinaus. Doch verändern Autobahn wie Werksausbau die lokale Infrastruktur unweigerlich und das ist nicht erst seit gestern bekannt. Um die Befürchtungen der Menschen in Bismark ernst zu nehmen, muss man nicht an einer der Straßen im Zentrum wohnen, auf denen der Verkehr in wenigen Jahren noch einmal spürbar zunehmen dürfte. Politik und Verwaltung verschiedenster Ebenen müssen endlich einen Plan haben. Alles andere wäre Käse.

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